Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 34 (23.8.1883)
- Article
- Aus der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts
- Date
- 1883-08-23
- Page
- 564 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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564 Freilich war er es, aber wer staunte darüber? — nicht sie, die dort am Tische neben ihm saß und deren Hand gleich seiner die Schüssel hob — aber — ״Komm', Herzchen, wgcls, ans, es ist hohe Zeit zn frühstücken, Du kannst dann weiter schlafen," und Nahel neigte sich über die schwer zu ermunternde Freundin und drückte einen Kuß auf ihre Stirn. Schlaftrunken rieb sich Mirjam die schweren Lider und ihre Lippen bewegten sich. Nahel lachte hell auf. ״Nicht doch, Kind, es ist noch nicht Abend, oor den Ehomezverbrennen fragt man nicht Mahnischtanoh." Mirjam schlug nun vollends die Angen auf und schaute in daS über ihr geneigte lächelnde Antlitz der Freundin. Nasch richtete sie sich auf. ״Ist'S schon spät, Nahel?" ״Nicht allzu spät," beruhigte diese, ״aber Du weißt, wir dürfen Gesäuertes nicht lange mehr genießen, dartun habe ich Dich geweckt." Mirjam hatte sich jetzt vollständig ermuntert und in wenigen Minuten ihre einfache Toilette beendet. Und dann saßen die Freundinnen zusannnen am Kaffeetisch und plauderten auch noch ein Weilchen, aber nicht lange, denn die Zeit drängte. (Fortsetzung folgt.) Israels Wehr und HRichi. Von Jcdidjah. Mein Fuß ist wund, mein Leib ist müd', Den Dienst versagen die Glieder, Ich strauchle stets bei jedem Tritt, Das Elend drücket mich nieder. Ich sind' nicht Ruh', ich sind' nicht Rast, Es treibt das Schicksal niich weiter, In's Leere stur;' ich, blind in Hast, Die Noth ist stets mein Begleiter. Wohin, wohin? Wo ist mein Ziel? Wo kann ich sicher mich betten? Wo harret mein ein weicher Pfuhl, Wo find' ich häusliche Stätten? Gehetzt, gejagt', so trcibt's mich fort, Es duldet Niemand mein Weilen; Bon Land zu Land, von Ort zu Ort Muß matt und kraftlos ich eilen! O Gott im Himmel, schau herab, O laß nicht elend ntich sterben! Es gähnt vor mir ein schaurig Grab — O laß mich ninnncr verderben! — Im Meer des Unglücks treibt umher Dein Volk, cS droht zu versinken, Es drängt der Fluthen tobend Heer, sticht sch' ich Rettung mir winken. Es schäumet wüthend Well' auf Well', Des Hasses Wogen mir dräuen, Es reißt mich fort die Strömung schnell, — Wird nichts vom Tod mich befreien? Wirf einen Ast mir zu, o Gott, j Bleibt Israel den! Gotte treu, Um fest daran mich zu klammern, j Der durch die Thora es leitet, — O Hilf, 0 hilf mir in der Noth,! Steht er ihm stets als Schützer bei,— Er ist's, der treu es geleitet. Nur Gottes Fahne schweb' voran. Auf unsren Schicksalswegcn, Daß enden möge!nein Jammern! O send' mir einen Netlungskahn, In dem ich sicher kann fahren! Will sich kein rettend Säüfflein nahn,; Sie leite uns auf unsrer Bahn, — Um mich vor'm Tod zu bewahren? j Sic führt zu Glück uns und Segen. O sprich, mein Gott, zu mir dein; Schwer ist der Kampf, den du be- Wort, O zeig' mir gnädig dein Walten, Es reißt die Flnthmtich wüthcnd fort, O mögst du mich doch erhalten! stchst, Du Gottes Volk, hier auf Erden, Wenn treu und fest du vorwärts gehst, Wird Lohn von Gott dir ciitft werden! ״Vernimm mein Wort, es bringt j dir Heil! j Mein Volk, ich will dich erretten, Trag' du voran den Völkern all, Alnveuden dir des Schinerzes Pfeil, j Die Lehr', die Gott dir vertrauet, Das Meer, das tosende, glätten!!Führ' sie mit latltem Schopharschall Wahr' meine &1>ז\ Me einst dir ward! ■3״r Burg, die Gatt dir erbauet! Auf Horebs flammenden Höhen! - Leucht' du voran mit Gottes Wort Zur Rettung, die du stets erharrt, j Zum Heile allen Nationen. Hab' ich die Thora ersehen! j Trag' es dahin von Ort zu Ort, An ihr halt' fest, sie dringt dir! 3» deiner Milt'laß es wohnen! Glück,! Zeig' du den Weg! — Zum Heil Erlöst dich aus den Gefahren; | und Glück Schau mit vertrauensvollem Blick! Nur Gottes Worte geleiten! — Ans sic, sic wird dich bewahren!! Erkennt die Welt, daß das Geschick Hält Inda fest an meiner Lehr', j 00“ lenkt für ewige Zeiten, Folgt willig Gotres Gesetzen,?Dann hast du deine Pflicht erfüllt, So wüth' der Sturm auch itoch so - Du that'st den Lohn dir gewinnen, sehr,; Des Heils Gewand hat dich umhüllt, l Er wird cs nimnter verletzen." j Dir winken Zions Zinnen.