Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 28 (12.7.1883)
- Article
- Verhandlung gegen Professor Rohling
- Date
- 1883-07-12
- Page
- 437 (sequence 2)
- Language
- German
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437 paganda zu machen. Die Schrift sei nicht geeignet, anszureizcn, sie sei eine wissenschaftliche Widerlegung der Aussprüche der beiden Rabbiner. 1)1׳. Rohling sei beleidigt worden. Wo hätte er also sein Rech! suchen sollen. Sollte er klagen? Hierzu müßte er beweisen, das; die Stellen wirklich im Talmud enthalten sind, und hierzu mußte der Gerichtshof eine genaue Kcnutniß der hebräischen Sprache haben, was man von ihm füglich nicht verlangen könne. In der Brochürc werden keineswegs die Christen gegen die Juden ausgereizt, der Verfasser warnt die Crsieren vielmehr vor antisemitischen Agitationen. In Wien sind die Briefe selbstsläudig und auch in der Skrejsovsty'schen offiziösen ״Tribüne" erschienen und wurden nicht konfiszirt: durch die hier verfügte Konfiskation werde den! Verfasser die Lehrsreiheil geschmälert. In der Brochürc befinden sich durchaus wortgetreue Zitate aus dem Talmud und anderen uicht lonfiszirteu Schriften, und wenn die Konfiskation bestätigt würde, müßte auch die Ucbersetzung des Talmud konfiszirt werden. Hierauf wurde dem St.-A.-S. Dr. Schneider- Svoboda das Wort ertheilt. Derselbe sagte: Ich will nicht in Abrede stellen, daß der zwischen den! Professor Dt׳. Rohling und den Rabbinern ausgebrochene Federkrieg eine wissenschaftliche Grundlage Hai. Ich will sogar zngcben, daß die Zitate der Brochürc im Talmud wirklich enthalten sind, ich gebe auch zu. daß Dr. Rohling persönlich nicht zum Hasse und zu Feindseligkeiten gegen die Juden aufznreizcn beabsichtigte. Mit Rücksicht aber ans die gegenwärtigen Zcitverhültnissc sind diese Stellen, ob sie wahr sind oder uicht, vollkommen geeignet, aufznreizcn. Die Konfiskation ist von öfsentlichem Interesse dringend geboten, weil die Brochürc Anlaß zu antisemitischen Umtrieben und Nuheslörnngcn gab. Die Annoncen begnügten sich uicht mit der bloßen Ankündignng des Erscheinens der Brochürc. In Rr. DO des ״Czcch" steht vielmehr: ״Dieses Buch ist geeignet, dem Volke die Angen zu öffnen, damit.es sich in Acht nehme, wenn cs mit Juden zu thun hat." Aus dieser Annonce ist daher zu ersehen, daß die Brochürc nicht einen wissenschaftlichen Zweck verfolgte, sondern ein Agitationsmittel bildete und in alle, namentlich niedere, Schichten dringen sollte. Durch Berichte der politischen Behörden ist sichergestellt, daß seit Verbreitung der Brochürc die antisemitische Propaganda große Fortschritte gemacht hat. So wurde in jüngster Zeit nach dem Berichte des Statthalterci-Prüsidiums in Petrovic bei Schüttcnhofcn einem Israeliten eine Sprengkngel in's Zimmer geworfen, und vor der Shnagoge in Przibram fand inan sechs adjustirtc Dynamitpatroncn. Daß die Brochürc ein Agitationsmittel war, ersieht nian daraus, daß sic nicht nur verkauft, sondern auch massenhaft vertheilt wurde. Ich bitte daher um die Bcstätigung des KonsiskationsErkenntnisses. Du. Hodlicka hält sich an die Ausführungen des Einspruches und behauptet, daß die Brochürc eine gelehrte Abhandlung sei, welche bcu niederen Schichten unverständlich ist. Die Aufregung in Petrovic und Przibram sei eine Folge der sozialen Verhältnisse. In Przibram sind Dynamilpatronen uicht selten und wurden wahrscheinlich zufällig vor der Synagoge verloren. Ein Thcil der Brochürc wurde in dem Olmützcr ״Pozor" konfiszirt, das Brünncr Landesgericht hat jedoch die Konfiskation behoben, weil es die wissenschaftliche Antwort eines österreichischen Universitäts-Professors sei. Bei einem solchen Präzcdcns hofft Di׳. Hodlicka, daß der Gerichtshof die Konsiskation ausheben werde. — Nunmehr erhebt sich Professor Dr. Rohling, um in einer I ',2 ständigen Rede für seine Ucberzeugung zu plaidiren. Er trat den Beweis der Wahrheit an, wie er sagte, und trug massenhafte Zitate aus dem Urtexte des Talmud und ans französischen, deutschen und lateinischen Schriftj stcllcrn vor, um die Wahrheit der Brochürc zu beweisen.! Er sagt, sein Auftreten gegen den Talmud sei durchaus! gesetzlicher ׳Natur, denn er wolle nicht nur die Christen '1 durch wahrheitsgetreue Belehrungen anfklären, sondern ' auch die Juden gegen den brutalen und gesetzwidrigen Nihilismns der Rabbiner schützen. ״Es wäre mir lieb gewesen, wenn mich der Herr Staatsanwalt vor dem Schwurgerichte belangt hätte. Es ist erlaubt, den Koran zu übersetzen, warum soll es'verboten sein, den Talmud zu übersetzen. Wir wissen, was der Türke glaubt, die Christen mögen wissen, was die neben ihnen wohnhaften Juden glauben. Wenn es unwahr wäre, was ich geschrieben habe, so wäre ich nicht nur ein schlechter Geselle, sondern ein Catilina in hundertfacher Potenz und mit Recht könnte mir der öffentliche Herr Ankläger zurufen: .,Qiiolisque tninDm Catilina.4‘ Ich habe hier in diesen Hallen den Eid der Wahrheit abgelegt und habe nur die Wahrheit geschrieben. Ich war gezwungen es zu schreiben, denn der Koran ist in seinem Hasse gegen Christen ein wahrer Zwerg gegen den Talmud." Nachdem er zum Beweise der Wahrheit seiner Angaben noch den bekannten Professor Eisenmcnger, Wolf, Ehiarini und den getauften Juden, später Dominikaner I\ Sixtus von Sienna aussührlich zitirt hatte, stellte er sich vor's Kruzifix und beginnt im feierlichen Tone: ״Ich schwöre bei dem Gotte des Himmels und der' Erde...." O-L.-G.-R. Saak: Das ist hier nicht am Platze, I Herr Professor. > Dr. :Rohling: ״Also ich erkläre, daß ich bereit bin,! diesen Eid abzulcgen." Und nun geht er zu der Beweis-! führnng über die einzelnen Absätze, verliest noch zum! Schlüsse einen Leitartikel aus dem ״Destcrrcichischen! Volkssrcuud," um nachzuweisen, daß Rothschild im