Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 32 (9.8.1883)
- Article
- Unsere Aufgabe in der Gegenwart
- Date
- 1883-08-09
- Page
- 510 (sequence 2)
- Language
- German
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510 (Mcflcnroart und der nahen und fernen Vergangenheit. ' scholl im Talmud (Redarim 81) wird die ausfällige ' Thal suche zu erklären versucht, : ספר מה אי[ מצרין הלסידי הכסיש יוצאין סבניהש תלסידי הכס':;, das; den gelehrtesten Männern nicht ebenso würdige Kinder entslammen. Unter den verschiedenen Antworten, die dort gegeben werden, lautet die tiefsinnige Nabina's שאץ ״ ,סברבין בהורה ההלחweil sie über die הורה nicht zuvor ברכה gesprochen haben," ja eS wird dieses auch als hauptsächlicher Grund für den Untergang des jndischeu Staates im Weitern angeführt. 'Venn nun die Bedeutung eines jeden ״Segenssprnches", einer jeden ברכה, keine andere ist, als es zu beherzigen, anzuerkennen und auszusprechen, daß wir Gott, d. i. seinem Gebote uns weihen wollen mit der ganzen Kraft unseres Wesens und jeglicher Förderung, welche dieselbe nach der geistigen und leiblichen Seite empfängt, so legen wir mit der ברכה vor dem ״Lernen" das feierliche Gelöbniß ab, das; die Thora, die jüdische Wissenschaft, uns von Gott gegeben ist und wir darin forschen wollen, um unseres Lebens Pflicht daraus zu erkennen, solche recht zu vollführen in Gesinnung und That. Wen aber dieses Gott huldigende Gelöbniß nicht bei dem ״Lernen" erfüllt, wer nicht mit den! Entschlüsse der Erfüllung des Gesetzes an das Stndinm hinantritt, dessen Wissen, und sei es daS umfassendste, bleibt unfruchtbar für das Leben, und er vermag nicht die סורשה קהלה "עקפ, das Erbgut der Jakobsgemeinde, auf Kinder und Enkel zu übertragen. Und weil die weihende Unterstellung des ganzen individuellen und staatlichen Lebens nicht die Frucht des Studiums, des ״LernenS", war, darum ging Staat und Heiligthnm in Trümmer, darum liegt das Land, welches Gott dem jüdischen Volke für die Entfaltung eines lediglich der Verwirklichung des Gottesgcsctzcs bestimmten Staatslebens angewiesen, öde und brach schon seit langen Jahrhunderten. Und heilte in unserer Gegenwart? Wird überall ברבה gesprochen, wo jüdische Wissenschaft eine Pflegslättc findet? Wendet man dort mit der Anerkennung und Huldigung des Gesetzes, wie solche die ברבה ausdrückt, sich dem Studium zu, also zu, daß der Ausgangspunkt der Forschung die unerschütterliche Uebcrzengung ist, daß Gott es sei, welcher uns seinen Willen geoffenbart, und daß die Thora ״Seine Thora", deren Anfordcrungcn freudig zu willfahren sei, — wo man dem Verderblichen Wahne huldigt, ״Glaube und Wissen" seien disparate Gebiete, so daß auch bei den! ״Lernen", um ganz ״wissenschaftlich" 311 sein, man die Echtheit, Wirklichkeit und Glaubwürdigkeit der Thora, der schriftlichen und mündlichen Lehre, vor Allem in Zweifel ziehen müsse und die heiligen Urkunden der jüdischen Wissenschaft, für deren Authentizität die Reihen unserer Ahnen bis zu dentjenigen Geschlechte hinauf, welches den flammenden Horeb unlstand, die Bürgschaft übernehmen, und das Jahrtausende alte Leben eines ganzen Volkes mit seinem Schaffen und Dulden, mit seinem Jubel und Seufzer zeugt, erst noch auf ihre Wahrheit zu prüfen seien? Wo deshalb die Lehrer der jüdischen Wissenschaft ihre Ehre in dem Erfinden ״geistreicher" Hypothesen suchen, und je ״kühner" diese, desto Heller ihnen der Strahl ihres Ruhmes zn scheinen däucht; die Jünger aber, diesem Sohlen Ehrgeiz nacheifernd, mit unendlicher Selbstüberhebung auf ihren jungen Witz pochen, welcher sich in ihrer Meister würdigen Spielereien übt? Oder wird dort erst ברכה ההורה gesprochen, wo mau die vierundzwanzig Bücher des Gottes- und ProphetcnwortcS allerdings nicht vor den Nichterstuhl einer traumgeborenen Kritik fordert, aber dieselben über- Haupt nicht zum Gegenstände des ״LernenS" ntacht, dagegen aber andere Gebiete der jüdischen Wissenschaft znm Tummelplätze des Ehrgeizes und der Eitelkeit sich erkürt, so daß auch hier das Wissen Leben nicht erzeugt? Aber auch dort, wo mau in Wahrheit und in reinster Gesinnung mit dieser ברכה an das Studium hcrantritt und in der besten und redlichsten Absicht die Jugend in die ״vier Ellen der Halacha" einführen möchte, bleibt des Wissens Blüthe unentwickelt, wenn das rechte Verständniß mangelt. ^Fortsetzung folgt.) Snlßiiiönifrijc ZMllMislikil. 5301t Sunson Naphacl Hirsch. VIIT. Weise und Thoren. (Fortsetzung.) Eine andere, vielleicht noch größere Klasse von Menschen ist ebenfalls in der Regel für die Weisheit verloren, es sind dies die בסיליש, Menschen, die Geist, die Verstand besitzen, die wohl cntch Manches gelernt haben, die aber so von ihrer Geistesfähigkeit und dem bischen Wissen, das sie sich angeeignct haben, eingenommen sind, daß sie der dünkelhafte Wahn erfüllt, unfehlbar in ihren Allsichten zu sein, über Alles und Jedes ans sich heraus nrtheilen zu können, und keiner weitern, geschweige denn höhcrn Belehrung zu bedürfen. Während ein einsichtsvoller Mensch, je einsichtsvoller er ist, um so mehr sich der Beschränktheit deö von ihm bereits erlangten Wissens, ja des menschlichen Wissens überhaupt, bewußt ist und immer nach größerer Erkenntniß strebt, hat ein eingebildeter כשיל ein volles Genüge an seiner Unwissenheit, will überhaupt gar keine sachliche Einsicht gewinnen, cs liegt ihm nur