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Jeschurun · 1883-05-10 · Heft 19 (10.5.1883) · p. 300

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 19 (10.5.1883)
Article
Deutschland : Frankfurt a. M. [Nachricht]
Date
1883-05-10
Page
300 (sequence 3)
Language
German
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300 erschließen, von dem Gräschen im Halme und der Blume am Rain bis zur Blüthc am Frucht verheißenden Baumes der erst spät das Ziel der Vollendung winkt, aus ihrem ganzen Lebenswege nichts Anderes im Auge, ן als die Erreichung dieses Zieles. In dieses Strcbens 1 Dienste steht Alles was sie besitzen, vollbringen und in sich ansnchmcn. Die Lust, die sie athmcn, der Thancstropsen und der sonnige Lichtstrahl, den sie trinken am Tage, das gcheimnißvollc Leben, das sich in ihnen vollzieht in den mondbeglänzten Nächten — Alles fördert ihre Vollendung. Und alle Sturme, die sie schütteln, alle Wetter, die sie umtosen, vermögen sic nicht zu entwurzeln, vielmehr nur um so fester wurzeln sie in ihren Boden. So wollet auch Ihr bcwahren, was Ihr in euch ausgenommen und cs hegen und hoch und heilig und theucr halten als einen Schatz von Saaten des Lichtes und des Levens, und wollet nicht ruhen und rasten, sondern wollet streben, auf daß Ihr diese Saaten zur Fruchtreife bringet. Dann: החודש הזה לכם, dann wird ewige Erneuung, ewige Vcrjüngung euer Loos. Mag die Zukunft euch Sonnenhelle oder Nebeldüster, Morgenfrische oder Gewitterschwüle bringen, mag Morgenroth oder Wetterwolke oder nächtiges Dunkel am Horizonte eures Geschickes aufsteigen: in Allem, was das Leben euch bietet, erblicket Ihr die Aufgabe, euch als jüdische Söhne und jüdische Töchter, als jüdische Männer und jüdische Frauen zu bewähren, erblickt in allem nur den von eurem Gotte ergehenden Ausruf zur Lösung eurer ewigen jüdischen Aufgabe. So wird euch jedes נסיון, jede Prüfung zur Erhebung und zum Fortschritt und mit jedem unter Gottes Auge verlebten Tage verkünden es euch der Friede in eurer Brust und die Freude in eurem Herzen, daß die Verheißung eine Wahrheit war, die an der Schwelle eures Schnllebens euch grüßte und mit innigem Segenswunsch euch hiuausgeleiten wollte über die Schwelle, ulid daß diese Verheißung: החודש היה לכם sich voll und ganz an euch bewähret. — — So zieht hinaus denn — euer Ausgang sei gesegnet!. Dann wird in Wahrheit euer Ausgang Eingang sein, In's Reich der Pflichtthat, treuen, reinen Strebcns, Iu's Reich des Lichts, der Wahrheit und des Lebens — Zn ew'gem Glücke euch, und uns zu cw'ger Freude! — —a — Berlin, 6. Mai. Wenn man aus den Berichten der Presse und ans ,den Reden in Versammlungen, deren Zahl fast in's Unendliche reicht, ein Bild von den Verhältnissen der Gegenwart sich zu konstrtiiren versuchte, zu ivelchen ungeheuerlichen Vorstellungen würde man gelangen. Der kleine Bruchtheil des kleinen jüdischen Stammes, welcher zwischen Rhein und^Wcichscl, der Nordsee und den Alpen haust, habe sich die gesammten übrigen mächtigen vierzig Millionen Einwohner dieses Landstrichs unterworfen und schwinge in unbarmherziger Herrschlust den Szepter! Ein späterer Geschichtsforscher würde vor einem unk öSbaren Rüthscl sich besindcn, wie das gewaltige Deutsche Reich sich in so kurzer Zeit habe unterjochen lassen, ohne daß eine Spur von den doch ohne Zweifel voransgegangenen laugen und blutigen Kämpfen auf die Nachwelt gekommen. — In früheren Zeiten begnügte man sich noch bescheiden, die Juden nur für ausbrechende Seuchen verantwortlich zu machen und sie unter der Anschuldigung, die Brunnen vergiftet zu haben, ein wenig abzujchlachtcn; — jetzt aber giebt es gar kein wirkliches oder vermeintliches Nebel im Deutschen Reiche, welches nicht die bösen Juden angestiftet haben sollen. Die wirthschastlichen Krisen sind das Werk der Juden; der innere politische Hader ist von den Juden heraufbeschworen; die ״widcrchristliche" Literatur von christlichen Eltern erzeugter Schriftsteller ist von Juden geschaffen. Das Neueste aber auf diesem Gebiete einer die Thatsachen verdrehenden und bic- Wahrheit umkchrenden Journalistik ist die Entdcckung, daß ״der Kulturkampf zwischen evangelischen uitb katholischen Deutschen niemals den gehässigen Karakler angenommen Hütte, wenn die jüdische Presse den Streit nicht jo maßlos vergiftet hätte," wie in der Kreuzzeitnng am 29. v. M. zu lesen. So viel wir uns zu entsinnen vermögen, haben seinerzeit, sätnmtliche jüdische Mitglieder des gesetzgebenden Kör< pers gegen das Iesuitengesetz gestimmt, hat z. B. die ״Frankfurter Zeitung", nach der Terminologie der Kreuzzcitung doch ganz bestimmt zu der ״jüdischen Presse" zählend, fortwährend gegen den Kulturtamvs ihre Slinime erhoben; und auch noch in diesen Tagen war cs ein ״jüdischer Prcßjünger", wie diese Zeitung äußerst geschmackvoll ihre Kollegen von einer andern politischen Richtung titulirt, der Abgeordnete Stern, welcher für die Beseitigung der Kultnrkampfgesetze auf der Tribüne des Parlaments auftrat. Aber das hilft nun einmal nichts, die Juden, die bösen Juden jragcn doch an allem Unliebsamen die Schuld! Alles Schlechte, alles Mißliche, alles Verächtliche wird mit dem Namen ״Jude" belegt, und mau jucht systematisch in dem Volke dergestalt die Anschauung zu verbreiten, daß Jude und Spitzbube Begriffe seien, die sich vollkommen decken. Wahrlich, es ist nicht Schuld dieser Herren der Feder und der Rede, wenn das Volk nicht über die Inden hcrfüllt und die Greuel von Balla sich aus deutschem Boden wiederholen. Es wird ein frivoles Spiel׳ mit den heiligsten Interessen des Vaterlandes getrieben, mit dem Frieden zwischen den Bürgern, mit der Gesittung des Volks, mit der Wahrheit, mit dem Rechte. □ &ar!*rnl;c, 6. Mai. Der Rabbiner der ׳ hiesigen orthodoxen Gemeinde, Herr De Goietcin, ist zu Posen, im Hause seiner Schwiegereltern, bei denen

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