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Jeschurun · 1883-08-16 · Heft 33 (16.8.1883) · p. 535

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 33 (16.8.1883)
Article
Salomonische Spruchweisheit
Date
1883-08-16
Page
535 (sequence 1)
Language
German
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535 ZnIoiilinlW S|1r11(l)111fi0l)fit. Bcui Samfoit Raphael Hirsch. AM II. Weise und Thoren. (tzorlsk Willig.) Weise bi'inlt sich ein reicher Mann, Und doch überschaut ihn ein einsichtsvoller Armer bis ans den Grund. (11 ,8?צ.) Eine eigenthü!nliche, gar nicht so seltene Verirrung zeichnet dieser Spruch. Weil sich der :Reiche in Besitz non Gütern weiß, nach denen so viele Andere vergebens streben und um die ihn die Welt beneidet, kommt er gar leicht dazu, in diesem Vorzug einen Beweis seiner größer» הכבה zu erblicken, und doch ist ihm so mancher Arme an geistiger Einsicht durch und durch überlegen. Geistiges und materielles Vermögen bedingen sich!'eines- Wegs gegenseitig, לא להבבים להם וגם לא לנבונים עשר,!licht haben Weise iminer Brod und nicht EinsichtSvolle Reicht!)!!!», spricht dieselbe Weisheit als Erfahrnngssatz in einem andern Buche aus (9,11 קהלת). Dagegen meint unsere Spruchweisheit, der wahre Weise könne sehr wohl einen großen Anthcil an materietlen Gütern entbehren, er sindet in seiner Weisheit reichlichen Ersatz für großes Vermögen und damit vcrknüpfte äußere Ehre, ja, nach der Lehre unserer Spruch- Weisheit erreichen alle anderen Güter erst dann ihren wirklichen wahren Werth, wenn sie mit Weisheit gepaart sind, und ihr Werth schwindet sehr dahin, wenn die Weisheit fehlt, so, daß der Weise wohl auf den Besitz anderer Güter verzichten kann, andere Güter aber nicht der Weisheit entbehren können. Diese Lehren sprechen sich in folgenden Sätzen auS: Der Kran; der Weisen ist ihr Neichthnm, Der Thoren Unweisheit bleibt UnwciSheit. (14,24.) Der Kranz, den nur die Weisheit verleihen kann, der persönliche geistige und sittliche Adel, der!nacht des Weisen Reichthum ans, .er!nacht sein Leben reich an geistigen und sittlichen Gütern und Genüssen, bei welchen er keine anderen Güter und Genüsse entbehrt. Die Unweisheit der Thoren erweist sich dagegen auch für die Bilanz ihrer LebenSrcchnnng als Unweisheit und schließt mit einem Defizit an allen wahren bleibenden LebenSgütcrn und Lebensfreuden ab. Ersirebcnswürdig ist ein Schatz und Del in der Wohnung eines Weisen, Ein Thor unter Menschen macht sie verschwinden. (21,20.) Neichthnm und WohlstandSgcnüsse (— diese Letzteren repräsentirl Del, שיבן —) haben nur dauernden Werth in! Besitz eines Weisen. Im Besitz eines Menschen, dem die Weisheit fehlt, welche jeder Mensch haben sollte, schwinden sie (wie 4 בבלע את הקדש. B. M. 4, 20), seine Thorheit macht sie verschwinden. Er macht einen solchen Gebrauch von ihnen, daß sie so gut sind, als!värcn sie nicht da. Oder das Verschwinden im buchstäblichen Sinne: er vergeudet sie, weiß sie sich nicht zu erhallen. Reich werden kann inan ohne Weisheit, ein GlückSwnrf kann uns;mit reichen Manne machen. Aber reich bleiben, den gewonnenen Neichthnm erhalten, dazu gehört Weisheit und Einsicht. Mit Weisheit wird ein Hans gebaut, Mit Einsicht gründet es sich fest, Und mit Kenntniß werden Gemächer gefüllt Mit allem werthvollen und wohlthuendcn Gut. (24,3 4.) Eine mannigsachc Frauen-Wcisheit hat ihr -vauS gebaut, Und Thorheit reißt'S mit eigenen Händen nieder. (14,1.) (Der Singular בנתה ביתה lägt annchrnen, dag הבבות Substantiv im coiisi. ist von 0,1 הבבות, das einen Kollcktivbcgriss von mannigfacher Weisheit' bczeichnet. Weisheit ist aber nicht nur ein Schatz, Weisheit ist eine Macht, und bewährt sich als solche im Privat-, Gemeinde- und öffentlichen Leben. Ein weiser Mann fleht in Siegesmacht, Und ein Mann von Kenntniß macht Kraft zur Stärke. Denn auch für dein Einzellcben kannst du Kampf nur durch planvolle Gcdaukenverbindungen führen, Und kommt die Hülfe nur durch viele Berathnng. Den! Unwciscn aber bleiben die mannigfachen Gebiete der Weisheit RcculS uncrstciglichc Höhen, In Genieinde-Berathnng vermag er nicht den Mund zu öffnen. (24,4—7.) Eine Heldenstadt hat schon ein Weiser erstiegen Und hat eine Zuversicht verleihende Burg zum Unterliegen gebracht. (2k, 22.) Darum, weil Weisheit sich überall als nnentbchrliche Helferin zur Erreichung der in! Einzeln-, Gemeinde- und Staatsleben anzustrcbenden Ziele bewährt, darum: Ehre füllt Weisen zn Theil, Thorc aber bringt Unehre zur Höhe. (3, 35.) Welche Stellung ein Weiser auch einnimmt, auch die höchste besieht er mit Ehren, und je mehr ihm Gelegenheit wird, vor den Augen seiner Mitmenschen seine Weisheit zu ihrem Heile zn verwcrthen, um so mehr wird von seinen Mitbürgern ihm Ehre;1! Theil. Nichts SchlinimercS kann aber einem Thoren begegnen, als zu einer öffentlichen Stellung berufen zn werden.

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