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Jeschurun · 1883-07-05 · Heft 27 (5.7.1883) · p. 422

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 27 (5.7.1883)
Article
Die Lösung der Judenfrage in Rußland
Date
1883-07-05
Page
422 (sequence 3)
Language
German
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422 feit gewährt wird, so würde das gestörte Gleichgewicht in Miseren Grenzgebieten von selbst wicdcrkehrcn. Zudem kann es keinem Zweifel unterliegen, daß die Ucbcrsicdlnng eines TheilcS der jüdischen Bevölkerung in solche Gegenden, wo der Mangel an Vermittlern im Handel besonders fühlbar ist, in kurzer Zeit diese wichtige Lücke ausfüllen würde. Die Beseitigung der beschränkenden Maßregeln, welche die Inden künstlich an die Scholle fesseln, würde sie somit ans einem absolut schädlichen Elemente in einen nützlichen und unser wirthschaftlicheS Leben belebenden?Faktor verwandeln. Als Mitglied der niedcrgesetzten Juden- Kommission hielt ich cS für meine Pflicht, schon jetzt meine Ansicht über die Jndensragc auSznsprechen, mit der niich bekannt zu machen ich als Stadthaupt von Kiew und im Aufträge des ehemaligen General-GonverncnrS von Kiew im Laufe von l3 Jahren Gelegenheit hatte." Möge die Wahrheit und der Gerechtigkeitssinn, die siaatSmännische Einsicht und der ächte Patriotismus deS Fürsten Demidow von allen Mitgliedern der Kommission gctheilt werden und deren in diesem Geiste zn vollendenden Arbeiten die Genehmigung deS Kaisers erlangen, damit für die russischen Inden eine Acra glücklicher Ruhe und ungetrübten Friedens heranfziehc, in welcher sie zn ihrem eigenen Heile und zun! Heile ihres Vaterlandes ihre Kraft in nützlicher, von keiner hemmenden Schranke erschwerter Thätigkeit entfalten und den Ralionalwohlstand und die geistige und sittliche Hebung deS Volks zn mehren vermögen. Die prrpnigcr CnlmittJftijitle. Bon S. B. Aosenhain. V. iSchlnß.'; Zum Zolle der Wahrheit müssen wir gestehen, daß eS auch gegenwärtig einige wenige verdienstvolle Jünglinge giebt, die für gründliche Kenner unserer heiligen Littcratnr und Sprache gelten. Daß sie eS aber sind, kann nicht das Resultat einer planmäßigen Studienlcitung genannt werden; cS die Betreffenden hätten in jedem andern LebenSbernfe oder Studienfach mit demselben Anfwandc von Fleiß und freiwilliger Energie eS eben so gut werden können, wie als Jünger der Preßburgcr Talmudschillc! Auch költnen die Kenntnisse dieser wenigen Jünglinge unmöglich der Jcschiba im Allgcnicinen zu Gute kommen, ebensowenig wie ein Volk deshalb zivilisirt und kultivirt genannt werden kann, weil einige seiner vorzüglicheren Söhne in Zivilisation und Kultur einen hervorragenden Platz einnehmcn. — Soll ein Volk so genannt werden können, dann müssen Zivilisation und Kultur allen Schichten des Volkes ihr Siegel ansgcdrnckt haben! — Wir fühlen uns keineswegs bernfeit, zur Heiluttg der letzterwähnten, den wesentlichsten Kern des TalmudstuditimS betreffenden Uebelständen einen modus procedoMKÜ anzugcben; — wir überlassen das vielinehr der weiser« Einsicht der ditrch ihren hohen Standpunkt und den dadurch bedingten weiten Gesichtskreis in Wirklichkeit berufenen streifen und beschränken uns darauf diese Nebelständc gekennzeichnet zu haben. — An den berufenen Kreisen aber ist eS, der ihnen znstehcndcn hohen Pflicht schleunigst gerecht zn werden! — Lobende Erwähnung verdient ein quasi Selbstbildungsverein, der in jüngster Zeit von einigen jungen Männern zn dem Zwecke in'S Leben gerufen wurde, um der Idee einer praktischen Heranbildung zur Rabbinerlaufbahn im weiten Gebäude der Preßburgcr Jeschiba wenigstens einen einzigen kleinen Winkel zur Freistätte zn gewinnen. Eine Anzahl sich aus den bessern und besten Elementen rekrntircndcr Jünger sollte sich allsamstäglich znsammenfinden, um je einen homiletischen Vortrag eines der Reihenfolge nach zum Wort gelangenden Kollegen anznhörcn. Wohl dürfte man vom Einflüsse einer solchen anSschließlich nutodidaktischen Vereinigung auf die homiletische Befähigung der Bachnrim keine gar zn glänzenden Resultate erwarten, da ihr ja jenes kompetente kritische Element fehlt, dessen Wirksamkeit gerade hier unabweisbar nothwendig erscheint. Wir;vollen als Beispiel nur die SclbstbildnngSvereine an den höheren Klassen der Mittelschulen erwählten, wo das kritische Element von einem׳ oder niehreren Professoren rcpräsetttirt wird. Doch, der Verein in dieser Form wäre immer noch als ein Fundament zu begrüßen gewesen, auf den! sich mit ber Zeit noch manches Gute und Nützliche hätte erheben und entwickeln tonnen. Aber, was denkt man wohl, ist diesem fruchtbaren Gedanken durch die unberufene Eittinischnng gewisser Faktoren entsprungen? Nichts mehr ׳und ttichtS weniger als eine Arena halachischer DioknssionStnrniere im verjüngten Maßstabe, wie wir solche in größeren Diitieitsionen bereits oben gelegentlich der Maariwpansen in der Schinr-Stnbe zn beobachten Gelegenheit hatten; eine sogenannte חריפה הברח, wo anstatt homilctischer Vorträge, kunstreich gewobene, mit aller Geistesschärfe verfochtene Kombinationen von dunkeln Talntndstcllen vorgetragen werden. Alle Achtung und wohlverdicitte Würdigung diesen mit aller Geistesschärfe und Kühnheit prodnzirten Kombittationen, die ja ein Grnudelement des gesannntett TalmndstndinntS bilden und einem tiefen, eingehenden Verständnisse desselben entspringen!*) *) Wir können nnS durchaus nicht;um Standpunkte jener vornehmen Gleichgültigkeit bekennen, mit der man von mancher Seite, einem integrirenden Theile des Talmudstudiums, dem

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