Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 24 (14.6.1883)
- Article
- Über die Lage der Juden nach den im Königreich Württemberg in Geltung bestehenden Gesetzen
- Date
- 1883-06-14
- Page
- 378 (sequence 2)
- Language
- German
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378 glimpfungen sind nicht ans dem Munde unserer bitter-! flcn nichtjüdischen Gegner geflossen. So ties gesunken | waren die Juden seit den frühesten Zeiten der jerobe-! anlitischcn Verführungen niemals wieder, daß man von j einem großen Thcil einer jüdischen Laudesbevölkcrung! also sprechen dürste. Und ebenso ist es eine Verkehrung der Wahrheit, wenn dieses geistliche Mitglied deS israelitischen Oberkircheuraths ferner von der großen Anzahl Scheinheiliger unter den damaligen württembcrgischen Israeliten redete, die nur deshalb mit äußerster Püuklichkeit dem Acremouicudienste, so nannte Di׳. Maier die gewissenhaste Beobachtung deS jüdischen Neligionsgesetzes, sich unterzogen, um sich ihrer Frömmigkeit vor Anderen hochrühmen zu können, dabei aber Gott lästerten, indem sie ihre Gottesfurcht zur Schau trugen, aber ArgeS im Herzen hatten; die für die Verderbtheit ihrer Gesinnungen Gott durch äußerliche Handlungen entschädigen zu können glaubten und somit ihre Frömmigkeit mit heuchlerischer Zweideutigkeit äußerten. — — Wir begreifen eS, daß einem verkommenen — Gesindel, welches aber Gottlob nur in der Einbildung des Dr. Maier existirte, gegenüber die größte Strenge als das einzige Mittel zur Besserung angezeigt schien, und daß die Negierung, welche von jüdischer, als berufen angesehener Seite eine solche Schilderung von dem tiefen Pfuhl des moralischen und religiösen Verdcrbnisses ihrer jüdischen Unterthanen empfing, eine wahrhaft rettende That zu üben vermeinte, wenn sie einer solchen Neligionsgenosseuschaft daS Selbstbestimmungsrecht entzog und für sie eine Behörde schuf, welcher die weitestgehende Machtbefuguiß eingeräumt werden mußte, um das Besserungswerk dieser entarteten Menschen vollziehen zu können. Denn der geistliche Rath führte ferner aus, daß die schwere Krankheit des württembergischcn Israels um so schwerer und gesährlichcr sei, als der Kranke glaubte, gesünder als sein Arzt zu sein und deshalb blinden Eifer gegen alles Bessere zeigte, ja beharrlich Widersetzlichkeit gegen eine würdige Gottcsvcrehrung bethätigte. Wenn demnach daö maßgebendste Mitglied der israelitischen Oberkirchcubchörde eine so gänzlich falsche Vorstellung von dem moralischen und religiösen Zustände der damaligen Juden seines Landes hatte, so erhellt aus den ferneren Ausführungen seiner Rede, daß ihm das jüdische Gesetz nicht als unverbrüchlich galt, er sich vielmehr als Priester und Fortbildner der Religion erachtete, welcher, im Gegensatz zu den älteren Rabbinern, dem Volke das Brod des Himmels und das Wasser des ewigen Lebens, keine künstliche Speise, die dem gesunden Urtheil der fortgeschrittenen Vildüng nicht mehr genügen kann,. zu spenden hätte. Um an der Herstellung einer ״reineren GottcSverchruug" zu arbeiten, forderte er ״Achtung und Folgsamkeit", denn ihm wäre ja ״nach dem Willen unserer kirchlichen Oberen, von einer weisen Regierung" dieses Priester- und Lehramt Übertrager! worden. (Schluß folgt.- KmrcsDildcilzcil und Nulhrilhtcil. Deutschland. R. Berlin, 10. Juni. Die ״Rordd. Allgem. Ztg." kann es nicht unterlassen, bei Gelegenheit des Berichtes über die Fakultütswahlen an der Berliner Universität den armen Semiten eins auzuwischen. Nachdem sie mit besonderer Geuugthuung über den Sieg der ״dcutsch-uatioualen Studentenschaft" in der juristischen, philosophischen und theologischen Fakultät sich ausgesprochen, kann sie nicht umhin in Klage auszubrechen, daß in der medizinischen Fakultät, die wie das Blatt des Herrn Pindter bemerkt, ״schon seit geraunter Zeit eine Domäne der semitischen Elemente an der Berliner Universität gewesen, ailch diesmal der gegnerische Kandidat mit einigen 20 Stimmen Sieger geblieben." — Dasselbe Organ theilt mit, daß am 20. und 21. d. LN. eine Konferenz der ״Juden- Mission" und gleichzeitig die Feier des Jahresfestes der Berliner Gesellschaft zur Bekehrung der Juden stattfindcn wird. — Aus Baden, 4. Juni. In der vorigen Woche waren in Karlsruhe durch zlvei Tage die Vertreter der israelitischen Bezirkssynagogcu und Gemeinden aus dem ganzen Laude versammelt, um unter den! Vorsitze des Großherzogl. Oberrathes über die Abänderung der Verordnung Großherzogl. Ministeriums des Innern vom 30. Januar 1649 ״die Umlagen zur Bestreitung der kirchlichen Bedürfnisse der einzelnen israelitischen Gemeinden und Bezirkssynagogcu bctr." zu bcrathcn. — Nach dem bad. Orgauisationsedikt vom 13. Januar 1809 sind nämlich die israelitischen Gemeinden nicht als Privatkorporatioueu, sondern wie die politischen Gemeinden als öffentlich rechtliche Gemeinden zu betrachten und ist ihnen in Konsequenz hiervon durch Instruktion von Großherzogl. Ministerum des Innern von Jahre 1812 eine weitgehende Autonomie, insbesondere aber das Recht eingeräumt worden, über ihre Steuergesetzgebung selbst zu beschließen. Ans dem vorerwähnten Grunde hatte der Oberrath in Folge zahlreicher Klagen der Landgemeinden, daß sie den Aufwand für die Kultus-