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Jeschurun · 1883-08-09 · Heft 32 (9.8.1883) · p. 512

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 32 (9.8.1883)
Article
Salomonische Spruchweisheit
Date
1883-08-09
Page
512 (sequence 3)
Language
German
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512 Menschen von größerer Weisheit und reiferer Einsicht ' finden zu können, er hört gerne den Rath und die; Ansicht Anderer, von denen er weiß, daß sie mit ihm . auf gleichem Boden der Gottesfurcht stehen, denn Allererste Vorbedingung der Wahrheit ist Gottes- : furcht, Und mir die Erkenntnis; Heiliger ist Einsicht. (9,10.) Nicht weise sein, weise werden ist unser LooS, nach Weisheit streben unsere Bestimmung, תלנזידי חפבזים, Schüler der Weisen nannten die wahren Weisen sich und blieben ihr Lebelang in der Schule der Weisheit, und so gewiß eigene Geistesarbeit dazu gehört, um in das von der Weisheit Dargcbotene mit Einsicht cinzu׳- dringen, und sich damit die wahre Erkenntniß erst voll zum Eigcnthum zu machen, so wird doch dcö wahren Weisen Ohr nie aufhörcn, auf Bereicherung seines Wissens hinzuhorchen und durch Aufnahme der Weisheit Anderer den Schatz seiner Weisheit zu vergrößern. Sichst du daher einen Mann, der, weil er aus den Quellen der Weisheit getrunken, sich nun bereits für einen ״Weisen" hält und sich selbst das Diplom ausstcllt: an diesem Dünkel kannst du wissen, daß er nicht aus dem rechten Quell oder nicht in der rechten Weise auö dem Quell der Weisheit getrunken, ihn hat, was er aus der Weisheit geschöpft, nicht belehrt, sondern dünkelhaft berauscht, und mit diesem Dünkel ist die Weisheit für ihn verloren, hosfnnngSloser verloren, als wäre er als dünkelhafter Thor von den Quellen der Weisheit ganz fern geblieben. Den dünkelhaften Thoren, den sein Dünkel bis jetzt von den Quellen der Weisheit fern gehalten, kann einmal in glücklicher Stunde ein rechtes Wort der Weisheit packen und mit Einsicht deS Kläglichen seines Dünkels als nach Belehrung durstenden Schüler zu den Quellen der Weisheit bringen. Wer aber eben aus Quellen der Weisheit die Thorheit deS WeiShcitS-DünkelS geschöpft und sich zum dünkelhaften Weisen getrunken, für den giebt's keine Heilung mehr auf Erden. (Fortsetzung folgt. » Der Priester Kriegsbogen, Pflock und Eckstein. Betrachtung v. Ludwig A. Roscrithal, Prediger za Cöthcn. (Fortsetzung.) Ja, der Priester gleicht insofern dem Bogen, als er lediglich den Zielen dessen zu dienen hat, dem er angehören soll; er hört in demselben Augenblicke auf, ein guter Bogen zu sein, in welchem er den Pfeil nach einem andern Punkte schnellt, als cS der Schütze bcabsichtigtc, in welchent er nicht vollkommen und leicht dessen Witten vollzieht. Nicht aus sich selbst heraus die Richtung ändern, nicht eigene, selbstsüchtige Ziele verfolgen! DaS ruft uns das Prophetcnwort, das ruft tlnS das Bild vom Bogen entgegen. Blicken wir uns um unter den priestcrlichcn Erscheinungen unserer Zeit und fragen uns, ob wir da immer Gesinnungofestigkeit und uneigennützige Wahrung göttlicher Grundsätze finden? Fragen wir uns, in welchem Lager wir diese Tugend hauptsächlich bemerken? Sehen wir dort den lächelnden Vertreter der Gotteslehre, der die Gemeinden entzückt, der den Voraussetzungen eines Jeden eutgcgcnkommt, der in den verschiedcnften Kreisen sich zu bewegen weiß und nirgends Anstoß erregt! Vielleicht war er als Kind einmal die Freude seiner frommen Lehrer, vielleicht hat er einmal im Lager der Strenggläubigen wirklich den Heiligen gespielt, vielleicht ist ihm plötzlich, als eine neue ״!)Achtung" größere Vorthcilc bot, das wahre Licht aufgegangeu, durch einige Wendungen hat er sich und sein Gewissen mit den Anforderungen der ManncSchrc und Entschiedenheit in ein leidliches Gleichgewicht gebracht, und er wird der neuen ״Richtung" genau so gerecht, ist ihr ebenso getreu, ist ebenso opferwillig für sie, wie er sich — der alten gegenüber verhalten hat. Doch nein! Nicht Alle, die den Pfad der Neuerung schreiten, verleugnen mit so klarem Bewußtsein ihre Vergangenheit. Wir würden Unrecht thun. wenn wir dort nicht viele Verirrte vcrmuthetcn, welche besserer Ziele würdig sind. Wie leicht dringt nicht die lockende Stimme der Zeit als die der Wahrheit in unser Herz, wie leicht überreden wir uns da, der jetzige Pfad sei der rechte; wie viele Schcingründe weiß man nicht für dessen Berechtigung zu finden, sobald er nur Ehre und Borthcil bietet! Die Freude, welche man an diesen Ergebnissen empfindet, verwechselt man leicht mit dem edlen Gefühle der Liebe für die ergriffene Richtung; wird mau aber gewillt sein, für dieselbe wirkliche und schwere Opfer zu bringen? Wird man in ihr Stand halten, wenn sie Nichts mehr zu gewähren vermag, und von anderer Seite größere Lockungen winken? Weil eine derartige Versuchung nicht so leicht naht, weil zunt cdeln Kampfe für derartige Grundsätze sich nicht sobald die Gelegenheit bietet, kann der Schwächling leicht für einen Vorkämpfer besserer Wahrheit und sicherer Erleuchtung gelten, kann er leicht mit verachtungsvollem Blicke aus die starren Anhänger deS Ucberkommenen schauen, kann ihnen den ManucSmuth einer selbständigen Meinung absprechcu — der Glückliehe! Ihm bietet seine Wahrheit hohe Vorthcilc, er gleicht nicht dem Bogen, sondern dem bedächtigen Schützen, der die Richtung seiner Pfeile nie ohne die Erwartung eines gewissen Lohnes ändert. Und im

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