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Jeschurun · 1883-07-12 · Heft 28 (12.7.1883) · p. 445

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 28 (12.7.1883)
Article
Die Verhandlung des Tisza-Eszlarer Prozeß vor dem Gerichtshof in Nyiregyhaza
Date
1883-07-12
Page
445 (sequence 5)
Language
German
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445 Schreibens des NMüncrS eine anomunc Anzeige cifjaftcn habe, in welcher es hieß, dag dieser Brief auf die Bercilelung der Untersuchung abziele. Ist dies walir? — Ieugc versichert, dag diese Angabe völlig crsundcn sei. Präs.: Sic bcljaitptcn, sich nicht;n cutsinuen, dag Vollncr bei Ihnen zu Mittag gegessen habe? Vvllner verharrt beim (segcinheilc und sührt au, dag Ihre Hausfrau eine alte kränkliche Frau und Ihre Köchin eine ältliche Person geivesen sei. Sic behaupten hingegen, dag Sic zu jener Zeit zwei junge Dicnstinägde im Hause halten. Wie wollten 21c diese Widerspräche ausklürcn? Zeuge: Wenn meine Frau ,'ehr kränklich war, pflegte ich auch eine dritte Dienerin im Hauke zu haben, die außer der Pflege meiner Frau auch die Nüche zu versehen hatte. Wollncr mag diese meinen. Ans die Frage des Präsideuten, ob an jenem Tage zu irgend einem Armen aus dem Hause des Zeugen Speise getragen worden sei, antwortet der Zeuge verneinend. — Der Präsiden! susvendirt die Bcrhaudlung aus eine halbe Stunde. Fortsevung folgt. ׳ KlmcsMldc!!zc!1 nnii Warijricljtcu. Deutschla 11 b. * Hannover, ln. Juli. Der OicdjciifdjaftMuTiriit bc^^crctno zur Unterstützung israelitischer Arme und Be׳ sciligung der-Hansbettelci in hiesiger Synagogengcmeinde über das dritte Jahr seines Bestehens weift nach, dag hiesigen Armen 54-18,70 Mart baarc' Unterstützung und 2010, ] 0 Mark Darlehen gewähr! sind. Durch׳- reisende einpsingen in baar und Hftrtnralnnterftütznng 4015,10 Beart. (5111־ Berlheilung an .001)1111, Brod und Kartossein während der Wimermonatc und Äazzolh, Pcßachspeisung und Geld zu Pest ach wurden 2.01:;,00 Mark verausgabt, zu welcher Summe die Gemeindearmcntommissiou 781,02 Mart beiftcnerle. Der Verein zählt 0-17 Mitglieder. — 311 Betress der Landrabbiner.vahl verlautet, daß der Termin hierfür voraussichtlich auf Ende August oder Anfangs September anberanml werden lvird. — Das allgemeine Komitü für Ferienkolonien hat 10 jüdische Kinder in׳ die Zahl der Benefiziaten auf genommen. Da die dafür aufgesetzte Summe zur Unterbringung in jüdische Familien nicht ansrcichl, so leistet der israelitische Wohlthätigkcitsvercin, wie in den Vorjahren, einen entsprechenden Zuschuß. —u — Berlin, 8. Juli. Stöcker-Wagner-Eremer, diesem herrlichen Trifolium, wird das von der Herr-׳ schaft der Inden befreite Berlin seine Freiheit und sein Glück verdanken. Was vermögen diese drei Größen nicht Alles im Laufe weniger Tage zu leisten! Am 20. Juni plaudert der geistreiche Herr Stöcker gemüthlich ״antisemitisch" imFamilienkrciseder״Christlich-Sozialen," am 2 Juli verkünde! er in der ״Bockbranerei" das Evangelium der Liebe und fordert unter dem Beifallsrufe der begeisterten Menge zum .Kampfe wider den Einfluß des Jndenthnms auf. am 0. Juli waltet er seines Berufes in ״Sommer's Salon" vor den ״deutschen Studenten" und feuert zum Kampfe mit dem ״Semitismus in der Wissenschaft" auf und Herr Er einer setnndirt ihm, während der Herr Professor Adolf Wagner das Banner des christlich - deutschen Berlin mit der Devise: ״Wählet keinen Inden!" entrollt und in die Trompete zum Kamps für die Befrcinng vom Indenthnme stößt. Und alles dieses zur größeren Ehre Gottes und ziuit wachsenden Heile des deutschen Bürgerthnms und znm Ergötzen des Herrn Licbermann von Sonnenberg lobesam, der verehrnngswürdigen Kreuzzeilnng und ähnlicher Genossen im Geiste. -- Und also geht es von Woche zu Woche und von Tag zu Tag. Wohin soll das führen? Zz C har! Ottenburg, 4. Jnli. Ein jüdisd)cr Schüler des hiesigen Gymnasiums bemerkte kürzlich bei Gelegenheit der seitens einiger Kommililoncng cwnnschten Verlegung des Geschichtsextemporalc, vom Freitag aus Sonnabend, daß er, wie bekannt, sold)cs dann nicht mitschrcibcn könnte, und in Folge dieser Bemerkung blieb es bei der bisherigen Gepflogenheit am Freitag Nachmittage. Man sollte es nicht für möglich halten, daß eine solche nmvichtige interne Schulangclegenheit zu einer weltbewegenden Frage anfgcbanscht werden könnte. Und doch ist solches in der Acra des trinmphircnden Antisemitismus geschehen. ׳Nicht nur ein hiesiges Blatt, sondern auch die Berliner ״Post" und ״Nene Prenß. (Kreuz') Ztg." schtllgcn Allarm über die ״jüdische Anmaßung." Vcrjndnng der Schule, Unterdrnckung des christlichen Elements und sahen Kird)e und Staat in höchster Gefahr, so z!var, daß Herr 1)1׳. Schulz, Direktor des kgl Kaiserin ׳ Angnsta- Gymnasiums, in;velchein so Schreckliche verübt )vorder!, sich gcmüssigt sah, den Sachverhalt in seiner vollendetsten Harmlosigkeit zur öffentlichen .Kunde zu bringen. — Wahrlich, cs wird ein freventliches Spiel gcteieben. Man sucht den Inden zu schädigen und vcrgistct das gesunde Votlsbewnßtsein, indem man Haß und Feindschaft zu erzeugen sich bestrebt. — Stuttgart, 0. 3ult. Der Arbeiter Johann Zalob Götz ans Kaltenthal wurde heute von dem hiesigen Schwurgerichte wegen Ermordilng des Viehhändlers Jesajas Wcrthhcimcr von Breiten (am 27. Mär; 1881) znm Tode vernrlheilt. Götz hatte sein Opfer zu sich in einen Stall gelockt, dort ermordet, der Baarschaft von etwa sechstausend Mark beraubt und oann in seinen Kelter über einen Meter tief vergraben. Erst nach zwei Jahren hat nlan das Skelett dort entdeckt. Götz gestand die Tödtnug ein, will aber keinen beabsichtigten ׳Mord begangen haben. Man glaubt, daß der König das Todcsnrtheil in eine lebenSlängliche Znchthansstrafc nmwandcln wird. 11. Mur,;bürg, 0. Juli. Nachdem schon vor Kurzen! fast sämmtlichc katholische Blätter eine vom

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