Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 32 (9.8.1883)
- Article
- Salomonische Spruchweisheit
- Date
- 1883-08-09
- Page
- 511 (sequence 2)
- Language
- German
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511 daran, überall seine Ansicht zu Markte zu bringen, die ihm die höchste, unwiderlegbare gilt. WaS nutzt einem solchen Eingebildeten die Fähigkeit, Weisheit za lernen, Weisheit zu .,kaufen", wie sich unser Spruch ausdrückt, da ihm das ״Gesäß" fehlt, das etwa zu Kaufende darin aufzunchmcn. Sein Herz ist so sehr, so ganz von ״Sich" erfüllt, von seinen eingebildeten Ansichten, daß für Anderes kein Raum da ist. Bist du weise geworben, bist du eS dir geworden, Und bist du ein Spötter geworden, hast du allein es zu tragen. (9,12.) Wenn Diejenigen, die sonst auf das von der Weisheit gelehrte und vertretene Wahre und Heilige mit souveräner Verachtung herabblickcn und dessen treuen Anhänger mit frivolem Spott zu verfolgen pflegen, sich einmal herbcilassen, diesem Wahren und Heiligen irgend eine Anerkennung zu zollen und dessen Anfordcrnngen einige Beachtung in ihrem Leben zu gewähren, so meinen sic nicht selten Wunder, welche ihnen hoch anzurechncndc Konzession sic damit der Sache des Wahren und Heiligen und seinen Verehrern gebracht, die ihnen für diese ihre sogenannte Toleranz zu Dank verpflichtet wären. Dieser sehr verbreiteten Ansicht gegenüber sagt unsere SpruchwciSheit: wer weise geworden, der ist es sich geworden, und wer ein Spötter geblieben, der hat eS allein zu tragen! Dies von der Weisheit gelehrte Wahre und Heilige steht über das Meinen und Wähnen der Menschen hoch hinaus, seine Sache steigt nicht und füllt nicht mit gezollter oder versagter Auerkenuung, das Wahre bleibt wahr, und wenn auch eine ganze Zcitgenossenschaft eS verlcugnete, daS Heilige bleibt rein, wie viele zeitgenössische Gemüthcr ihn: auch ihre Huldigung versagen mögen. Dem Wahren und Heiligen ist der Sieg aus Erden sicher, denn die ganze Znkunst ist sein, ans deren Schooß Gott, sein Urquell und Stifter, ein dem Wahren und Guten huldigendes Geschlecht hcrvorgchcn läßt. Nicht daher, die Weisheit, nicht das von ihr gelehrte und vertretene Wahre und -Heilige steigt und fällt, die Menschen steigen und fallen, je nachdem sic zu den Lehren der Weisheit aufblickcn, oder ihnen den Rücken zukehren. Sich wird gerecht, sein geistiges unb sittliches Wesen bringt zu beglückender Vollendung, sein zeitliches und ewiges Heil gründet, wer mit reinem bescheidenem Sinn aus den Duellen der Weisheit Erkenntuiß schöpft und mit treuer Hingebung ihre Lehren befolgt. Wer aber von den Lehren der Weisheit nicht nur in Erkcnntniß und Leben sich abwendet, sondern sie als לץ mit spottender Frivolität verachtet und verächtlich zu machen sucht, der wird nicht nur den Segen vermissen, den man nur an dem Quell der Weisheit zu schöpfen vermag, dem wird bitterer Unsegen sich fühlbar machen in der Verkümmerung des eigenen Innern, in der Verkommenheit der Seinen, denen er mit seiner Frivolität allen Halt und Boden sittlichen Heiles untergraben, in der Entwerthnng und Entwürdigung seines ganzen irdischen Seins und StrcbenS, die durch keine äußere Erfolge, wie glänzend sic auch scheinen, übertüncht zu werden vermögen. O Wenn einmal ein Spötter zu Strafe kommt, wird der Unerfahrene weise, Und wendet er dann einem Weisen seinen Verstand zu, so gewinnt er Erkcnntniß. (21,11.) Der frivole Spötter wird selten, selbst durch Widerwärtigkeiten, die ihn treffen, gebessert. Allein, Unerfahrene, denen er sonst bei ihrer Beschränktheit und ihrem jeden Einfluß leicht zugänglichen Gemüthe mit seinen frivolen Reden gefährlich werden konnte, die werden, wenn cö ihm schlecht geht, insbesondere wenn er durch seine Frivolität und au derselben zu Schaden kommt, stutzig gemacht und zum Verlangen nach andern, bessern Ansichten geführt. Haben sie dann daS Glück, mit einem weisen Manne zusammeuzukommen und dessen Acußerungen und LcbenSrichtung ein Verständnis; zu,zuwenden, gelangen sie dazn, sich die Erkenntuiß des Wahren und Guten anzucigncn. Sind doch überhaupt die Reden, die wir hören, daS Beispiel, daS wir vor Augen haben, von entschiedenstem Einfluß auf unsere Lebensauschanung und Lebensweise, unbewußt geht das Gute und das Schlechte in uns über: Wer mit Weisen geht wird weiser, Wer Umgang mit Thoren pflegt verschlimmert sich. (13,20.) * DcS Unweisen Weg ist gerad in seinen Augen. Wer ans Rath hört ist weise. (12,13.) Höre auf Rath, nimm Belehrung an, Damit am Ende dn weise werdest. (19,20.) DcS Einsichtigen Herz erwirbt Erkenntnis;, Der Weisen Ohr sucht Erkenntuiß. (18,13.) Weise einen Spötter nicht zurecht, er könnte dich hassen, Weise einen Weisen zurecht, so wird er dich lieben, Biete einem Weisen an, er wird gerne noch weiser, Wende einem Gerechten eine Erkenntnis; zu, er nimmt gerne noch Belehrung an. ('9,8.9.) Sichst du einen Mann, der sich bereits einen Weisen dünkt. Für einen Thoren ist mehr Hoffnung als für ihn. (20,12.) Nur der Unweise hält seinen Weg für unfehlbar richtig, wer aus dem Quell der Weisheit getrunken, der weiß, wie viel dazu gehört, das Wahre abzuwägcn und daS Nichtige zu erkennen, der ist sehr überzeugt,