Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 20 (17.5.1883)
- Article
- Die soziale Frage
- Date
- 1883-05-17
- Page
- 305 (sequence 1)
- Language
- German
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M 20, XVI. Jahrgang. Hau>w>m, de» {״• $** 1i[otl|0u$tljrifl zur Förderung jüdischen Geistes und jüdischen Lebens . in Hans, Gemeinde ititb Schule. ßcgrüiiili’t 0011 ©milfou 91flpl)11cl Hilsch, diiiEßinrr 11. Isrnrfitiiifirn ,0ffi(]ionsflf[c[IT11mff jnfffiiiüfucl (t.ill. diene Folge. Erster Jahrgang. HcrauSgcgebcn unter Mitwirkung des Begründers und bewährter Genossen von Asnnc F>irsH. Diese 29ochenschrift erscheint jeden Donnerstiiq inindestenS 2 Bo^en stark. — Abonnernentdpreis bei allen Postanstalten nnd Buchhandlungen 2 JO ">0 5.״ für dao Vierteljahr. Der Buchhandel verkehrt durch die Hclivin g'sche Berlag-buchhandluug;u Hannover. — Die Expedition versendet auch dircet und franko unter Llreisband delt Jahr-gang für 12 JO oder 7 Gulden österr. Währ, nach Deutschland und Deslerreich׳. für l i JO oder 1s Fr. nach den 1'ändern dco Weltpostvereins. — 21115 eigen werden mit 2'>.,J s. d. :;gespaltene Petil;eile oder deren Nanin berechnet. — Expedition: Hannover, Theodorstr. 5. Die stchlle Fragt. Das Mißverhültniß zwischen Besitz und Besitz׳- losigkcit, Kapital und Arbeit, der Uebermacht des Begüterten und der Abhängigkeit des Armen ist der Bater der ״sozialen Frage," welche, alt und ilnmer neu, auch in der Gegenwart eine ״brennende". ist und das Ferment bildet, dem die bald ansbald niederwogcnden Evolutionen des mcnschcngcsellschaftlichen Lcrcius;uzuschreiben sind. . Wohl giebt es Zeiten, in welchen durch die momentan obwaltende Hitze oder Kälte die Wirksamkeit dieses'Ferments suspcndirt erscheint; es bedarf aber nur eines geringen Temperaturwechsels, so erhebt sich von Neuem wiederum das allmächtige Walten des.Gührungsprozcsscs. Vergebens war bisjctzt das Bemühen, denselben zu unterdrücken; so lange cs nicht gelingt, daS Hinzutreten der Lust gänzlich zu verhindern, — und das kann nimmer gelingen, weil damit die Bedingung für die Existenz eines lebendigen Organismus überhaupt geschwunden sein würde, — so lange wird auf künstlichem Wege dieses Ferment llicht zu bewältigcn sein. Vergeblich sind die Anstrengungen der Adepten unserer Zeit, von Adam Smith an bis auf Adolf Wagner herab, die Formel, zu finden, um die soziale Frage zu lösen, und die Versuche, durch mechanische Mittel dieselbe ans der Welt zu schaffen, haben sich i alle als unzulänglich erwiesen. Immer gewaltiger; treiben die Blasen, immer mächtiger entwickeln sich die! Gase, und der Boden hebt nnd senkt sich, auf welchem : das stolze Gebäude der modernen Staaten ruht,! und in jedem Augenblicke droht eine Eruption ans der j innersten Tiefe heraus den ganzen Organismus aus-- : cinandcrzusprcngcn, um auf den Trümmern des gegen-! wärtigen einen neuen unbekannten Ban erstehen zu lassen.! Die Lenker und Führer der Staaten schauen deshalb! in banger Sorge der Zukunft entgegen nnd sinnen! immer auf neue, wirksamere Mittel, aber sie vermögen-! nicht, das Arkanum ausfindig zu machen, welches der! Gesellschaft die Ruhe endlich dauernd verbürgt. — | Sollte eS in der That keine Antwort auf diese ' Frage geben? Sollte cs in der That unmöglich sein, den inneren Frieden herzustcllen zwischen den Mitgliedern der Gesellschaft? Sollte der Menschenvcrein zu einem ewigen Kainpfc. vcrurtheil.t sein? Sollte cS wirklich eine Wahnvorstellung sein, daß der Menschheit noch eine Zukunft harre, in welcher aller Hader und Zwist geschwunden, alle Gegensätze ihre befriedigende AuSgleichung gefunden, alle Dissonanzen sich in Harmonie aufgelöst haben werden, nnd Jeglicher friedlich und ruhig ״bei seinem Weinstocke und im Schütten seines