Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 20 (17.5.1883)
- Article
- Salomonische Spruchweisheit
- Date
- 1883-05-17
- Page
- 310 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2932754-2932996-2933016-2952827--12579-2952864- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Minsk 1× ep/1000754
OCR text
310 gelebt. Er zählt Tage, nicht Jahre. (Siche Ps. 90,12.) fccr Gesetzlose sieht aber den Werth feine# Gebens mir in äußeren Errungenschaften. Alle änßeren Errungenschäften reisen aber nur nnter dem Strahl der irdischen Sonne und bedürfen Jahre zu ihrer Entwickelung. Die Tage de# Gesetzlosen sind daher bedeutungslos, und nur 3ahre vermag er zu zählen: aber auch alle seine Jahre reichen nicht hin, ihm die Erfüllung seiner immer weiter greifenden Wünsche zu bringen, und von dieser äußeren Errungenschaft gilt daS Wort der Weifen: Ed stirbt Keiner und hat die Hälfte seiner Wünsche erreicht. Stirbt ein gcsctzloscrMcnsch, so geht seine Hoffnung zu Ende, Und die auf änßeren Kräfte-Zmvachs gerichtete Erwartung war eine verlorene. (K. n> 7•j Scn.'lsl-vnug folgt.! MkiliiiiWgt ilaillrlliing der pifdjrn . in Ailillliid. VI!. lieber den Handel der Inden. <, 7t0Ltfct>r.111ן. ) -Herr Asauasiew ZuSbinski in seiner Schrift ״-)reife im südlichen Rußland" (Thl. ll. S. 82.) sagt: Das beste Mittel, zum Wohl des Reichs und gleichzeitig die Juden zu nützlichen Männern zu machen, ist, daß ihnen die Erlaulmiß gegeben werde, überall im weiten Gebiete Rußlands zu wohnen. Die Juden sind geeignet, Konkurrenz hervorzurufen, wohin sie kommen werden sofort die Preise billiger, denn sie haben das Prinzip adopurt: ״geringer Nutzen bei vielem Umsatz bringt mehr Bortheit als geringer Umsatz mit großem Nutzen." Die russischen Kaufleute aber wollen keinen großen Umsatz, sondern halten nur ans guten ׳Nutzen und großen Bortheil, darum kann auch ihr Geschäft nicht so emporkommen, wie das der Juden. Auch der Mangel an Geld und die Unzuverlässigkeit; die in den (Geschäften des innern Rußlands herrscht, lassen die .Kaufleute nicht empor kommen. Ein ansehnlicher Theil der Mauufakturwaaren, die aus den russischen Fabriken auf die Märkte kommen, erhält keinen hohen Preis wegen der geringen Dualität der Waare, ihres - Mangelhasten Ansehens und auch wegen des Geldmangels. Gras SiewcrS, der ein hochgestellter Beamter in Ehoskow war, spricht sich also aus: Zwei Dinge sind im Reiche nicht in gehöriger Ordnung-: in den den Juden zum Wohnsitz verbotenen und verschlossenen Gegenden ist - ein fühlbarer Mangel' an Kauf- und -Handelsleuten; darum herrscht dort die geschlossene Bcrbinduug, den Preis der Waaren unmäßig in die -Höhe zu bringen, und in den den Inden erlaubten Gebieten ist ein den Bedarf weit übersteigender Vorrath an Arbeitskräften, die dem. socialen Verkehr zur Last fallen und mitunter dem richtigen Geschäftsgänge auch eine übergroße Konkurrenz zum Nachthcil gewähren. Die offiziellen Berichterstatter über die Verhältnisse des (Gouvernements Minsk sagen, daß in den westlichen Gebieten der russischen Gouvernements, wo >auch Inden zu wohnen gestattet ist, der Getreide- Käufer viele sind, und die Landarbeiter sehr hohe Preise für die Frucht ihrer Aecker erhalten. Hingegen in vielen Gegenden des russischen Reichs, wo keine Inden wohnen, sind die Frachtpreise sehr niedrig. Dabei ist eS zu bewundern, daß, wenn von Zeit zu Zeit -Heerestruppen durchziehen, cS umgekehrt ist. In den westlichen Gegenden steigen die VerpslegungSkosten nicht hoch, in' anderen Gegenden aber, wo keine Juden wohnen, erreichen die BerpflegungStosten eine sehr große Höhe. Waren es doch bekanntermaßen ohnehin die Inden, die im Mittelalter die Kreditverhültnisje in die VerkehrSwege der europäischen Staaten grundlegend einführten und viel zur Entwickelung des Handels beitrugen. ' In den westlichen Gouvernements haben die Inden auch viel durch ihre Darlehen zu der Entwickelung des Bodens bcigetragen. Der russische Autor SnrowSki stellt eine Berechnung von dem Kiewer Markt auf, daß die Bankiers von Kiew )1,900,000 Rubel geschafft haben, und in seiner Schrift Afisanic kicweskoi! guberni sagt er, daß die großen Fortschritte in der Entwickelung deS AuckcrhandelS in diesem Gouverncment dem Kredit und dem Fleiße der Juden zu Dank verpflichtet sind. Baron Axthansen, der in dem weiten Gebiete deS russischen Reiches gereist ist (issledowonie wnutrcui polozcuie russia U, S. 2:12) sagt: Im Allgemeinen kennt daS russische Volk gar nicht die Tüchtigkeit der Juden und hält sie für kleine Kausleute und Händler. Sehr leid ist cS uns, daß wir nicht die Juden in allen ihren Wohuplätzen zu Bankiers Herstellen können, die die Näder deS Handels in Bewegung setzen und sich und dem Allgemeinen Nutzen schassen. Im Jahre 1829 erging der Befehl, die Inden anS den. Städten Sewastopol und Nikolajew zu vertreiben. Dieser Befehl blieb aber nicht lange in Kraft, weildie Verwaltungsbehörden und die übrigen BevölkerungSklassen dieser Städte sich um Zurücknahme dieser Gesetze bemühten und pctitionirten, die Juden in ihren Wohnsitzen zu lassen wegen des Nutzens, den sie allen Einwohnern in Handel, Industrie und. feglicher Werklhätigkeit brächten. Im Jahre 1827 bemühten sich die Kanstcnte der Stadt Kiew, die Juden von dort zu vertreiben