Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 33 (16.8.1883)
- Article
- Salomonische Spruchweisheit
- Date
- 1883-08-16
- Page
- 536 (sequence 2)
- Language
- German
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536 Seine geistige Unfähigkeit, die in bescheidener Privatstellnng verborgen und nnr seiner nächsten Umgebung bekannt geblieben wäre, tritt auf der Höhe unverhüllt vor Aller Angen zu seiner Beschämung hervor. Nicht zur Ehre, zur Unehre bringt ihn die Höhe empor. ־#• Des Gerechten Frucht ist ein Baum des Lebens, Seelen aber gewinnt ein Weiser. (11,30.) Jede Pslichtlhat, Alles was ein Gerechter wirkt, ist ein Baum des Lebens, schafft Etwas, wovon seinen Mitmenschen in seinen Folgen Leben, Heil und Gedeihen erblüht. Die Wirksamkeit des Weisen ist aber etwas Unmittelbares, sein Wort dringt in die Seelen seiner Mitmenschen, ergreift sie, fesselt sie und macht sie weiser, edler und gut. Sein Wort ist nicht nnr ein Baum des Lebens, ist eine Quelle des Lebens. Des Weisen Lehre ist eine Quelle des Lebens. Fern zu bleiben von den Schlingen des Todes. (13,14.) (Fortsetzung folgt.: Rtlil-EimMoMe für Mel nil-Talmud. Wörterbuch zum Handgebrauch für Bibelfrcunde, Theologen, Juristen, Gemeinde- und Schulvorsteher, Lehrer re. re. Ansgearbeitel von Dr. I. Ha m - bnrger, Landrabbiner zu Strclitz in Mecklenburg. Abth. II. Heft VIII. Schlnßheft. Leipzig 1883. In dem Vorworte, das sich in dem uns vorliegenden Schlnßhefte befindet, wird von dem Herrn Verfasser bemerkt, daß er in seinem Werke ״keiner Partei die Schleppe getragen, sondern die Wissenschaft allein zum Ziele gehabt." Wir ntüssen gestehen, das; uns diese Versicherung in nicht geringem Grade defremdete, denn wir hielten es als selbstverständlich, daß ein Werk, das seinem Titel gemäß als Wörterbuch für verschiedene Stände, für Theologen, Juristen :c. re. dienen soll, nnr dann seinem Zlvecke entsprechen kann, wenn es ohne Rücksicht auf irgend eine Partei einzig und allein die Darstellung der Wahrheit, in der ja das Ziel aller Wissenschaft besteht, sich zur Aufgabe «lacht, wir glaubten, daß jedes Werk, welchem Literaturgebiete immer es angehören und für welchen Leserkreis immer es bestimmt sein möge, nur dann auf wissenschaftlichen Werth Anspruch zu erheben vermag, wenn es von jedem Parteistandpunkte sich fernhält, daß daher ein Autor zu der Bemerkung, ״keiner Partei die Schleppe getragen" zu haben, sich nur dadurch veranlaßt sehen kann, daß er das Bedürfnis; empfindet, einen solchen Verdacht von sich zu entfernen, oder daß er glaubt, durch diese Versicherung das Vertrauen in die Qbjektivilät seiner Darstellungen vergrößern zu können. Zu unserem tiefen Bedauern sind wir schon durch den Einblick in einzelne Artikel des Schlußheftes zu dem Resultate gelangt, daß das Werk der erwähnten im Vorworte ausgesprochenen Angabe nicht entspricht, daß vielmehr in demselben in einer die Wissenschaft durchaus nicht fördernden Weise Behauptungen, die von der die Göttlichkeit der jüdischen (R'setzestradition leugnenden Partei aufgestellt wurden, als unantastbare Axiome angenommen werden, wodurch viele in dieser Schrift vorkommende Aufstcll'nngen die jüdische Lehre in ihren Fundamenten untergraben und Annahmen verbreitet werden, die auch der wissenschaftlichen Begründung entbehren. Zur Beurtheilung der im Schlußhefte enthaltenen Artikel: ״Talmud, Talmudwcisc, Tanaint, Talmndische Schriften" schien es uns erfordcrlich, nils auch die Eillsicht in früher erschienene Artikel dieses Werkes zu ermöglichen; wir konnten uns jedoch nur die II. Abtheilung verschaffen, in der übrigens schon der S. 530—55H umfassende Artikel ״Judenthum" geeignet ist, die Anschauungen erkennen zn lassen, welche die Basis dieser Encyklopädie bilden. In deill genannten Artikel sagt der Verfasser: ״Das Judenthum in seinem weiteren Begriff als Be- Zeichnung der Religion der Inden mit ihren Lehren und Gesetzen ist das Produkt eines 3000 jährigen Schaffells, das den Weg durch alle zivilisirten Völker gefuilden, mit den Sitten und Anschauungen der alten und neuen Welt bekannt geworden, von den bedeutendsten Religionen derselben Kenntniß genommen." — Rach dem Verfasser liegt also im Judenthum nicht das Werk der vor 3195 Jahren stattgefundenen Gottesoffenbarung; ihm ist das Judenthum das Produkt eines 3000jährigen Schaffens. Wann diese drei Jahrtausende begonnen'? wird nicht angegeben; es ist dies auch eine müssigc Frage; denn wenn das Judenthum, wenn die ״Religiott der Inden mit ihren Lehren und Gesetzen", wie der Verfasser erläuternd znfügt, wirklich nichts anderes als das ״Produkt eines 3000jährigen geistigen Schaffens" wäre; wenn das Gesetz, das seit seiner Offenbarung als das von Gott gegebene Gesetz gehalten wird, nnr ein mit den Sitten und Anschauungen der alten und neuen Welt bekannt gewordenes Menschenwerk ist, danil hätte ja überhaupt dasjenige, was als Judenthum gegolten mld gilt, nie existirt, dann würde die ׳Wissenschaft des Jndenthnms auf Lüge beruhen, zu einem Wahngebilde;nsamnlensinken, das nur ein hiftorisches Interesse bieten könnte. Wir könnten daher, wenn wir das vorliegende Werk nur vonl jüdischen Gesichtspunkte aus betrachten wollten, unsere Besprechung desselben mit der Anführung jenes einen Satzes schon schließen, in dem deutlich ausgesprochen ist, daß der Verfasser auf einem dem Jndellthume entgegengesetzten Standpunkte sich befindet,