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Jeschurun · 1883-05-24 · Heft 21 (24.5.1883) · p. 331

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 21 (24.5.1883)
Article
Anklageschrift im Tisza-Eszlarer Prozeß
Date
1883-05-24
Page
331 (sequence 2)
Language
German
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331 ihren Verdacht gegen die Juden ansznsprcchcn; sie bat den Ltnhlrichtcr sogar, er möge den jüdischen Tempel untersuchen lassen. Der Stuhlrichtcr hielt die Anzeige für so unsinnig, daß er bloß die Kurrentiruug der Esther Solymosi auorduete. Als jedoch später in Folge einigerAeußernugen des füufjährigett Samuel Lehars, Lohnes des mehrfach erwähnten Teitipeldieners, der Verdacht der Wittwe Solymosi eine neue Nahrung erhielt, stichle Letztere am 4. Mai neuerdings den Stuhlrichtcr auf und berichtete diescin, daß itntnnehr auch schon einige Ortsbewohner den von ihr gehegten Verdacht thcilten. Der Stuhlrichtcr verfügte in Folge dessen die polizeilichen Recherchen, die am 6. Mai begannen. Der Gemeiudevorstaud verhörte an dicscnt Tage sechs Weiber. Dieselben erzählten,, sie hätten von dem fünfjährigen Samuel Scharf gehört, daß sein Vater und die am l. April zn einem Probegebet versammelten Schächter die Esther Lolymosi ermordet hätten. Auf Grund dieses Ergebnisses der Vornnlersnchung wurde die gerichtliche Untersuchung angeordnet, in deren Verlaufe durch die gravirendcn Aussagen des vierzehnjährigen Moriz Schars, welche durch die Aussagen der Frau Stephan Lengyel und Wittwc Johanna Fckcte bekrüfligtwtlrdcn, der Verdacht immer begründeter erschien, daß Salomon Schwarz, Abraham Bnxbaum , Leopold Braun und Hermann Wollncr die Esther Lolymosi in der Synagoge zn Eszlar des Lebens beraubten, daß Joseph Scharf, Adolph Junger, Abraham Braun, Samuel Lustig, Lazar Weiß sie in und Emannel Taub die That der früher Genannten bewußt unterstützten. Die Aussage des vierzehnjährigen Moriz Scharf, welche den Ansgaugs- und Mittelpunkt der ganzen Anklage bildet, wird in dem Aktenstücke folgendermaßen resumirt: Moriz Scharf erzählt tu stimmt und umständlich, daß er am 1. April KSS2 nach Beendigung des Gottesdienstes um l l Uhr Vormittags, nachdem sich die Gläubigen entfernt hatten, die Thür der Synagoge schließen wollte. Die Schächter Salomon Schwarz, Abraham Bnxbaum und Leopold Braun, sowie der jüdische Bettler Hermann'Wollncr, die vor dem Tempel flehen blieben, forderten ihn jedoch auf, die Thür offen zu lassen, da sic die ihnen noch obliegenden Gebete verrichten wollen. Moriz Scharf begab sich hierauf, ohne die Synagoge geschlossen zu haben, in die Wohnung seiner Eltern. Nach einiger Zeit schickte ihn sein Vater, der zum Fenster hinansgeschcn hatte, aus die Straße mit der Weisung, er möge das ungarische Mädchen (Elther Lolymosi), das von Ofaln herkomnte, herein״ rufen, damit sic die Leuchter vom Tische nehme. In Folge dieser Weisung ging Moriz Scharf der Esther Lolymosi entgegen, die eilenden Schrittes von Ofula kam, und rief dieselbe in die Wohnung. In Folge Aufforderung deS Joseph Scharf nahm Esther die Leuchter vom Tische, bestieg einen Sessel und stellte dieselben auf den Kasten. Inzwischen trat Hermann Wollner ins Zimmer, der mit Salomon Schwarz und dessen beiden Kollegen im Tempel geblieben war tmd vom Tempelhose aus gesehen halte, daß Esther in die Wohnung des Joseph Scharf getreten war. Wollner sagte zu den: Mädchen, sie möge mit ihm in die Synagoge kommen, um etwas ans derselben zu tragen, in Folge dessen Esther Lolymosi sich thatjächlich in den Tempel begab. Moriz Schars gicbt weiters an, daß er nach ungefähr einer Viertelstunde sich in den Hos begab uub ans dem Tempel dringendes Wehgeschrei, etwa drei bis vier Hülferufe, vernoumten habe. Er eilte zur Synagoge; da er die Thür derselben verschlossen sand, blickte er dttrch das Schlüsselloch und sah, daß Esther So lymosi bis ans das Hemd entkleidet ans dem Boden lag, Abraham Bnxbaum und Leopold Braun sie auf den Boden niederdrückten, während gerade in jenen: Augenblicke Salomon Schwarz den Hals des Mädchens mit einem Messer durchschllitt; er sah ferner, daß Braun, Bnxbaum und Wollner den Körper des Mädchens cmporhoben, während Salomon Schwarz nacheinander zwei rothc. Thongcsüße unterhielt, in welchctt das Blut des Mädchens aufgefangen wurde, und das Vlitt sodann in eilt großes Gefäß schüttete. Nachden: das geschehen, kleideten sic das Mädchen wieder an, )voraus Saunte! Lustig, Abraham Braun, Lazar Weißstein und Adolf Junger in den Vorhos der Synagoge kamen und den Leichnam umstanden. Moriz Schars begab sich in die Wohnung seiner Eltern und erzählte diesen, was er gesehen, worauf seine Mutter sagte, er möge schweige»:. Etwa ):ach einer Stunde kan: Hcrn:ann Wollncr in die Wohnung des Scharf und forderte den kleinen Moriz ans, er möge die Synagoge schließen. Moriz trat in den Vorhos, sah weder mehr den Leichnam -es Mädchens, noch auch irgend welche Blntspnren; er fand den Schlüssel ans den: Fenstcrbrette des Vor- Hofes, schloß die Synagoge und sah, daß Schwarz, Bnxbaum, Braun, Lustig, Weißstein 1:ab Junger sich heimwärts entfernten. Diese gravirendc Anssage des Moriz Schwarz — so heißt es weiter in den Motiven des AnklagcbeschlusscS — wird dttrch die Angaben der Wittwc Stephan Lengyel unterstützt, wonach sie am l. April nach 12 Uhr Mittags in ihren: Hause, das sich in der unmittelbaren Nachbarschaft der Synagoge befindet, aus dem Tempel dringende drei oder vier Hülferufe gehört habe. Ferner haben die Wittwc Johanna Fekete, Joseph Adamovics und Joseph Pap ansgesagt, daß sic zur angegebenen Stunde an dem Tempel vorbeigingen, in der Richtung der Synagoge

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