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Jeschurun · 1883-06-07 · Heft 23 (7.6.1883) · p. 359

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 23 (7.6.1883)
Article
Sefirah-Jozeroth im 19. Jahrhundert
Date
1883-06-07
Page
359 (sequence 3)
Language
German
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"אחיינו בל בית ישראל הנהוגים בצרה ובשביה, הנ!קומ ירחם עליהם השתא בעגלא ובזנץ בריב." Rabbiner Dr. Elias Pleßnc r. Aus der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts.! (Nach einer wahren Begebenheit) Friedrich Flott. 1. (Alle Aechte Vorbehalten (Fortsetzung.) Die Kranke reichte ihr mit zitternder Hand daS Blatt, nachdem sic cs zuvor an ihre Lippen gedrückt und die Alte, nachdem sic sich einige Mal geräuspert, begann zu lesen: ״Meine liebe, liebe, gute, thcnrc Mutter! Vor Allem lnuß ich Dich um Verzeihung bitten, daß ich heimlich von Dir fort bin — aber ich meine, Du wirst Dir gedacht haben, warum ich's bin, und da hast Du mir gewiß recht gegeben. — Aber wenn ich nur wüßte, wie Dir's geht und den Kindern — und daß ich Dir nicht gar zu sehr fehle. — Wenn ich nur wüßte, daß die Leah bei Dir ist, da war' ich schon ruhiger. — Aber nun will ich Dir von mir schreiben, denn ich denke mir, Du wirst auch begierig sein, zu wissen, wie es mir geht. Also vor Allem, liebe Mutter, bitte ich Dich, sei um meinetwillen nur ganz ohne Sorgen, der liebe Gott sorgt schon für mich. Darum geht'S mir auch ganz gut, ich bin bei sehr braven Leuten, die sehr, sehr gut' gegen mich sind — Du kannst Dir gar nicht denken wie. — Aber ich schreibe Dir nur nicht, wo ich bin, weil ich mich fürchte, Einer könnte den Brief finden und — Aber wundern möchtest Du Dich — und würdest dann noch mehr sehen, wie der liebe Golt' für mich sorgt. — Aber uni Eines, liebe Mutter, möchte ich Dich bitten Neulich, als ein Mann, ein Hansirer mit Gebetbüchern und dgl. bei Dir war, hast Du so'n kleinen jüdischen Kalender vom nächsten Jahr von ihm gekauft — um den möchte ich Dich bitten. Und dann, liebe Mutter, möchte ich Dich anch sehr bitten, daß Du mir schreibst — aber mir ganz wenig — daß Du Dich nicht anstrcngst, nur, wie Dir's geht und wie cs den Kindern geht und wer nach ihnen sieht und wer Dich pflegt. — Wenn nur die Leah bei Dir wäre. — Aber ich denke mir, Du hast sie vielleicht mitgenommen als Du gesehen hast, daß ich fort bin. Meine liebe, liebe Mutter — wenn ich Dein liebes Gesicht nur ein bischen sehen könnte, daß ich wüßte, wie es Dir geht. — Aber ich hoffe, daß eS Dir gut geht — mir geht es ja anch gut und ich bin schon bald fünf Wochen fort von Dir und ich hätte doch nimmer geglaubt, daß ich leben könnte, wenn ich auch nur eine Woche nicht bei Dir wäre. DaS kommt aber, weil der liebe Gott jetzt noch ganz extra für mich sorgt und ich denke mir, gerade so wird Er auch für meine liebe, liebe Mutter sorgen. — Weil ich aber nicht weiß, wann ich wieder Gelegenheit haben werde, einen Brief an Dich abzuschicken und weil sehr bald Noschhaschonoh ist, will ich Dir schon heute dazu gratulieren und was ich wünsche, meine liebe, liebe Mutter, — ach, das kann ich Dir gar nicht sagen. — Aber ich brauch' Dir's auch gar nicht zu sagen, denn Du weißt es schon. Vor Allem werde nur wieder recht gesund und sorge nicht zu sehr. Um mich brauchst Du gar nicht zu sorgen und um die Kinder sorge nur auch nicht zu viel, — der liebe Gott wird für sie auch schon sorgen und es wird gewiß noch Alles ganz gut werden. Und nun lebe wohl, meine liebe, liebe, theure Mutter! ich grüße und küsse Dich viel tausend Mal und die Kinder auch. Deuten sie auch öfkrs an mich? Und nun nochmals, lebe wohl, meine liebe, liebe Mutter und wenn cs Dich gar nicht anstrcngt, so schreibe, aber nur ganz wenig, an Deine dankbare Dich liebende Mirjam. Und wenn die Leah bei Dir ist, so lasse ich sie auch vielmals grüßen." Mit gespannter Aufmerksamkeit und angchaltencm Athen! hatte die Kranke dem Lesen des Briefes gelauscht. ״Mein Kind, mein liebes, gutes, braves.Kind," flüsterte sie und drückte das Schreiben, das die Alte wieder auf ihr Bett gelegt hatte, wieder und immer wieder an ihre Lippen, und Thrünen flössen aus ihren Augen. ״Ich bitt' Sic um Gotteswillen, weinen Sie nicht so; cs könnte Ihnen wieder nicht gut werden." Aber die freudig Erregte blickte die treue Magd lächelnd an. ״Fürchten Sie nichts, Leah, ich fühle mich so frisch und wohl — ich möchte gleich aufstehen." ״Gott soll behüten und bewahren!" rief die Alte, vor Schrecken die Hände zusammenschtagend. ״Ich will cs ja auch nicht," cntgcgnete die Kranke lächelnd, ״ich sagte nur, ich möchte es und ich glaube, ich könnte cs, ich fühle mich so frisch und kräftig." Ihr Aussehen hatte sich in Wirklichkeit vollständig geändert; sie saß frei ohne jede Stütze, ihre Wangen waren leicht geröthet und das glückliche Lächeln, das um ihre Lippen spielte, ließ sie vollständig gesund erscheinen. Leah betrachtete sie voll Staunen.

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