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Jeschurun · 1883-08-30 · Heft 35 (30.8.1883) · p. 587

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 35 (30.8.1883)
Article
Kollektiv-Berichte aus Ungarn
Date
1883-08-30
Page
587 (sequence 3)
Language
German
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587 betrauen und so das Ansehen und die Bedeutung der Kongreßpartei zu erhöhen. Es ist nun Sache der Rabbiner und Gemeinden, auch diese auf Usurpirnng nicht zu unterschätzender Rechte ausgehende Spekulation der ״Kanzlei" zu dereilcln. — Voraussichtlich werden die Kougreßler fortan das Gebahren der orthodoxen Matrikelführer mit Argusangcn bewachen und sobald sie auch nur die geriugsügigsten Mängel erspähen, werden sie die Snspen« dirung vom Amte urgircu. — Wir erhielten vor Kurzen» Prciseonrant und Musterbogeu verschiedener Sorten Drucksachen für Matrikelführer von Herrn Eduard Singer, Buchhändler in Stnhlwcißenbnrg. Es ist wohl nicht unser Beruf, -für Geschäftsartikcl Reklame zu machen, doch im Interesse der jüdischen Matrikelführcr in Ungarn können wir nicht umhin, diese Drucksortcn be'iens zu empfehlen. Dieselben sind sehr nett und korrekt ausgeführt, überaus praktisch angelegt, gewähren gar viele Erleichterungen, sind ein Vorzuglicher Behelf zur Matrikelführnng und auch recht preiswürdig. Wir zweifeln nicht daraw, daß -Herr Singer welcher, wie uns von befreundeter Seite mitgetheilt wird, einer hochverehrten Nabbinerfamilie cutstammt, gern bereit sein wird, aus Anlaß der trüben Agitationen der Kongrcßler den Matrikelführern in orthodoxen Gemeindeu freuudlichst entgcgenzukommen, zumal er selbst ein hervorragendes und eifriges Vorstandsmitglied der orthodoxen Gemeinde zu Stnhlweißenburg ist. P. S. Dieser Bericht war bereits eouvertirt, da kam uns die Knude, daß auch zahlreiche Kongreßgemeinden gegen das absurde ״Rundschreiben" der ״Kanzlei" entschieden protestiren. — Also auch die Kongreßgetreuen stimmen ein in unseren Ruf: Marlin Schweig —er!! Ans der ersten Hälfte misercs Jahrhunderts. (Nach einer wahren Begebenheit) Kriedrickj Pott. ('.1Ule NI echte vorliehalte») (Fortsetzung.) ״Könnte ich Dir nicht Helsen?" fragte Mirjam, als Rahel im Begriffe war, mit dem Geschirr das Zimmer zu verlassen, ״ich möchte Dir so gerne die Magd ersetzen, die Du um meinetwillen entlassen hast.'" ״Ich habe Deinen Wunsch voransgesehen," entgcgnete Rahel, ״und habe deshalb in sämintlichen Zimmern die Vorhänge herniedergelassen und die Hausthür geschlossen. Mein Mann ist im Magazin, so wird Keiner ihn hin׳ suchen, und kannst Du Dich daher ohne Aurcht in allen Räumen frei bewegen." Gemeinschastlich machten sie sich mm an die Arbeit und hatten dabei auch genügend Muße, sich zu unterhalten. Mirjam mußte von ihrer Flucht erzählen'und von ihrem Leben im Seidlerhofe; Rahel berichtete von ihrer Verheirathnng und von ihrem häuslichen Glücke. ״Mein Mann ist zwar nicht schön und sieht auch nicht übermäßig nobel aus, aber er ist so gut und brav und lieb — man muß ihn gern haben, findest Du das nicht auch?" Selbstverständlich stimmte Mirjam ihr zu, aber sie zürnte sich selber, daß sie. während die Freundin von ihrem Manne gesprochen, denselben unwillkürlich mit dem Seidler Toni verglichen hatte — wie war das doch so dumm! — sie mußte erröthen über diese Dummheit. ״Weißt Du nicht, Rahel, wie es.meiner Mutter und meinen Brüdern geht'? Seit einem halben Jahre habe ich keine Nachricht, und ich möchte so gerne wissen, ob meine Mutter auch gesund ist." ״Ich glaube, Dir mit Bestimmtheit versichern zu können, daß sie nicht krank ist. Vorige Woche sprach ich die alte Bete Katz, Du kennst sie doch, die Kousine von Eurer Lcah, sie erzählte nur, Lcah habe zum Herbst kündigen wollen, weil sie gefürchtet habe, Dein Vater werde es für die Dauer doch nicht zugeben׳, daß der Haushalt jüdisch geführt werde, aber Dein Vater habe sic nicht fortlassen wollen und habe gesagt, sie könne in der Küche machen, was sie wolle." ״Das dachte ich wohl," sagte Mirjain, ״der Vater hat cs meiner Mutter ausdrücklich versprochen, daß in der Küche alles bleiben könne wie bisher. Die Mutter Hütte doch sonst nichts gegessen." — ״Freilich nicht," sagte Rahel, ״und bei der Gelegcnheit habe ich mich nach dem Wohlsein Deiner Familie erkundigt, und die Bcle sagte, Leah habe ihr geschrieben, es wäre bei Euch alles wohl auf." Mirjam athmete erleichtert auf, Nahel'S Bericht stimmte vollkommen mit dem Schreiben, das ihr der Seidler Toni überbracht; sie konnte nicht daran zweifeln. ״Gottlob!" sagte sie, ״nun freue ich mich doppelt auf die Feiertage." * * * Der Tag verstrich nur allzu rasch. Mirjain war der Freundin auch beim Ordnen des SedertischcS zur Hand gewesen; im Kohn'schen Hanse war er doch noch weit prächtiger, als ehedem bei ihren Eltern, denn Kohn war reich und mit volle!» Herzen Jude. Mirjam staunte ob der herrlichen Silbergeräthe. Der Abend brach herein. Rahel hatte die Sabbathlampe angezündet und außerdem noch mehrere

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