Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 20 (17.5.1883)
- Article
- Über die Lage der Juden nach den im Königreich Württemberg in Geltung bestehenden Gesetzen
- Date
- 1883-05-17
- Page
- 315 (sequence 3)
- Language
- German
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erscheint als der Stellvertreter deS Rabbiners, welcher zunächst die Aufsicht über' ihn zn führen hat. In seiner Instruktion werden auch ihm alle die Dienstbefehle crtheilt, wie dem Rabbiner. Seine Dienstentlassung kann von der Ober- Kirchen-Behörde selbstständig verfügt werden. Daß er geborenes Mitglied des Kirchen - Vorsteher - Amts ist, haben wir bereits bemerkt. folgt.) Km׳csMldcl!zc1t imd Nnchrichtcii. Deutschland. -~a— Berlin, 14. Bcai. Der LandtagS-Abgeordnete und NechtSainvalt Herr Wolfs hat in einer unter dem Vorsitz des Herrn Hofprediger Stöcker tagenden Versammlung der christlich-sozialen Partei einen Bortrag über die seit Kurzem eiugeführten Justizgesetzt gehalten. In demselben bemängelte er nach der ״N. Pr. Z " die hohen Prozcßgebühren mit folgenden Worten: ״Jetzt werde in kleineren Prozessen das Objett fast regelmäßig ansgefressen: Erst kommt das Gericht. Die Rechts-Anwälte wollen natürlich auch leben und die Inden wissen ganz genau, warum sie die Rechte slndiren. Jur den Kläger und den Beklagten bleibt dann gewöhnlich nichts übrig." Die den Inden bei dieser Gelegenheit ״Eins anwischcnde" Ausführung erregte den lauten Beifall des frommen Auditoriums, von welchem cS aber Niemandem einsiel, den geistreichen Herrn Redner zn fragen, ans welchen idealen Gründen er denn die Rechte stndirt habe, und ob er denn von seiner Anwaltspraxis gar keinen Nutzen zn ziehen, sondern die Rechtsstreite seiner Klienten ohne jegliches Entgelt zu führen pflege? Es ist übrigens System in dem Verhalten unserer guten Freunde. Sie wissen jede Gelegenheit, ob passend oder unpassend,-zu benutzen, um als cmcckt-imm die Inden heranznziehcn. Da hat ein anderer Abgeordneter, Professor De. Adolf Wagner, zn Moabit, ebenfalls in Gesellschaft deS verehrten Herrn Stöcker, über die Arbeiterfrage am Montag voriger Woche gesprochen, wobei natürlich eben-, falls unser in Liebe und Wohlwollen gedacht wurde. Herr Stöcker überraschte die Welt den Inden zn Liebe mit der snnkelnagelncucn -Enthüllung, daß die Apostel der.Sozialdemokraten, Marx lind Lasjallc, ״beide Juden," sich bestrebt -haben, das speknlirende, meist^ in jüdischen Händen befindliche Kapital vor den Arbeitnehmern zn schützen." Wir Anderen, -weniger erleuchtet, waren bis jetzt der Meinung, daß diese beiden Männer die Interessen der Arbeitnehmer gegen die Arbeitgeber, der Arbeit gegen das Kapital vertreten haben. Muß aber doch wohl nicht sein — denn Herr Stöcker sagt das Gegenthcil und Stöcker ist ein ehrenwerther Mann! — Ein anderes Beispiel. Die nicht minder ehrenwerthen ״Grcnzboten" bringen in ihrer Ausgabe ׳Nr. 18 vom 2<>. v. M. den Schluß einer Abhandlung: /,Zur Beleuchtung der Gejängnißfrage" und stellen den gewiß von Niemanden anznzweifelnden Satz auf, daß ״das Leben deS Sträflings menschlich ausgcfnllt werden müsse" und zwar ״sei das die große Aufgabe der Zeit." ״Die dunkle Weisheit mosaischer Schöpfungsgeschichte" heißt es weiter, ״habe freilich unserer Kreatur als Fluch für den Sündenfall die Arbeit" als Strafe anserlegen lassen: doch möge ״solche arbeitsfeindlichc Vorstellung mit den Lebensgewohnheiten des anserwählten Volkes znsammenhängen." Run weiß das ״auSerwähltc Volk" freilich gar nichts von dieser die Arbeit zur Strafe stempelnden ״Gerechtigkeit Gottes." Wohl aber weiß eS, daß Gott den Menschen vor dem ״Snudenfall" die erhabene Aufgabe zuenheil! hat, die Erde ״zu bc arbeiten und zu behüten," und Arbeit und Fleiß findet ״das anserwählte Volk" in seinem heiligen Schriftthum als die höchsten Güter und Tugenden gepriesen. Schadet aber nichts, muß doch wohl nicht sein, denn die ״Grenzboten" sagen es, und die ״Grenzbolen" sind sehr ehrenwerthe Boten und Verkünder einer vornrtheilsfreien Wahrheitsliebe! Die Jnslizorganisalion, die Arbeiterfrage, die Reform der Gcfängnißsrage -- alle Wege führen nach Rom — und jedes Thema zu der geliebten ״Judenfragc." Weß das Herz voll ist, deß läuft der Mund über! — Dem Herrn von Bk a l tza h n (ל) n l tz oש ist leider der Mund durch die Erholung, welche sich der Reichstag jetzt gönnt, vor der Hand noch verschlossen worden. Sein bekannter Antrag wegen Abnahme des gerichtlichen Eides hat nicht mehr zur Berathung gelangen können. Ob der Reichstag solchen noch in diesem Jahre zur Verhandlung bringen wird, dürste fraglich erscheinen. Es harren nach den Ferien des 'Reichstags mancherlei Geschäfte; ob der Maltzahnfche Antrag so wichtig ist, um ihn sofort auf die Tagesordnung zu setzen, möchte zweifelhaft sein. -w- OTü*nd)011, 11. Mai. Der von der Kultus- Administration der Bankommission überreichte Plan einer neuen Synagoge, welche an der Marburg׳- und Kapellenstraße erbaut werden soll, tvird zunächst .den! Magistrate zur Acußernng;!׳.gehen Der Bau kann, aber sofort begonnen׳, werden, weil die Gemeinde jeder Acnderungsich zu fügen von vornherein erklärt hat. Vor Jahren hat die Kultus-Administration mittelst Zirknlarbestimmnng eine Aeußcrnng sämnttlichee Gemeindeinitgliedcr darüber veranlaßt, ob sie einem ״reforinirten Kultus" znslinuncu, oder bei den! hergebrachten verbleiben wollen. Diese Kundgebung sollte