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Jeschurun · 1883-09-06 · Heft 36 (6.9.1883) · p. 609

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 36 (6.9.1883)
Article
Rabbi Salomon Pleßner
Date
1883-09-06
Page
609 (sequence 2)
Language
German
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60.9 die, um es mit dem lauMäufigcn Ausdrucke kurz zu bezcichucn, Bildung und Iudcuthum, Wissenschaft und Gesctzcstreue harmonisch zu vereinigen verstanden. Salomon Pleßncr stand auf der Höhe der Zeit und war, wie er sich am liebsten nannte, Rcligionslchrer, ein achter Lehrer des Iudcuthuius, ein degcistcrtcr Prediger jüdischer Gesctzcstreue. Er war der Nestor der jüdischen Kauzclbcredtsamkeit in deutschen Lauten und begann als solcher vor sechszig Jahren bereits (1822) seine Wirksamkeit in Breslau. Neinheit der Sprache, Klarheit des Gedankens, Innigkeit des Gefühls und vor Allem tiefinnerste Ucberzengung und acht jüdische Gesinnung sind die karaktcristischen Züge seiner Predigten, von welchen eine sehr bedeutende Anzahl im Drucke erschienen und Gemeingut geworden ist. Durch seine Vorträge in Berlin und Posen und an vielen Orten, wohin er zu einer Zeit berufen wurde, wo die ״deutsche Predigt" in den jüdischen Gemcindcn noch zu den Seltenheiten gehörte, sowie durch seine schriftstellerische THÜtigkeit wirkte er lehrend und anregend und schuf sich einen Namen, welcher in ganz Israel mit Verehrung genannt wird. Sein דת משה ״ ,ויהודיתHa u p t rel i g i o nswahrheiten und Lehre des Judcnthuins", welches 838 ו erschienen, ist sehr verbreitet gewesen und hat dem Unterrichte seinerzeit wichtige Dienste geleistet. Das vorzüglichste seiner Werke ist unbedingt ״ אבן טובהDie kostbare Perle oder das Gebet" (1836) und sichert seinen unvergänglichen Ruhm. In ihm offenbart sich sein umfassendes Wissen, sein tief angelegtes poetisches Gemüth, sein feines Verständuiß für die Schönheit unserer nationalen Dichtkunst. Was Ptcßner hier z. B. über die Piutim-sagt, ist mustergültig für alle Zeiten. Wir können uns nicht enthalten, einige Stellen aus diesem Werke hier anzuführen: ״Kann cs wohl eine cigcnthümlicherc und doch zwanglosere und kraftvollere Dichtung geben, als in den unvergleichlich poetisch geschriebenen טל und נשם des Kallir? Wie rührend und ergreifend klingt nicht im erstern das meisterhafte Gemälde der Auferstehung, wo — in morgendlicher Lcbensfrischc belebenden Thau trinkend — eine erstorbene Welt in neues und ewiges Dasein erwacht? Jeder Ansdruck ergreift uns mit heiligem Schauer: לטתים . . . הומה תהית טל יעדרו — יזוררו — יהיו — ברדת טל יעטרו — יקומו — יעלו — בשבבת טל, Es duftet das Gemälde, wie der Thau, den es besingt! — Ich kenne in der spütcrn Poesie nur ein diesem Gemälde ähnliches, dem Pint Ehre machendes Beispiel. — So meisterhaft find aber auch im ietztern Gesänge (נשם) die Bilder des Regens, der ans fegenschwangerem Gewölk heruntcrströmt aus die lechzende Flur; — verjüngt empor hebt jählings sich das aufgrünende Gefilde; wollüstig schnappt Fisch und Schuppengcschlecht nach dem triefenden Regen; im Wohlgcfühle belebender Frische erstarkt, gedeiht und weitet sich im hochgeschwollenen Flusse der zu Genesung badende Sieche. — Selbst das schreckenschwangere Gewitter rollt, seine Natur beschwichtigend, sanft über unserm Haupte dahin; und wie der erg nickende, aus Anger und Au herabprasselnde Regenguß umranschen in jenem Mittagsgcbet die einfach ländlichen und doch erhebenden Worte uns: טטר יורה לירות שדות ויערות — מים ימלאו יאורות -—י Warum mußte man euch nur so vcrkcunen, ihr reinen .Kinder der Natur? Ihr Ausflüsse ächter Bcgeistcrung, die ihr dem Genius der heiligen Sprache keine Kränze fremder Blumen gcivunden, die ihr zwar in ländlicher Schlichtheit, aber dem Geiste eures Volksthums getreu, gesungen habt die Thaten des Gottes Israels und seine Gesetze, und seine Vergangenheit, und seine Zukunft. — Euer ist ächtes Hochgefühl; euer Feuerwort trifft und entzündet das noch au fremden Geschmack unverwöhntc Gemüth zu entzückender Andacht! Der brennende Blumenschmcl; eurer Bilder ist unsrer Feste köstlichster Schmuck, in dem sic, angcmessen ihren Zwecken, Gott und Menschen erfreuen. Eure kindlichen Töne, in denen noch die Vorzeit lebendig uns aurcdct, wie erwecken sic in uns am Feste der Ueberschreitung, wo sic über die rosigen Pfade des Hohen-Liedes uns gängeln, die erste jugendliche Liebeswärme zu Gott, dem himmlischen Bräutigam! — Der Wellen rausch eures Sicgsgesanges an dieses Festes letzten Tagen, wie lebhaft versetzt er uns zurück in das Wundergedrängt jenes zerrissenen Meeres, über dessen hochgclhärmten Fluthcn, die Allmacht zu Israels völliger Befreiung aus der Knechtschaft eisernen Banden, mit all' ihren Schrecken lagerte. — Au eurem Gotteshauche entflammt am Feste der Gcjetzcrscheiunng uns noch heute sich Sinai, umschwärmt von Myriaden Engeln, erzitternd unter dem Nachhallc donnernder Worte des Allgewaltigen. — Ihr nur stellt am Neujahrs- und Vcrsöhnungsfeste in anschaulicher Wirklichkeit den erschrockenen Sünder vor die Flammcnthorc des HöchNcn, welcher Welten richtend, Urtheilc des Lebens und des Todes über ganze Geschlechter spricht! — Eurer Fruchtbarfeit begeisternde Fülle ladet am Herbstfcste uns in die freundliche Hütte, uns deren hohe Bedeutung enthüllend, und schmückt mit des dichterischen Wortes reizender Blüthe uns den duftenden Palmcustrauß. — Euch, euch verdanken wir, die solchen Tagen des Herrn angcmcsscnccutsprecheudeEmpfindung." ('S. 180—182.) Und Seite 247: ״Sic (die Piulim) rühren — wenn sie rühren wollen — bis zu schmelzenden Thräucn;

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