Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 21 (24.5.1883)
- Article
- Der "zählende" Semite
- Date
- 1883-05-24
- Page
- 321 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/2932754-2932996-2933017-2952887--12614-2952934- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
XVI. Jahrgang. tOniiiioücr bfit 5043. tyuiiuuücr, ucu 2 l mai 1H8:$״ ,A-Ö<Y A A <] < M 21. zur Förderung jüdischen Geistes und jüdischen Lebens in Hans, Gemeinde und Schule. ßeitriiwli1{ non Smilfoit Nüphnt! .1pil'lfl), Juif'f'iiif!81’3 .11 ׳'nffilififini cfiffiljionsßffrllTilinft jiifmiiHfurt n.iH. Nene Folge. - Erster Jahrgang. Heransgegeben unter Mitwirkllng deS Begründers und bewährter Genossen von AlmiC AirsH. Diese Wochenschrift erschein! jeden Donncrsie.g mindestens 2 Bogen stark. — MemnemciNöpeeis bei allen ofta 11 ft a Itcn nnd B11 d) 1} a 11 b 11111 r!e n 2 J(:. .'0׳ ..j für das Vierteljahr. Der Buchhandel verkehr! durch die -Helivingschc Perlagsbuchhand, lnng;u Hannover. — Die Expedition versendet auch direct nnd franko unter Ltreiiband.den Jahrgang für 1*2 J6 oder 7 Gulden österr. Währ, nach Deutschland und Oesterreich׳, für l l J6. oder 18 Fr. nach den Ländern des Weltpostvereins. — ׳?l n>eige n werden mit 25 F f. d. :;gespaltene Petitst'ile oder deren Nauin berechnet. — Gxpcditi on: Hannover, Theodorstr. 5. Der ,.;illjltii-t" ZcinNk. Der Himmel locht und alle Kreatur zieht es hinaus in's Freie. Darum werden die geneigten Veser mir sicherlich mildernde Umstände znbilligcn, wenn sie statt in die Werkstatt theologisch kritischer Gelehrsamkeitssabrikalion, deren Besprechung an dieser Stelle in den jüngsten Wochen einen Veden!!ich lronischen Charakter annehmen zu wollen drohte, in Gottes freie herrliche Natur hinaus geführt werden und der ״N׳it"artikel in des Wortes verwegenster ureigenster Bedeutung sie in Wald und Fllir über Berg und Thal entfuhrt. Cs war in der verflossenen Woche. Der herrliche Frühlingstag hatte Tausende, nnd uns unter diesen Tausenden, ans der Stadt nach allen Richtungen in die Berge gelockt. Wir hatten die prächtigen Berge erstiegen, halten in den entzückenden Fcrnsichteil geschwelgt, hatten wunderbar liebliche Thäler durchwandert; und als der sonnige Tag durch das Abenddunkel dämmernd allmälig in Nacht versunken war und die in dem köstlichen jungen Lanbgrün prangenden waldigen -Höhen von den anfsteigenden Abendnebcln immer dichter nmgehnllt wurden, befanden wir uns ans km Bahn Hofe der kleinen Ciscnbahnstation und harrten des Zuges, der uns nach Hause führen sollte. Aus dem Perron drängten sich viele -Hunderte, theils fröhlich scherzend und singend, theils laut plaudernd und theils noch lauter nnd in gar nicht immer kritisch gewählten Worten ihre Ungeduld äußernd. Denn schon waren zwei Cxtrazügc an uns vorüvergesanst, bis ans den letzten Platz besetzt, so daß Keiner der -Harrenden Aufnahme finden konnte. Ich war mit meinen Kindern ans dem Gedränge ge׳ treten, und wir hatten, wie wir glaubten, unbemerkt von der sehr animirten stammcs'׳, wenngleich nicht glaubensgcnöisischen Nachbarschaft, die über die Dualität des in der ״Krone" eingenommenen sehr substantiellen Soupers in die lebhafteste Disknsion vertieft war, die Mizwa der Sesira erfüllt. Wir hatten sodann davon gesprochen, in wie unendlich vielen Lagen und Stimmungen diese Mstwa schon geübt worden sei, von dem hansircndcn jüdischen Fanlilienoatcr mit der schweren Bürde ans dem Rücken nnd der noch schwereren Sorge im -Herzen, umgeben von berauschten Bauern und nüchternen gebildeten Städtern, nnd die Trunkenen verstanden ihn nicht und den Nüchternen blieb er und sein Judenthnm ein Nälhscl, von Beiden aber ward ihm dasselbe vollgcrülteltc Maß höhnender Geringschätzung und beleidigender übermüthiger Verachtung zu Theil. Und wir hatten an die Zeiten gedacht, in denen auf die Brust der ״zahlenden" Juden, von der Habgier ihrer OrtSgenossen bedroht, zentnerschwer die