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Jeschurun · 1883-05-31 · Heft 22 (31.5.1883) · p. 341

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 22 (31.5.1883)
Article
Judenspiegel [Rezension]
Date
1883-05-31
Page
341 (sequence 3)
Language
German
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341 in Tisza-Eszlar behauptet, daß er das ihm imputirtc! verbrechen in der Synagoge begangen habe, wallte der! Verfasser des ״Indenspiegcl," der sich ja seiner Versiclicrung gemäß nur objektiv mit der Frage über den rituellen Ehristenmord befaßt, einen Beweis bringen, wonach dieses ״Blutvergießen" erst dann ein recht j wohlgefälliges Opfer sei, wenn cs in der Synagoge stattsindet. und hierzu mußte ihm ein Zitat ans einem i angeblich in Bagdad erschienenen Werte dienen, von! dem er wußte, daß cs Niemand nnfznsinden vermag, i weil in Bagdad noch kein zur jüdischen Literatur ge-! hörendes Werk gedruckt wurde. — Dies wird bei allen \ Vernrthcilsfreien zitr Charakteristik des ״Indenspiegel" genügen. lieber die von der ״Germania" ihrer Angabe gemäß ״ans guten Gründen" stets aufrecht gehaltene Möglichkeit ritueller Ehristenmorde halten wir jedes Wort für überflüssig, nachdem sich bekanntlich schon vor Jahrhunderten die Päpste Gregor IX., Innoeenz IV., Sixtus V und in neuester Zeit hervorragende christliche Gelehrte, die keiner Parteilichkeit für Inden beschuldigt werden können, über die völlige Grund! osigkeit jener vom Indenhasse ausgcbrütetcn Anklage ausgesprochen haben. Vom Verfasser des ״Indenspiegel" verabschieden wir uns aber mit dem Ausdrucke unseres Dankes für seine Behandlung dieses Gegenstandes; denn wenn die Nichtigkeit jener alten Beschuldigung noch eines Beweises bedürste, so hätte ihn Derjenige gegeben, der gezeigt, daß auch der größte Judenfeind, auch der frechste Verleumder nur durch plumpe Lüge und Fälschung etwas dafür anznführen vermag. Durch seinen Schluß hat er auch Demjenigen, der seine Angaben nicht mit den Duellen, aus denen er geschöpft zu haben vorgiebt, zu vergleichen vermag, gezeigt, was von seinen Anschnldignngen zu halten ist; denn jeder redliche Mensch,, welcher Konfession er aitgehören möge, wird sich mir Abscheu von einer Schrift abwenden, deren Verfasser;nr Fälschung, zur schamlosen Erdichtung seine Zuflucht nimmt, um seinen Verleumdungen Eingang zu vcrschassen; jeder Wahrheitsliebende wird den Stab über Den brechen, der seine Zwecke durch so erbärmliche Mittel zu erreichen sucht. Die pri'piinjiT Talmud,schule. Bon §. B. Nosciihain. 1. Motto: ב; ידדה דברי אשד יצא מפי לא ישוב אלי ריק:; בי אב עשה אה אשר הפצה י.ישעיה" j ה. Was gehörte wohl eher vor das Forum eines Blattes, das, wie das vorliegende, sich die ächte Wahrung und Anfrechtcrhaltnng jüdischer Interessen zum Leitstern seiner publizistischen Wirksamkeit erkoren, ja, das einzig und allein dem magischen Einflüsse dieses Veitsterns sein Wiederanftatichen ans den! dunklen Scbooße der Vergangenheit zu verdanken hat, — waS, sagen wir, gehörte wohl eher in die Sphäre eines solcheit Blaues, als die eingehende, nutzbringende Besprechnng eines Institutes, das ans das Schicksal und die Geschichte des orthodoxen Indenlhnms im Allgcmeinen, vorzüglich aber auf jene des ungarischen, einen dominircndcn Einfluß aitsübte, durch die Thatsache, daß es seit einem halben Säknlnnt oder mehr ein Hanplcmporinm gewesen, welches Echterem das Gros seiner geistigen Oberhäupter lieferte! Ein solches, von orthodox jüdischem Standpunkte ans, eminent wichtige Insliltit aber ist zweifellos die Preßbnrgcr königl. konzessionirtc Talmud-Hochschule, deren nach der Natur entworfenes Bild wir in Folgendem einem geneigten Leserkreise vorführcn wollen. Indem aber nach der Einrichtung dieser Welt kein Bild ohne Schatlirnngen cxislirt, ja sogar ein Bild nur durch die Abwechselung von Vicht und Schatten entsteht und dem geistigen oder physischen Auge sichtbar ist, wird auch in dem nachfolgenden Karakterbilde nicht alles Licht und von jedem Schattenzuge frei sein können, und diese gottlob nicht allzu zahlreich vorhandenen Schatten- Partie resp. deren Beseitigung, ist es auch, an die wir hauptsächlich dachten, als wir das Motto an den Kopf dieser Zeilen setzten. Königlich konzessionirt? — Hochschule? — Diese und ähnliche Ansrnsnugen höre ich dcn'Vippcn manches Lesers entfahren und Mancher dürfte wohl versucht sein hinzuznfügcn: .,Schier merktman die peinliche Unbehaglichteil, die das anspruchslose schlichte Wort Talmud in der Mitte zweier so solenner Titnlationen empfindet; beinahe ahnt man die Anstrengung, mit der es sich am liebsten diese ungewohnte Gesellschaft vom Halse schaffen möchte!" — Wohl, wohl, meine Verehrten, — cs gab eine Zeit, wo man weder von einer königlichen Konzession noch von einer Hochschule etwas gewußt hat. Als noch die zwei großen ״Schreiber" dem einhcitlichcn Indcnthnm Gesetze vorschricben und die heroische Gewichtigkeit ihrer Individualität diesen Gesetzen auch allseits Autorität verlieh, da ließ man sich an der durch sie und ganz in ihrem großen Geiste geleiteten Schule von der einstigen ״Höhe" derselben noch nichts träumen; ihre Frequentanten mußten, statt mit der Benennung Hörer, die sie sich bciznlegen heutzutage berechtigt sind, mit dem uin vieles einfacheren und minder wohlkingenden בהיר vorlieb nehinen und dennoch, — trotz allen Widerspruches, der darin liegt — war jene Zeit der Titel- und Prnnklosigkcit die bei weitem glänzendere dieses Institutes und die KulminationS-

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