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Jeschurun · 1883-05-31 · Heft 22 (31.5.1883) · p. 340

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 22 (31.5.1883)
Article
Judenspiegel [Rezension]
Date
1883-05-31
Page
340 (sequence 2)
Language
German
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340 als bic bcften (Gewürze und ein Mittel, (Volt mit sich;11 oerfölmen und Gnade auf sich l)crab;1t;icl)c11. DaS | meint also bic heilige Schrift: Es ist wunderbar, bas; bie Jungfrau persönlich unrein nnb Klipa lNichtjüdin) unb hoch bie Vergießung ihres Blutes ein so theucreS Cpfcr ist." Wir erklären biese unter Anführungszeichen unb mit selten Vettern gebrückte angebliche Uebersetzung, als eine schön blicht Fälschung, bie trotz der Ünwissenheit beS Verfassers, bie er schon dadurch bekundet, bas; als einen Anhaltspunkt betrachtet, dem Ankläger der Tisza-ESzlarer Inden brauchbares Material;n liefern, und zu einem so edlen Zwecke, auf die Juden die Beschuldigung des rituellen Ehristenmordes;11 wälzen, darf sich bie angebliche Objektivität eines mit der Kabbala sich befassenden Antisemiten wohl zu dem horrenden Unsinn versteigeu, לןליפות als gleichbebentcnb mit ״Nichtjüdinnen", den im Originale vorkommcnben Ausdruck התגברות חדיני als Bezeichnung für ״wohler nicht einmal den Titel des von ihm;itirten Werkes; richtig lesen konnte und baß er glaubt, bas; alle kabbalistischen Werke in chalbäischer Sprache geschrieben seien, doch keineswegs blos seiner Ignoranz zuruschreiben ist. Denn wenn ein Ignorant eine Stelle zu übersetzen sucht, so kann es ihm wohl begegnen, baß er durch ein dem Anscheine nach kleines Mißverständnis; dem Originale das Sinnloseste ober bas Gegcutheil von dem anbichtet, was darin ausgesprochen ist; aber in dem, was man als Uebersetzung einer Stelle gelten lassen will, Dinge zu drucken, von denen sich im Originale absolut nichts findet, das vermag nur der gemeine V ü g n e r, nur der f r e ch e V e r l e n nt der, der glaubt, bas; ihm seine Fälschung nicht nachgewiesen werden kann. Deshalb hat sich der Verfasser beS ,.Iudenspiegel" auf ein Werk bezogen, von dem er wahrscheinlich wußte, baß eS nur äußer!! wenig verbreitet ist. wodurch er sich zur Hoffnung berechtigt hielt, baß seine angebliche Uebersetzung nicht kontrollirt wirb und er jede beliebige Lüge als Uebersetzung hinstellen kann. Er hat sich in seiner Berechnung nicht ganz getäuscht, denn es sind, wie - wir bereits erwähnt, Monate verstrichen, bis es uns ermöglicht wurde, von der erwähnten Stelle Einsicht zu nehmen; nun aber können wir koustatiren, baß von dem ganzen obigen Zitate nur der Anfang: ״ES steht," bis zu dem Satze: ״Der Sinu ist in kurzgcfaßten Worten folgender" richtig ist, bas; aber Alles, waS im ״Inbcnspiegcl" von den Worten: ״Es ist wunderbar" an, als liebersetzung der in jenem Werke sich befindenden kabbalistischen Deutung erscheinen soll, nichts als eine niederträchtige Erdichtung ist. ES ist eine Lüge, daß in der zitirten Stelle von ״Nichtjüdinnen" gesprochen wirb, oder auch nur die entfernteste Hindeutnng auf Nichtjüdinnen gesunden werden kann; eS ist eine Lüge, das; sich im Originale auch nur eine Silbe von ״Blutvergießen" findet, nnb eS ist ebenso eine Lüge, baß in der betreffenden Stelle von irgend einem ״Opfer" bie Webe sei. Der Verfasser des ״Judenspicgel" ober Derjenige, von dem er jene angebliche Uebersetzung erhalten, hat eben jene Stelle, weil darin דם בתולים ווסט (j. Nidda 05 b. Eben Ha-Escr (53) gesprochen wird, riechendes Opfer", ״ebenso heiliges Opfer als die besten Gewürze" zu — übersetzen und sich hieraus eine für ihre Zwecke passende Lüge zu erdichten. Der Verfasser beS ״Indcnspiegel" begnügt sich aber noch nicht mit diesenl Zitate: um seiner Staffage für die den Gerichtshof zu Niyrigyhaza beschäftigende Anklage bie Vollendung zu verleihen, giebt er auch an, baß in dem seiner Behauptung nach in Bagdad erschienenen ״Pri e; Hachajm" des N. Ehajim Vital folgende Stelle sich befinde: ״ES steht in der heiligen Schrift geschrieben: Die Weisen werden leuchten wie veS Himmels Glanz. WaS meint man damit? — Diejenigen, welche die Kraft Gottes mit Blut der Goijm nähren — und diese sind doch die wahrhaft Weisen — werden wie der Glanz des Himmels leuchten. Denn wiewohl uns der Herr Tempel und Opfer genommen hat, so hat er uns doch einen Ersitz gelassen, der bie Seele noch mehr als ein Opfer erleuchtet unb heiliget: Blut der Goijm aus einen trockenen (Zechiach seloh steht im Ehadäischen) Stein vor Gott (b. h. im Angesichte oder vor den geöffneten Gesetzestafeln, und diese finden sich nur in den Synagogen) zu vergießen." Da wir auch daS hier erwähnte Werk nicht besitzen, haben wir, obwohl auch obiges Zitat wieder den Ignoranten verräth, der den Ezechiel?4, 7. 8 vorkommenden Ausdruck ),״ צהידז בליkahlen Felsen" für chaldäisch hält und mit ״trockenen Stein übersetzt, um dies mit ״vor den geöffneten Gesetzestafeln" (!!) erklären zu können, und obwohl es uns vollständig zweifellos war, das auch dieses Zitat ein Falsifikat ist, doch einen Freund, der die Schriften des R. Ehajim Vital hat und genau kennt, um Auskunft ersucht und von demselben erfahren, daß von jener Stelle keine Spur darin zu finden ist. Da nur uns auch mit dieser Auskunft trotz ihrer Verläßlichkeit nicht begnügt, haben wir bei weiteren Recherchen erfahren, daß in Bagdad nie eine hebräische Druckerei existirt hat. — Nach dieser Mittheilung, die auch von zwei gegenwärtig in Wien wohnenden Männern aus Bagdad bestätigt wurde, mußten wir natürlich alle weitern Nachforfchungen über die angeführte Stelle aufgeben und wurden wir an das bekannte Sprichwort erinnert, daß Derjenige, der lügen will, sich auf Zeugen aus der Ferne beruft. Weil die Anklage gegen den Schächter

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