Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 37 (13.9.1883)
- Article
- Salomonische Spruchweisheit
- Date
- 1883-09-13
- Page
- 631 (sequence 2)
- Language
- German
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Willen dieses Gesetzgebers untersteht und mit allem! seinen Können und Wollen sich dem allerhöchsten Willen dieses Gesetzgebers zu unterstellen habe, wenn nicht דעת ד׳ sofort auch יראת ד׳ als gebieterische Forderung setzte, und diese Forderung nicht Manchen! unbequem wäre. Nur so konnte cS kommen, daß eine Wissenschaft, deren Forschung immer inehr die in der Natur sich verwirklichenden Gedanken, die in der Natur herrschende Zweckmäßigkeit, die in der Natur waltenden Gesetze sich erschlossen und die doch der damit sich unabweisbar aufdrängcnden Wahrheit eines weisen, allmächtigen, Zwecke wollenden und Gesetze setzenden Schöpfers und Meisters auö den! Wege gehen wollte, diese ihr lästige Wahrheit durch Erfindung höchst deukwidrigcr Ungedankcn wie unbegründete Zweckmäßigkeil, willenloser Wille, Weisheit des Unbewußten :c. rc. — (beiläufig, als ob das, was ohne unser Bewußtsein sich irreloS vollzieht, nicht dennoch und nicht eben darum Produkt eines höher», höchsten Bewußtseins sein könnte und müßte!) — umgehen zu können gemeint. Solche Ungedankcn, die das Wissen aus Scheu vor der konsequenten Erkenntniß und Anerkcnutniß Gottes, das רעת vor der konsequenten 'יראת ר erfindet, sind vor dem Forum unserer Spruchweisheit Unverstand, אולת, wörtlich eine Verdunkelung des Verstandes, und darum ist ihr Gottesfurcht der Anfang alles Wissens und die PorauSsetzuug aller Weisheit, darum sind ihr nicht Diejenigen nur אוילים, die הכסה verachten sondern auch Diejenigen, die מופר verachten, und מופר, die Unterorduung unter ein göttliches Sittengcsetz, in welcher sich 'יראת ר, die Erkenntniß und Anerkennung Gottes bcthätigt, steht in solcher uothwcndigcn Zugehörigkeit zur הכסה, daß mit Verwerfung des סופר auch die הכסה ihren Boden verliert, und zum Aufbau menschlichcr, Wahrheit suchender und Wahrheit huldigender Wissenschaft nicht nur Geistesschärfe, sondern in allererster Linie auch sittliche Karakterreinhcit gehört, und nur דעת קדושים zur בינה führt. Und endlich לבני כבוד ענוה, wessen Sinn nicht, je mehr ihn ein wissendes Eindringen die Geheimnisse und Wunder der Natur entschleiert, zu einer deunlthsvollern Anbetung Gottes gelangt, dessen Größe und Weisheit ihm aus den Wundern seiner Schöpfung entgcgenlcuchten, wenn das bischen mit so vielen Zweifeln behaftete, so viele Räthsel ungelöst lassende menschliche Wissen statt mit Gott anbetcnder Bescheidenheit, mit Menschengeist vergötterndem und den Mcuschengcist vcrdunkelndem Hochmuth erfüllt, der wird den Ehrenpreis der dem Menschen zugänglichen Weisheit nicht erringen, denn dem Erringen dieses Ehrenpreises muß Bescheidenheit vorangehen. — Unverstand eines Menschen krümmt seinen Weg, Und über Gort zürnt sein Herz. (19,3.) Gott hat dem Menschen mit dem Gewissen Seine Stimme cingcpstanzt, die ihn wandeltos mahnt, Böses zu meiden und Gutes zu üben, hat ihm durch Ucberliefernug offenbart, was das Böse und Gute sei, das zu meiden und zu üben sein Gewissen ihn mahnt, hat ihm die Fähigkeit verliehen, die Natur der Dinge und Verhältnisse, und damit den Weg zu erkennen, der ihn! zun! Meiden des Bösen und zun! Uebcn des Guten führt, und wenn dieser Weg auch von verlockenden Versuchungen und von hemmenden Schwierigkeiten nicht frei bleibt, so sollen diese Versuchungen und Schwierigkeilen ihn nicht von dem einen einzigen ihm angewiesenen Wege ablenken, sondern haben eben die Bestimmung, durch Widerstehen der Versuchungen und Uebcrwindcn der Schwierigkeiten seine sittlichen und geistigen Kräfte für den ausschließlichen Dienst dcö Guten zu heben und zu stärken. Diesen zum Vermeiden des Bösen und zur Verwirklichung des Guten führenden Weg, an dessen Ziel allein das wahre Heil dem Menschen winkt, nennen unsere Sprüche den geraden, weil er ohne Ab- und Umwege zum wahren Ziele führt. Daher die Ermahnungen: Laß' deine -Augen stets geradeaus schauen, Und deine Wimpern die gerade Linie zu dem dir vorgestcckten Ziele fassen, (Beim genauen Fixiren verengt man den Blick durch Lider und Wimpern) Wäge ab die Bahn deines Fußes, Und alle deine Wege seien recht gerichtet, Nicht rechts weiche ab und nicht links, Halte zurück deinen Fuß vom Bösen! (4, 25—27.) In allen deinen Wegen habe deinen Sinn auf Gott gerichtet, Das wird deine Pfade gerade!nachen. (3, 6.) Wenn aber der Mensch nicht durch die Stimme des Gewissens und die göttliche Offenbarung zur Erkcnntniß dcö rechten Zieles gelangt, oder seine Geistesfähigkeit nicht zur Erkenntniß des rechten Weges zu dem rechten Ziele gebraucht, dann bleibt sein Geist verdunkelt, eine Verdunkelung dcö Geistes, die unsere Sprüche ,אולר nennen, das wir mit Unverstand wicdergcben. Durch diesen Unverstand geleitet, verläßt der Mensch den geraden Weg, sein Weg wird krumm, und jeder krumme Weg bringt ein doppeltes Unheil: er führt dahin nicht, wohin man konrmen sollte, und führt dahin, wohin mau nicht kon!n!en sollte. Und wenn nun am Ende eines solchen Weges das Gute, das man haben möchte, ausblcibt und unwillkommenes Schlechte eintritt, dann klagt derselbe Unverstand, der uns den verkehrten Weg geführt, wohl Gott an, daß er dem