Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 25 (21.6.1883)
- Article
- Eine Zizit-Mahnung
- Date
- 1883-06-21
- Page
- 386 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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386 flotte*, welche* die vom sinnlichen Auge geschauten Einzelwesen beherrscht und sie zu einem Weltall einigt, dann vernehmen wir in uns die göttliche Stimme, die uns zum Guten, Sittlichen und Heiligen ruft und hh* mahnt mit nnserm freien, gottähnlichen Wesen Seinem Willen zu gehorchen, — dann gewahren wir in der Geschichte die erziehende Hand Seiner Vorsehung, — dann schauen wir überall, wohin unser Geist und Auge dringt, die Spuren Gotte* und Seine allgegenwärtige, allmächtige Wallung. Dann lernen wir degreifen, daß nur dasjenige gut und wahr ist, was Seinem Willen entspricht, nur da* wahrhaft groß und mächtig, welche* ans Seinen Segen zählen kann, nur dasjenige Streben von wirklichem Erfolge gekrönt wird, welche* ans von Gott gebilligte Ziele gerichtet ist. Dann gewinnen wir einen anderen Maßstab für die Benrtheilnng. Un* schreckt nicht eine ganze Welt gegen un* in Waffen, so wir wissen, daß unser Wollen im Dienste Gotte* steht, — wir fühlen un* mächtiger al* sie, unser bleibt der endliche Sieg. Wir kennen nur die eine Sorge: die rechte Einsicht unserer Pflicht, und nur die eine Aufgabe: die Erfüllung unserer Pflicht; — und wir lassen un* nicht beirren in dem Vollführen dieser Aufgabe durch irgend welche feindliche Macht. Für Kleinmuth ist kein Raum in unserer Brust; wir sind von אמונה erfüllt, von jenem nnerschütterlichen! Gotwertrauen, welche* den Menschen hoch emporhebt über jede Furcht vor Erdengrößen, und ihn! den festen Stützpunkt in Gott verleiht, in Gott, dem er die Gestaltung seine* Geschicke* anheimstellt, in Gott, dem er sich geweiht mit!einem ganzen Sein und Wollen. Mag aitch scheinbar da* Schlechte triumphiren und da* Gerechte unterliegen, mögen auch Thoren Verbrechern die Krone reichen — er wankt nicht in seiner אמונה: er weiß, daß erhabener über blöder Sterblichen Weisheit Gotte* Weisheit, daß Er die Geschicke lenkt nach Seinem WeisheitSplane ans un* unbegreiflichem Pfade. Diese Lehre von der rechten Schätzung, von dem richtigen Urtheil ruft nu* da* mit den ציצית geschmückte Gewand siet* von Neuem in'* Gedächtniß. ולא תתורו ״suchet keine Erkenntniß, forschet nicht, eurem Herzen folgend und euren Angen, daß ihr diesen nachfolgend, Mir untren werdet," sondern bleibet Gott eingedenk und Seiner Gebote und Seinem Dienste geweiht.- Wenn c* einen Menschcnkrei* giebt, welcher an* seiner eigenen Erfahrung zu solcher jede kleinmüthige Verzagtheit überwindenden Erkenntniß, zu dicsein nnerschüttcrlichen Gottvertrancn und zu einen! solchen ans Wahrheit beruhenden Urtheil irdischer Macht und Größe gelangt sein könnte, so ist e* der jüdische. Bon dem ersten Momente, da er in seinem Stammvater Abraham auf die Weltenbühne trat, bi* zum gegenwärtigen Angeld blicke ist seine Geschichte nicht* anderes als eine fortgesetzte ununterbrochene Kette von Ereignissen, die ihm Gott al* Denker und Leiter der Menschheit zeigte, ihn die Hinfälligkeit und Vergänglichkeit aller sich nur auf die eigene Macht stützenden Größen lehrte und ihm die Unüberwindlichkeit und Ewigkeit de* sich Gott nnd Seinem Dienste weihenden Menschen znn! Bewußtsein brachte. Israel hatte die ganze Welt gegen sich und hätte nach den! Urtheil de* sinnlichen Verstandes nnd de* nur da* Aeußere schauenden Auges längst tausendfachen Untergang finden müssen. Die stolzen, mächtigen Feinde aber sind längst an* dem Leben geschwunden, nicht durch de* winzigen, wehrlosen Israel Ueberlegenheit, sondern durch den Finger Gottes, und nur Ruinen geben Kunde von ihrer ephemeren Größe, — während Israel, der Herold de* Gottesgesetze*, der Träger des Gottesbanner*, ohne Schwert nnd Macht seinen Pfad durch die Jahrtausende der Geschichte wandelt, trotz aller Anfeindung rnd Verfolgung, ungeachtet der Scheiterhaufen und Blntströme, mit welchen die unerlcnchtetc Menschheit diesen seinen Weg marfivt hat. Die Lchanfäden an seinem Gewände predigen ihm stet* auf'S Nene, nicht nach dem äußeren Scheine Menschengröße zu schätzen, vielinehr nur dem Göttlichen, Wahren, und Sittlichen Werth und Bedeutung zuznschreiben, — und brachten ihm stet* erneuert den Gotteswillen in Erinnerung, in dessen Vollführung es de* Spottes und Hohnes, der Marter und Leiden nicht achtete, welche die irrende Brndcrmenschhcit über ihn verhängte. Sollte es da in der Gegenwart und in aller Zukunft zagen und beben und in Kleinnmth an den! endlichen Siege der Wahrheit, an dem endlichen dauernden Trimnphc des Rechten verzweifeln; — sollte e* da erschrecken vor der dräuenden Gefahr de* Augenblicks; — sollte es da nicht über der trüben Gegenwart hinweg auf eine lichte, herrliche Zukunft siegesfroh und gottvertrauend Hinschauen?? S־Hl0mouifdjc AMliMisheit. Bon Samson Raphael Hirsch. VII. Gerechte und Ungerechte. (Fortsetzung.) Ueber da* Glück Gerechter freut sich hoch die Stadt, Aber beim Untergang Gesetzloser ist Jubel. Durch den Segen Gerader wird ein Gemeinwesen gehoben, Aber durch den Mund Gesetzloser wird es niedergerissen. (K. 11, 10, 11.)