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Jeschurun · 1883-08-09 · Heft 32 (9.8.1883) · p. 515

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 32 (9.8.1883)
Article
Das Urtheil im Tisza-Eszlarer Prozeß
Date
1883-08-09
Page
515 (sequence 3)
Language
German
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515 aubcrd, als eilt Wunder ist es zu nennen, daß ein Szeisfert als Staatsanwalt, Bonner, die mit dem edlen Geist der Humanität gepaart mit der Kraft über-;engender Rede begabt sind, ein Eötvös, ein Friedmann, ein Henmann, ein Funtak zu Vertheidigern bestellt wurden? Die menschliche Gerechtigkeit und im speziellen die ungarische Rechtspflege darf sich aber an dieser Freisprechung kein Genüge sein lassen. Zwar ist hier ein Wunder geschehen, zwar dürfen wir auch fernerhin versichert sein, daß der Allmächtige, der in die Geschichte und Geschicke der Menschheit mit gewaltiger Hand eingreift, auch fernerhin sein Volk in allen über es hereinbrechenden Leiden nicht verlassen und die glorreiche Standarte Seines heiligen, der Menschheit geoffenbarten Gesetzes nicht von bübischer Hand vernnglimpfen lassen wird. Aber trotzdem ist es an uns Sterblichen, die Bosheit zu enthüllen und die Berbrecher auch vor dem irdischen Richterstuhl zur Rechenschaft zu ziehen. Aus der ersten Hälfte iliiseres Jahrhunderts. (Nach einer wahren Begebenheit) Kriedrich Pott. (?lUc :Ncchtc Vorbehalten) (Fortsetzung.) Er ließ sich die Freundin und deren muthmaßliehe Wohnung aufs Genaueste beschreiben, und schon mit Anbruch des folgendes Tages befand er sich unter- Wegs. Mirjam hatte recht vermnthet; schon seit drei Monaten war Nahel Lewin die glückliche' Gattin des überglücklichen Simon Kohn, den wir ans einem der ersten dieser Blätter als ihren Bewerber begrüßt. Und sie sollte es nimmer bereuen, daß sie dem wackeren Manne ihre Hand gereicht; kannte er doch keine größere Seligkeit, als jeden Wunsch seiner Nahel zu erfüllen, womöglich bevor sie ihn. noch ausgesprochen. Und er besaß die Mittel, auch kostspielige Wünsche zu realisiren. Das schönste Hans der Judengasse war sein eigen, und er war der reichste Mann des Städtchens. Nahel, für sich selbst außerordentlich genügsam, fand doch gerade in dem Reichthum ihres Mannes eine Quelle längst ersehnten Glückes; nun konnte sie ungehindert dem Zuge ihres Herzens folgen, konnte Hungernde sättigen, Nackte kleiden, Dürftige mit vollen Händen unterstützen. Und dadurch hatte sie es auch so rasch gelernt, die Liebe des durchaus nicht mehr jugendlichen Gatten auf's Zärtlichste zu erwiedern. Ueber seiner HauSthür prangte ein Schild mit großen goldenen Lettern: ״Simon Kohn, Leder- Händler"; sein eigentliches Magazin befand sich jedoch in den weiten Nannten des ׳Nachbarhauses, das ihm ebenfalls gehörte. Hier befand sich auch Nahel in den Bormitlagsstnnden des bewußten Sonntags mit einigen Knuden, als ihr ein junger Bauer anffiel, der durch die offenstehende Hansthür wiederholt in das Magazin geblickt hatte. Sie glaubte, auch bemerkt zu haben, daß er sie selbst mit besonderer Ansnterksamkeit betrachtet hatte; dann war er wieder einige Schritte weiter gegangen, hatte das Schild an dem Wohnhanse gelesen, hatte daun wieder seine Blicke in das Magazin gleiten lassen und war endlich zögernd cingetreten. Nahel hatte ihn sofort bemerkt. ״Was wünscht Ihr?" ries sie ihm freundlich entgegen. Er zog den Hut und trat einige Schritte näher; doch ohne die an ihn gerichtete Frage zu beantworten, stellte er aller׳ dings nicht ohne eine gewisse Verlegenheit sofort seinerseits eine Frage: ״Ihr seid wohl Frau Nahel Kohn, geborene Lewin?" Die junge Frau nickte lächelnd. ״Meine volle Firma, doch was wünscht Ihr?" ״Ich muß Chid) allein sprechen," entgegnete er leise, indem seine Angen die momentan nach einer anderen Richtung hinblickenden Kunden streifte. ״Allein?" fragte Nahel staunend. ״St," flüsterte er, indem er mit dem Zeigefinger die Lippen berührte, ״ich fomme von Mirjam," fügte er leise hinzu, indem er näher an sie herantrat. ״Bon Woikerödorf?" fragte sie. Er schüttelte verneinend das Haupt und deutete abermals mit dem Blicke ans die Fremden. ״Wartet einen Augenblick," sagte sie, ״ich will meinen Mann rufen, daß er hier bleibt, und dann kommt Ihr mit mir hinüber." Bei diesen Worten eilte sie hastig durch eine Berbindnngsthür in das anstoßende Hans, und es währte gar nicht lange, so kam sie abermals zurück und zwar in Begleitung ihres Gatten, des uns wohlbekannten Herrn Simon Kohn. Sie winkte mui dem Bauer, und Beide traten durch die Verbindnngsthür in das Wohn- Hans. ״Kommt hier herein," sagte sie, indem sie die Thür eines Kabinets öffnete und mit ihm dort eintrat. ״Setzt Euch!" Doch der Bauer öffnete nochmals die Thür, die sie beim Eintreten geschlossen, und blickte hinaus aus den langen Korridor, um sich zu überzeugen, daß kein Horcher dort; dann erst, nachdem er die Thür wieder fest ins Schloß gedrückt, nahm er den ihm angewiesenen Sitz ein. Staunend hatte Nahel sein geheimnißvottes Thun beobachtet. ״Wo ist denn Mirjam?" fragte sie in gedämpstcin Ton, indem sie sich ziemlich nahe ihm gegenüber niederließ.-

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