Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 25 (21.6.1883)
- Article
- Salomonische Spruchweisheit
- Date
- 1883-06-21
- Page
- 387 (sequence 2)
- Language
- German
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387 Wenn Gerechte zu hoher Freude gelangen, vermehrt sich die Würde, Wenn aber Gesetzlose aufkommeu, verhüllt man was Mensch ist. (K. 28, 12.) Wenn Gesetzlose aitffommcii verbirgt sich was Mensch ist, i Und wenn sie zu Grunde gehen, vermehren sich Gerechte. (K. 28, 28.) Wenn sich Gerechte vermehren freut sich sich das Volk. Kommt aber ein Gesetzloser zur Herrschaft seufzt das Volk. (K. 29, 2.) Mehren sich Gesetzlose, mehret sich Verbrechen, Und Gerechte scheu ihren Fall mit an. (K. 29,!6.) Das Gedächtniß der Gerechten bleibt zum Segen, Und der Name Gesetzloser vermodert. (K. 10, 7.) Nicht nur sich und seinen Nachkommen, dem ganzen Gemeinwesen, in welchen! der Gerechte lebt und wirkt, gereicht sein Schassen und Gedeihen zum Segen und Ehre, Leben und Gedeihen Gesetzloser aber untergräbt das Gemeinwohl und läßt das Gute und Menschenwürdige nicht anfkommcn. Darum freut sichein Gemeinwesen ebenso über das Glück Gerechter, wie cs über den Untergang Gesetzloser jubelt. Ihrer Bestimmung und Aufgabe ohne Abweichung ״gerade" znstrebende Menschen verwenden den Segen, der ihnen wird, nur in einer Weise, die auch ihrer Mitwelt zum Segen gereicht, durch den Segen, der! ihnen wird, so wie der von ihnen ausgcht, wird ihr , Gemeinwesen sittlich und sozial gehoben, Gesetzlose aber untergraben das Gemeinwohl nicht nur durch ihre Handlungen, sondern auch und ganz besonders durch ihren Mund. . Alle Tausende, die sic etwa spenden möchten, heilen den Schaden nicht, den sic durch ihren ״Mund", durch ihre Neben, durch die Aeußerung und Verbreitung ihrer Urtheilc, Grundsätze und Lebensauschauungen anrichten. Gelangen Gerechte zu Glück und Freude, so gewinnt das Würdige an Würde, das sittlich Gute und Gerechte gewinnt an Achtung und Ansehen in einer Welt, für deren Urtheilc und Ansichten nun einmal auch die äußere Erscheinung nicht ohne Einfluß ist. Kommen aber Gesetzlose empor, so verliert das Neinmcnschlichc an Ansehen in der Gesellschaft, Menschen, die nur mit dem von ihnen gepflegten Neinmcuschlichen Achtung und Anerkennung beanspruchen könnten, wagen sich nicht zu zeigen und treten von der Oefscutlichkeit zurück, und nur wenn Gesetzlose zu Grunde gehen, gewinnt das! Gute wieder Anhänger, ״mehren sich die Gerechten." j Das ״Volk" aber freut sich, wenn die Zahl der > Gerechten zunimmt und cs seufzt, wenn die Gesetzlosen! die Oberhand gewinnen. Das Volk, die große Mehr-! zahl, weiß aus Erfahrung, was ihm eine Vermehrung > der Gerechten bringt und was cs bei der Oberhand der Gesetzlosen verliert Einen großen Trost hat die menschliche Gesellschaft: das Schlechte schafft sich durch sein Ucbcrmas; selbst den Untergang. Durch den Anwachs der Schlechten mehren sich die Verbrechen und durch das von ihnen mit Wort und Beispiel gesiegte immer kecker hervortretende Steigen der Verbrechen gehen die Verbrecher selbst zu Grunde. Mit Zuversicht können die abseit bleibenden Gerechten ihren Fall abwartcu. Wenn aber die Lebeusrechnung zum Ziele gelangt ist und der Tod zur Bilanz-Aufnahme ladet, so steht die Pflichttreue und die Pflichtvergcssenheit weit aus einander. Das Leben des Gerechten zeigt einen ewig bleibenden Ueberschnß, der Gesetzlose geht mit einem unwiederbringlichen Defizit aus der Welt. In dem Gedächtniß, in den! Namen, die der Mensch hinterlüßt, faßt sich die Summe des Werths oder Unwerths seines ganzen Lebens zusammen: wenn der Gerechte längst aus dem Hiersein geschieden, bleibt sein Gedächtniß, das Lebensbild seiner Pflichttreue zum segensreichen Muster und Vorbild für die Nahen und Fernen die ihn kannten, um auch in dem Gedächtnis; der Ihrigen sein Andenken zum Vorbild für alles Gute weiter leben zu lassen. Wenn aber der Pflichtvergessene begraben wird, so wird sein Name mit cingescharrt. Und wohl ihur und der Welt, - wenn sein Name vermodert und unter den Lebendigen nicht niehr genannt wird und Keiner dem von ibm himerlassenen Beispiel pflichtvergessener Gesetzlosigkeit eine Nachfolge zuwendet! ■$־ Alles, was unsere Sprnchweisheit über das Glück der Pflichttreue ausgesprochen, hat sie znsammcngefaßt in dem Svrnch niedergelegt: Wer Pflichttreue und Liebeshingcbung anstrcbt, Findet Leben, Wohlthat und Ehre. (K. (21, 21.) Leben durch sich, Wohlthat von Gott, Ehre von den Menschen. (צדקה, von Menschen ausgcsagt, ein pflichtgetreues Leben, bezeichnet von Gott die wohlthnende Wallung, die jederzeit dcnt Menschen Das augedeihcn läßt, was zu feinem wahren Heile gereicht. Siehe Pent. 1. B. M. 15,6.) * H- VIII. Weise und Thoren. (הנסים וכסילים) Wie sich im Gebiete des ThatenlebenS צדיקים und רשעים einander gegeuüberstehcn, so treten die Menschen in Beziehung der geistigen Fähigkeit und Entwickelung d* הנסים und כסילים auseinander. Unerschöpflich sind unsere Sprüche bemüht, den Menschen den hohen Werth der Weisheit zu preisen und sic zu deren Erwerb zu ermuntern, so wie den bellagenS-