Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 29 (19.7.1883)
- Article
- Unsere Aufgabe in der Gegenwart
- Date
- 1883-07-19
- Page
- 450 (sequence 2)
- Language
- German
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450 beglückender Legen unermeßlich und ewig ist, freilich nur dann, wenn תלמוד מביא לידי מעשה, wenn das Studium der \!eljrc in der reinen Absicht und mit dem richtigen Verständnis; betrieben wird, um für die dadurch gewonnene Erkenntnis; Her; und Hand zu rüsten;1! Gott wohlgefälliger That, in Lauterkeit der Gesinnnng. Und ist hiefür unb ist also in den Gemeinden des beutigen Israel vorgesorgt? Ja, ist das Bewußtsein und das Verständnis; hierfür vorhanden? Wohl empfindet jeder Vater und jede Mutter die Verpflichtung, ihre Kinder nicht ohne ״Religionsunterricht" aufwachsen zu lassen, aber daß dieser ״Religionsunterricht" nun dahin führen solle, dem Iudenthume in dem heranwachsenden Geschlechte treue, gehorsame Söhne und Tochter zu erziehen, welche sich als Juden begreifen, denen die genaue, gewissenhafte Befolgung der Lehre als die höchste Aufgabe des Lebens gilt, daran wird, nur selten gedacht, und auch in des Kindes Gemüth dämmert hiervon kaum eine Ahnung auf. Wie viele Religionsunterricht genießende Kinder giebt es denn, welche ihren Vater ״lernen" sehen? Und doch soll der jüdische .Knabe nur lernen, um dereinst als Mann lernen zu können, um nimmer zu weichen von dein Streben nach Erkenntniß, um dem Lernen niemals untren zu werden, immer tiefer einzudringen in den Geist des Gesetzes, immer klarer zu begreifen, was jede Minute von ihm heischt. Der Unterricht des Kindes ist nur die Vorbereitung für die erste Pflicht eines jeden jüdischen Mannes zu ״lernen", damit sein Geist erleuchtet werde von dem Geiste der Thora und sein Herz in inniger Liebe für das Judenthum schlage, so das; jeder seiner Gedanken und jede seiner Thaten eine Kundgebung des in ihm waltenden Thorageistes seien. Das ודברת גב, das ,והגית בו יומם ולילד ist dem jüdischen Manne geheißen und verlangt nicht weniger, als die Beschäftigung mit der Lehre des Gesetzes zu der vornehmliehsten lmd wichtigsten Angelegenheit zu machen, zu welcher alle anderen in einem AbhängigleitSverhällniß flehen. Denn die jüdische Wissenschaft ist mitnichten die Domäne einer Gelehrtenkaste oder einer Priesterzunft; ihr wird jedes Knäblein in der ärmlichsten Hütte des Bettlers wie in der Prunkstälte des ׳)!eichen geweiht, welches am achten Lebenstage in den Abrahamsbnnd eingeführt wird. Und jeder Jüngling weiht sich ihr auf's Nene, wenn er mit vollendetem dreizehnten Jahre in die Gottesgemcinde eintritt, und 'das Hans, das der jüdische Mann sich errichtet, hat er vor Allem zu einen! der jüdischen Wissenschaft gewidmeten Räume zu bestimmen, in welchem er קובע עתים לתורה sich der Erkenntniß und Forschung zu festgesetzten Stunden täglich hingiebt, und der sehnlichste Wunsch des jüdischen Herzens hat in der beglückenden Hoffnung als höchstes Ziel, Kinder für die Thora zu erziehen. Sie ist das עיקר und alles Andere ist nur תפל; ihr gehört das erste Erwachen des kindlichen Geistes, ihr die reife Erkenntniß des Mannes, ihr der letzte Athcmzng des Greises. Wird dieses beherzigt in den Kreisen unserer Gegenwart? Wo sind die בעלי בתים, die jüdischen Männer, die von den Stunden des Tages eine der Thora weihen, die nicht aufgehen in den!, was sie ihren Beruf nennen, die es erkennen und bethätigen, daß sie erst in zweiter Linie Handwerker und Bankier, Anwalt und Künstler, Koinmerzienrath und Schriftsteller sind, daß sie aber zuerst der Thora angehören und den heiligen Beruf zu allererst haben, die jüdische Wissenschaft zu pflegen? Wo sind die Männer, die ihren! Erwerbsstreben und ihrem Vergnügen täglich eine Stunde abzumüssigen pflegen, um dem Thorastudium obzuliegcn? Wo sind die Vereine, in welchen sich täglich Männer zun! gemeinsainen ״Lernen" znsammenfindcn, und wo solche Vereine sind, wie viele Männer nehmen an ihren Versammlungen regelmäßig Theil?- So hat sich der jüdische Mann des schönsten Schmuckes, der herrlichsten Zierde, der ,בתר תורה ״der Krone der Thora" cntüußert, des Diadems, welches Jeglichem zu Theil werden sollte, und, zun! עם הארץ degradirt, ist er zun! Spielball der Laune und Willkür gewissenloser Rabbiner und herrschsüchtiger Vorstände geworden, und das srische, lebendige, gesunde Gemeindcleben ist entflohen. DaS Grundgebrcchen unserer Zeit wurzelt in der Vernachlässigung des Thorastudiums. In allen Wissenschäften erfahren, mit Kenntnissen auf allen Gebieten ausgerüstet, sind wir Ignoranten in der wichtigsten aller Wissenschaften, in der Lehre des Lebens, in der Lehre unseres Lebens, in den! Gesetze Gottes, für welches wir einstehcn sollten mit jeder Fiber unseres Seins. Nichts hat sich so bitter gerächt, als die Außerachtlassnng der Pflicht des לימוד התורה, welche von den weisen Führern unseres Volkes in den Sätzen kodifizirt worden ist: ״Jeder jüdische Mann ist zum Thorastndinm verpflichtet, ob reich oder arn!, gesund oder leidend, Jüngling oder hochbetagter Greis. Selbst der an den Thüren bettelnde Aermsle, wie der um die Scinigen sorgende Familienvater, sind verpflichtet, sich bestimmte Zeiten scstzusetzcn bei Tag und Nacht für das Thorastndinm, nach den! Worte: du sollst darin sinnen Tag und Nacht.-Wie lange währet diese Pflicht zun! Lernen? Bis zun! Tode —" ^or!s. f.) ihHifdjc Eüiiglütilm in Amerika. Wir waren stets der Ansicht, daß dem HülfSwerke, welches die europäischen Juden zu Gunsten ihrer