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Jeschurun · 1883-08-23 · Heft 34 (23.8.1883) · p. 575

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 34 (23.8.1883)
Article
Die Verhandlung des Tisza-Eszlarer Prozeß vor dem Gerichtshof in Nyiregyhaza
Date
1883-08-23
Page
575 (sequence 11)
Language
German
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575 Später wurde jedoch mit aller Sicherheit nlichgewiesen, daß diese Erscheinung ihren Grund darin hat, daß sich die Haut zusammenzirht, mumifizirt und dadurch die nicht kürzer werdendcu und nicht zurückgehenden Haare bester sichtbar werden und größer erscheinen, als vor der Bestattung. — Schenthancr bespricht sodann die von den obduzircnden Dadaer Äcrztcn ansgestellte Behauptung, daß, nachdem sic im rechten Vnngcnfliigel Tuberkeln gesunden, solche auch im Gehirn vorhanden gewesen sein müssen. Dieser Schluß ist nur in den seltensten Fällen zutreffend, abgesehen davon, daß die Konstatirnng von Tuberkcln im Gehirn mit freiem Auge kaum möglich ist. Die Herren haben das aber bei dem Umstande, daß das Gehirn in vorgcschriitener Fänlniß war, dringend gebraucht, um trotzdem die Reiche als frisch erklären zu können. Es wurde dann, fährt Professor Schenthancr fort, hier erwähnt, daß viele Zengen Esther darum nicht erkennen konnten, weil die Reiche länger, stärker und älter erschien als Esther. Es ist zu verwundern, daß sie als Fachmänner nicht wußten, daß die?eichen von Ertrunkenen um zwei, drei, ja um vier Jahre älter erscheinen, weil in Folge der Fäulnis; das Gesicht mehr oder weniger ausgedunsen und alle Körpertheilc breiter und größer erscheinen; die Mnskelbänder werden schlaff, die Gliedmaßen und damit der ganze Körper erscheinen länger. Das habe ich aus die Ausführungen Traitler'S zu bemerken.!^Fortsetzung folgt.) Korrespoudcuzen und Nachrichten. Deutschland. □ Ans Siiddcutschlaud. Zu den verdienstvollsten literarischen Erzeugnissen der Gegenwart auf dem Gebie-tc des jüdischen Unterrichte zählt die von Abraham imb Wilhclin Singer unter dem Titel המדריך hcrausgegebcnc talmndische Ehrestomathic. Obgleich in Nr. 2 dieser Zeitung dieselbe bereits in kurzer aber denilvch erschöpfender Weise die verdiente öffcntlichc Anerkennung und Empfehlung gefunden, so möge die geehrte Redaktion gleichwohl auch diesen wenigen Zeilen zum Lobe des Werkes die Aufnahme nicht versagen, zumal solche aus der Feder eines Mannes fließen, welcher durch die eigene praktische Erfahrung die Zweck- Mäßigkeit desselben zu konstatiren in der Lage ist. Ich habe Gelegenheit gehabt, mich zu überzeugen, welche trefflichen Dienste diese Chrestomathie dem ersten Talmudunterrichte leistet. Bei der nun einmal meistens knapp zugcmesscncn Zeit, welcher dem größten Theil der Jugend für die Einführung in die talmudischc Wissenschaft zur Verfügung steht, mußte mau bis jetzt sicherlich vielfach; darauf verzichten, mit Erfolg den Talmudunterricht zu! beginnen. Ich wenigstens habe cS an der Hand des; המדריך unternehmen können, manche Knaben, bei welchen sonst ein solcher Versuch geradezu aussichtslos gewesen wäre, in die ״vier Ellen der Halacha" cinzusührcn. Das Material ist von den Herren Verfassern außerordentlich geschickt zusannnengcstellt, verwandte Partien des Talmud sind hier vereinigt, das Prinzip des UcbergangS vom Leichten zum Schwereren ist glücklich durchgesührt, so daß der Lehrer mit freudiger Genugthuung die wirkliche Aneignung des Lehrstoffs seitens der Schüler und deren lebhaftes Interesse für denselben gewahrt. Wenn ein Knabe also während der Schuljahre, die er im Gymnasium oder in der Realschule verbringt, diese Chrestomathie gründlich durchstudirt hat, so wird er sicherlich Geschmack an dem Talnuidstndiunr finden und befähigt werden, im Jünglings- und Manncsaltcr לקבוע לו ע.תימ בתורה ZN den Quellen des mündlichen Gesetzes zu wandern und während seines ganzen Lebens ans ihnen zu schöpfen. Möge der המדריך sich immer mehr cinbürgern nnd iu weiten Kreisen dazu beitragen להגדיל הורה ולהאדירה. K. München, 10. August. Einer hiesigen Zeitung wird in einem Privatbriefc ans Neichen hall mitgctheilt, daß daselbst an Ruhebänken re. Zettel mit einigen Worten in antisemitischem Sinne nngchcfici wurden, und daß in Folge dessen das ״Kgl. Bade Kommissariat" folgende Bekanntmachung erlassen hat: ,/J!n Lause der letzten beiden Tage wurden zahlreiche Ruhebänke, Wegweiser re. in den Anlagen mit Zetteln beklebt, deren Inhalt bereits zur Anregung der Untersuchung wegen Vergehens nach § 130 und :304 des Strafgesetzbuches Anlaß gegeben hat. Im Interesse der künftigen Fern- Haltung ähnlicher Vorkommnisse dnrch strenge Bestrafung der z. Z. unbekannten Thäter wird an das gcsammtc fremde und einheimische Publikum die Aufforderung gerichtet, etwaige Anhaltspunkte zur Entdeckung derselben anher zur Anzeige zu bringen imb zugleich Demjcnigen, welcher verlässige, zur Entdeckung führende Daten liefert, eine Belohnung von 25 .ik zngcsichcrt. (Gcz.) Graf Pestalozza." A Nürnberg, 17. August. Folgende Notiz in der ״Allgem. Ztg." dürfte auch für die Leser des ״Jcschurun" nicht uninteressant sein, und will ich daher dieselbe der Hauptsache nach hier wicdcrgcben. Es handelt sich nämlich um ein im Besitze des Kgl. bayerischen geheimen HausarchivS befindliches Diarium, welches der Herzog Ferdinand von Bayern, ein Sohn des durch seine Kunstlicbc bekannten Albrecht V, über seine Erlebnissc auf seiner tut Verein mit damaligen hohen Fürsten aus Deutschlands edelsten Häusern im Jahre 1570 nach den Höfen von Ferrara nnd Mantua unternommencn Reise eigenhändig angcfcrtigt hatte. Es findet sich in demselben unter den den Aufenthalt in Mantua betreffenden Aufzeichnungen Folgendes: ״Naher haben wir sametlich in der hcrtzogin zimber daS nachtmal gesscn. Nach cszcnS vf den saal, da der streßthurnicr gehallten worden, gangen, Alldo ein Comedj von Inden agirt worden; halt schier fünfStondt gcwört. Ist Nichtz anders gewest, alls sonst beij welschen Comedj, allein daS khcin Magnifico vn(d) Zang dabcy gcwcSt; das Ort ist mit Portalln vnd heüßcrn gar hübsch zugeeicht." Die Thatsachc, daß Juden bereits im UZ. Jahr-

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