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Jeschurun · 1883-05-24 · Heft 21 (24.5.1883) · p. 332

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 21 (24.5.1883)
Article
Anklageschrift im Tisza-Eszlarer Prozeß
Date
1883-05-24
Page
332 (sequence 3)
Language
German
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332 weinen hörten und sahen, daß zu beiden Leiten bcr'| Tempel!hur zwei Juden standen, die nach beiden Weg-! ricbtuugcn ansblickten. Die Aussage wird ferner auch j dadurch erhärtet, daß ein veraustalteteo Probegehen! erwiesen habe, wonach Esther Solhmosi. wenn sie sich; um halb 11 Uhr vom Hause entfernte, um 11 Uhr 47 Minuten vor der Synagoge gewesen sein müsse. (■2d)luB folg!. >; Korrcspondcnzcil und Nuchrichtcu. Deutschland. Halntvver, 23. Mai. Noch immer verlautet nichts über die Ansetzung des Termins zur Laudrabbinerwahl. Die Landdrosteien Hannover und Lüneburg haben jetzt erst die Gemeinden aufgefordert, über die Gehaltssrage sich zu entschließen. Die Verhandlungen hierüber können möglicher Weise sich in eine unabseh׳ bare Zeit hinciuziehen. Eine große Anzahl von hiesigen Gemeindemitgliedern ist deshalb bei der Landdrostei dahin vorstellig geworden, die Erledigung des Wahlgeschästs beschleunigen zu wollen, da unser Gemeinwesen nicht länger des Rabbiners entbehren könne. Tb diese Petition von Erfolg sein wird, vermögen wir nicht zu entscheiden. Es ist jedenfalls gut, wenn dadurch die Stimmung der Gemeinde zur Kcuntniß der Behörde gebracht wird, und zwar um so mehr, da die Bitte nicht von den Angehörigen einer einzigen Partei allein, sondern von den beiden hier bestehenden Parteien ausgeht. *. Berlin, 20. Mai. Ein dem ״Dtscbe. Tgbl." zugegangenes' Telegramm berichtet, daß in Neu- Stettin gegen fünf Juden eine Anklage wegen Brandstistung erhoben sein soll und zwar in Folge des bekannten Shuagogenbrandes Wir müssen das Nähere hierüber abwarten, glauben aber annehmen zu dürfen, daß die Untersuchung die Unschuld der Bezichtigten ohne Zweifel ergeben wird. —c— Dromersheim, 15. Mai. Auf der Straße und an den Häusern sind wiederholt Plakate gefunden worden, in welchen die Bevölkerung gegen die Juden aufgewiegelt wurde. Auch verschiedene Häuser der Juden sind mit Fenster- und Dücherzertrümmerung bedacht worden, so daß die Polizei -des Nachts verstärkt werden mußte. Auch von Bingen sind Gensdarmcu für einige Zeit hierher gesendet worden. und dadurch ist die Ruhe einigermaßen wieder gesichert. Die Untersuchung hat aber bis jetzt kein Resultat geliefert. vz. (§sseu, 18. Mai. Die alljährliche Versammlung des israelitischen Lehrer-Vereins von Westfalen und Rheinland wurde Heuer in hiesiger Stadt am 13. und 14. d. M. abgehalten. Die Unter׳ stützungskasse weist ein Vermögen von t/K 46982 auf und ist größtentheils durch außerordentliche Zu- Wendungen erworben. Für 8 Lehrer-Fantilien mit 35 Antheilen sind M. 2258 bewilligt worden. Die Sitzungen waren sehr zahlreich auch von Gemeinde-!uitgliedern besucht und zeigten von dem regen Interesse, welches dieser Vereinigung entgegengebracht wird. — Heilbrvnn, 20. Mai. Zur Jllustrirung der in Ihrem Blatte begonnenen Schilderung der hierländischen Gemeindeverhältnisse, welche in allen Kreisen die lebhafteste Sensation Hervorrufen, mag das folgende Faktum dienen. Es war bei dem hiesigen israelitischen Kirchenvorsteheramt der Antrag eingebracht worden, die Ausschmückung der Särge mit Bougnets, Kränzen n. s. w. zu gestatten. Die fünf Beisitzer erklärten sich gegen diese unjüdische Neuerung, die geborenen Kirchen-Vor.teher, Herr Rabbiner Or. Engelbert und Herr Vorsänger Löwen stein aber dafür. Die israelitische Ober-Kirchenbehörde kassirte jedoch den Majoritätsbeschluß und dekretirte im Sinne der Minorität. In Folge dessen faßte der Beetd'gungs- Verein ה׳ק" גמילות הסדים den fast einstimmigen Beschluß, daß seine Mitglieder das Schmücken der Särge in der erwähnten Weise nicht ausführen dürfen. Ob dagegen die beiden geistlichen.Herren und die hohe Behörde remonstriren wird, muß die Zukunft lehren. Jedenfalls ist es klar, daß die Gemeinde-Angelegenheitew in der bisherigen Weise nach den geltenden Gesetzen gegen den Willen der Majorität geleitet werden. Unsere Herren Rabbiner und Vorsänger kümmern sich in souveräner Mißachtung nicht um den fast einstimmigeu Wunsch der Gemeinde, welche in Vetresj des Ersteren überhaupt auch darin einig ist, daß sie ihm recht bald eine andere Stelle gönnen möchte. Die; sämmtlichen Beisitzer de§ Kirchen׳Vorsteheramts haben ihre Entlassung gegeben, weil sie sich unter obwaltenden : Umständen eine ersprießliche Thätigkeit jür die Gemeiude nicht mehr versprechen können, da die bei der , israelitischen Ober-Kirchenbehörde Unterstützung finden- : den beiden Herren gegen den ausgesprochenen Gemeindewillen handeln und sich auch durch sonstige, hier nicht weiter zu erörternde Umstünde, höchst unbeliebt und fast unmöglich machen. Aber wir können in Württemberg nichts unternehmen, so lange die despotische Ver- : waltungsmaschine über uns steht und die Gemeinde als solche ohnmächtig ist. Hosfentlich ermannen sich i die Gemeinden recht bald und erwirken von der Kgl. : ׳Regierung eine Abänderung der jetzigen Gesetzgebung,? welche geradezu unerträglich ist. nun Stuttgart, 20. Mai. Das württember-! gische israel. Waisenhaus ״Wilhelmspflege" in Eß-; lingen wird voraussichtlich eine sehr nützliche Erj Weiterung ersahreu, indem in einer am 3. Mai d. I.

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