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Jeschurun · 1883-09-06 · Heft 36 (6.9.1883) · p. 607

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 36 (6.9.1883)
Article
Zur russischen Judenfrage
Date
1883-09-06
Page
607 (sequence 3)
Language
German
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willig abwenden, die die heiligsten Empfindungen tief verletzt und daS erhabenste Gut des jüdischen VolksstammeS, welches er seit Jahrhunderten mit der willigen Dahingabe aller irdischen Schätze: Freiheit, Ehre, Frieden, Vermögen, Leben vcrthcidigt und sich erhalten hat, ihm zu entreißen droht. U n g e r c ch t, weil es keine größere Gewaltthätigkcit giebt, als die religiöse Uebcrzeugung eines Menschen oder eines Volks anzntasten. Vcrdblich, weil dadurch der verhängnißvollstc Wahn genährt wurde, als ob unverbrüchliche Ges׳׳tz׳׳Stve׳.׳.e und Bildung zwei sich gegenseitig anSschließendc Potenzen wären, als ob Jndcnthnm und wahre Kultur in einem unversöhnlichen Gegensätze zu einander ständen und die Juden Rußlands nur die Wahl hätten, entweder unter Aufgabe der bis jetzt geübten treuen Pflege jüdischer NeligionSwisscnschast und deS gewissenhaft bcthütigwn Gehorsants gegen die Religion durch die unbedingte Erfüllung aller ihrer Satzungen und Vorschriften gebildete Russen zu werden, oder unter Pcrhorreszirung der national-russischen Kultur in der bisherigen Anhänglichkeit und Treue bei dem Banner des JudenthnmS zu beharren. Darum, wir wiederholen eS mit allem ')Nachdruck, handelte Derjenige verkehrt, ungerecht und verderblich, welcher der jüdisch-russischen Bevölkerung ״Bildung" äufzwingen, oder diese ״Bildung"! als mit der gewissenhaftesten Uebung der religiösen! Vorschriften im Widerspruch stehend betrachten wollte, j Uub nicht minder nachdrücklich sprechen wir eS anS,! daß dieser Wahn eines Gegensatzes zwischen Judenthnm, und, um eS ganz bestimmt zu bezeichnen, deS ganzen, unverfälschten JndenthnmS, wie eS in der schriftlichen und mündlichen Lehre überliefert und in den für die Praxis bestimmten Gesetzbüchern geordnet vorliegt, und wahre Bildung thatsächlich ein Wahn ist, daß vielmehr die Inden Rußlands auf der höchsten Stufe einer national-russischen Bildung und Wissenschaft sich befinden und daneben ernst gewissenhafte, gesetzeStrene Juden bleiben können, wie ihre Väter und Großväter eS gewesen. -Fortsetzung folgt. ) Siilomonil'iljc Spntfljiuciüljcit. 25011 Samfoii Raphael Hirsch. VIII. Weise nud Thoren. (Fortsetzung.) Nicht nur Weise daher, auch die Freunde der Weisheit, alle die, die Belehrung suchen, die gerne auf das lehrende Wort hinhorchcn, wenn es sich auch zu einer Zurechtweisung für das Leben gestaltet, alle diese gehören mit zu den: Kreise der Weisen: Ein Ohr, das hinhört auf Zurechtweisungen deS Lebens, Mag im Kreise der Weisen weilen. (15,31.) Denn die rechte Weisheit ist wesentlich mittheilsam, sic ist keine in sich versunkene, vom Leben abgcwcndcte Beschaulichkeit, sie ist ein Licht, daS gerne leuchtet, wie ihr Gegenstand das Leben ist, so freut sic sich, auf das Leben cinwirken zu können, und wie ein Sprichwort der Weisen lautet: ״mehr noch als das Thierjnnge zu sangen wünscht, wünscht die Thiermuttcr zu säugen." Eine Quelle des Lebens ist der Verstand Denen, die ihn gebrauchen, Züchtigung der Unverständigen ist der Unverstand. (16,22.) Auch der Verstand ist eine Gabe, die nur heilsam wird, wenn der damit Begabte sein Herr und Meister ist, wenn er ihn entwickelt und zum rechten Gebrauch verwendet, dann wird er ihm eine Quelle deS Lebens. Unverständige aber haben ihre Strafe an] ihrem Unverstand und werden nur durch die schlinrmen;Folgen ihres Unverstandes zur bessern Einsicht, oder doch dazu gebracht, die bessere Einsicht zu suchen. •sfc־ Eilte schlechte Handlung der Unwissenheit ist auch Sünde, Zunt Abscheit Aller aber wird sie bei einem spotlcrgebencn Menschen. (24, 9.) (סמיכות תועבה ohne נסמך, somit auf Alle zu beziehen, Abscheu GotteS und der Menschen.) Aus Unwissenheit ein Unrecht zu begehet!, ist auch Sünde, und auch der עושת בשגגה bedarf der ־הטאת Sühne. Denn die Unwissenheit selbst ist Sünde, lieber daS, was zur pslichtgetrencn Erfüllung seiner Lebensaufgabcn zu wissen nothwendig ist, soll Keiner, und in: jüdischen Kreise braucht Keiner unbelehrt bleiben. Wenn aber Einer der Kenntniß seiner Pslichtlchre fern gebliebenist, weil er zu den לצים zählt, die überhaupt auf alles Heilige mit frivolem Spott hinabblicken, dann ist auch daS, was ׳er in Unwissenheit übt, kein zu sühnender Jrrthum inehr, dann ist es ein von Gott und Menschen zu Verabscheuendes, er begeht eS ja, wenngleich in Unwissenheit, doch nicht aus Unwissenheit, er Hütte eS ja auch mit vollem Bewußtsein gethan, er wäre ja, wir der Ausdruck der GesctzcSlehrc lautet, nicht שב מידיעתו gewesen, ein besseres Wissen Hütte ihn ja nicht vom Begehen deS Unrechts zurückgehalten * Tiefe Wasser sind oft die Worte, die eines . Mannes Mund spricht, Ein offen qnillender Bach ist aber der Tiefborn der Weisheit. (18,4.)

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