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Jeschurun · 1883-06-07 · Heft 23 (7.6.1883) · p. 355

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 23 (7.6.1883)
Article
Die christliche Staats-Idee und das Judenthum
Date
1883-06-07
Page
355 (sequence 3)
Language
German
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355 sein. Bor dem ächten Gottesbewußtsein schwindet das Vorurt'hcil, und die ächte Frömmigkeit kennt keine Mißachtung der Mitmenschen. Wann wird die Zeit Heraufziehen in welcher die religiöse Staats-Idee sich also bethätigt?-— 3!1101110nif(l)f HriillMshkit. Bon § am son Naphacl Hirsch. VII. Gerechte und Ungerechte. (Fortsetzung.) Nicht fest begründet sich ein Mensch durch Gesetzlosigkeit, Aber die Wurzel der Gerechten wanket nie. (K. 12, 3.) Wenn auch der Baum über der Erde im Stamm zu schwanken scheint, die Wurzel in der Erde bleibt fest und an ihr und auf ihr kommt auch der Baum wieder zur Ruhe. So hat der Gerechte mitten in allen Stürmen des Lebens einen inncrn, unsichtbaren Halt, der ihn fest und aufrecht hält. Und an diesem שורש, an dieser starken Lcbcuswnrzel gcbricht'S der Gesetzlosigkcit, die sie sich trotz aller künstlichen Acußerlichfeiten nicht zu ersetzen vermag. Ja, Den Gesetzlosen gelüstet cs, Schlechte cinzusangen, Und er wird Beitrag zur Wurzel der Gerechten! ' (K. 12, 12.) Der Gesetzlose strebt mit wahrer Lüsternheit danach, durch sein Beispiel und sein Glück recht viele Genossen zu seiner Schlechtigkeit zu gewinnen, und sein endlich kläglicher Ausgang trägt nur dazu bei, die Gerechten in ihren Grlmdsätzen zu befestigen. # Der Gesetzlose schasst ein mit Täuschung endendes Werk, Wer aber Pflichttreue säet, schafft sich wahrhaft Lohn. (K. 11, 18.) Nicht Läßt Gott die Seele des Gerechten hungern. Aber Das, worauf Gesetzlose brüten, stößt er fort. (K. 1<>, 3.) Wer auf seinen Ncichthum baut, der fällt, Aber wie ein Blatt blühen Gerechte auf. (K. 11, 28.) Sünder verfolgt das Schlechte, Die Gerechten lohnt das Gute. (K. 13, 21.) Das Haus des Gesetzlosen entgeht nicht der Vernichtung, Aber das Zelt des Geraden treibt innncr auf's Nene Blüthcn. Wohl scheint mancher Weg gerade vor einem Mann, Aber er endet in Wegen des Todes. Ja, selbst während der Lust bleibt das Herz betrübt, Und ihr Ende ist eine mit Kummer verwandte Freude. An seinen Wegen sucht Der Befriedigung, dessen Herz auf Abwegen ist, An sich selbst aber ein guter Mann. ' (K. 14, 11—14.) Der Gesetzlose täuscht sich in den Erwartungen, die er von den Errungenschaften hegt, welche er durch Abweichungen vom Gesetze anstrebte, der Pflichttreue darf aber auf die wirkliche Erreichung seines Zieles hoffen. Denn des Gerechten Wünsche verhallen sich zu dem Verlangen des Gesetzlosen wie 2p zu הות. Des Gerechten Wünsche gehen nicht über das Natürliche und Nothwendigc hinaus, und dürfen daher auf endliche Befriedigung hossen. Die Gesetzlosigkeit aber ״brütet," ersinnt sich iinmer neue, künstliche Genüsse, die zuletzt ihr Bedürfuiß werden, deren Befriedigung aber Gott von sich weist. - Was nur auf äußern Wohlstand gebaut wird, das fällt und vergeht, wie der Wohlstand vergänglich ist. Aber des Gerechten Heil wächst aus innerem, gottgesegneten Grund. Und wenn auch nicht hervorragend wie die Zeder und prächtig wie der Prachtbaum, bescheiden aber, in heiterer Frische wie ein junges Blatt blüht er immer wieder neu. Das Schlechte, das der Sünder übt, wird sein eigener Feind, wie der Gerechte in dem Guten, das er übt, schon seine Belohnung findet. Und wenn der Gesetzlose eines stattlichen Hanfes sich erfreut, und der im geraden Wege Bleibende sich mit einem bescheidenen Zelte begnügen muß, so geht jenes doch den Weg der Vernichtung nnd dieses der ewig sich verjüngenden Blüthc. Wohl dünkt sich Mancher auf geradem Wege zum Glücke uub sieht nicht, wie sein Weg in viele Wege endet, die alle zum Untergänge führen. Ja selbst vor den: schlicßlichcn Ende, das gewöhnliche ״lustige" Leben, das von שמחה של נזצוח sehr fern ist, läßt selbst ^2שחו, während der Lust und mitten in der Lust, das Bessere, Edlere im Menschen, das ״Herz," unbefriedigt, und wenn die Lust zu Ende ist, dann weiß man nicht, ob mau sie שנזדזח oder הונח nennen soll. Alles Dies ruht auf dem Einen großen Gegensatz: Der, dessen Her; nicht sittlich gesund, nicht auf -dem reinen, rechten Wege ist, sucht seine Sättigung nur au den Zielen seiner äußeren Lebenswege; der gute Mensch sucht aber seine Befriedigung nur an Dein, was er an sich und aus sich und in sich trägt, was in seiner Persönlichkeit aufgeht uub aus allen seinen Bestrebungen seinem inncrn, geistigen, sittlichen Selbst zu Theil wird.

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