Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 19 (10.5.1883)
- Article
- Deutschland : Frankfurt a. M. [Nachricht]
- Date
- 1883-05-10
- Page
- 299 (sequence 2)
- Language
- German
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- Isaiah 1× ep/1005097
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299 nennen, orthodox-jüdische, ja ultraorlhodor-jüdische Schule, und diese Mädchen, die da soeben Szenen aus Racine vorgetrageu, haben heute Morgen Jesaja uud Amos, ja selbst chaldäische Kapitel aus Daniel fließend übersetzt, und die Mehrzahl der Knaben lernt sogar — Talmud, und die kleinen Mädchen und Knaben alle lernen die Bibel im hebräischen Urtext und ihnen Allen, Allen stehen nach Lehre und Erziehung sämmtliche biblischen und rabbinischen Gesetze als unverbrüchlich heilige, unter allen Umständen treu und gewissenhaft zu beachtende Lebensnormen da — würde diese Antwort nicht ungläubigem Kopfschütteln begegnen, würde er nicht glauben, falsch gehört zu haben? Gesetzestreues Judenthum und lebensfrohe Jugeitolust? Orthodoxe Pflichtstrenge und heiterer Frohsinn? Talmudjudenthum und jugendliche Lebensfrische? — Uns aber, meine Brüder und Schwestern, — denn int Anblick unserer Kinder sind wir Alle nur Eine Familie — uns legt diese Stunde das Wort in den Mund: nicht obgleich, sondern toeil wir danach streben, ganze, volle Juden zu sein und unsere Kinder zu ganzen, vollen Jtideu zu erziehen, darum und nur darum wird uns das Glück einer solchen Sttiude zu Theil. Ist denn diese Prüfungs- Woche, die Tage unserer Frühlingsausstellung, die mit dieser Stunde ihren Abschluß findet, ist sie denn etwas anderes als die beglückende Bestätigung des GotteS- Wortes, das als Vorbereitung zu unserem großen National- Geburtsfeste uns aut jüngsten Sabbath grüßte und welches das Losungswort dieser Woche, bildet, des Gottes- Wortes und der Gottesverheißnng: החודש הזה — לבם, diese Erneuung werde euer Theil, ewige Erneuung, ewige Verjüngung wird euer Loos, so ,ההודש הזה לבם דוגמא שלכם, so diese Erneuung am Himmel, die stete Ernemmg der MoudeSbestrahlung mit dem Lichte der Sonne euch zum Vorbild, zur ewigen Mahnung wird, mondgleich euch eurer Lebenssonne zuzuwendeu, mondgleich von eurer Lebenssonne euch bestrahlen zu.lassen. Und was vor Jahrtausenden unser Gott uns hat verheißen, au unfern Kindern hat es herrlich sich bewährt. Denn wie die Pflanze den Sonüensträhl trinkt und den Regentropfen und die Thauesperlen, so schöpft der jüdische Mensch den Trunk des Lebensans dem Gottesworte, dem Urquell alles Lebens. Und weil zu diesem Quell wir unsere Kinder führen, ane diesem Lebcnsg'.iell sie ihres Lebens Trunk zu schöpfen lehren, und mit der Kraft zum Leben und mit der Kraft der Unsterblichkeit ihnen auch das Bewußtsein dieser Lebenskraft, das Bewußtsein geben, Sprossen des unsterblichen Volkes zu sein:" dadurch und nur dadttrch machen wir sie fähig, das Vermächtttiß ewiger Verjüngung, ewig sich erneuenden Menschenfrühlings anzutreten, .jenes große, heilige jüdische Bermächtniß, das ein nimmer sich lösendes Baud schling - um alle Glieder des Einen großen Jakobshauses, und sie Alle, Alle, auch die bereits Heimgegangenen, mit den noch in treuer Lebensarbeit Begrjsseuen, mögen diese nun wie unsere Kinder hier in ihres Lebens Lenze sich befittden, oder ihres Lebens Sommerhöhe bereits erreicht haben, oder ihrer Lebensarbeit Vollendung schon sich nähern, zu Einem großen Fau.tilienhause vereinigt, in dem es keine Trennung giebt und keinen Tod, in dem sie Alle vereinigt sind uud bleiben in inniger Gemeinsamkeit des Lebens. Doch was erreicht ist in des verflossenen Jahres Arbeit, es soll nur Sporn und Antrieb sein zu frischem rüstigem Vorwärtsstrebcu. Denn nach dem tiefen Sinne der in Wahrheit heiligen hebräischen Sprache ist eine jede Prüfung eine Hebung auf eine höhere Stufe, ein Moment des Fort׳ schrittes. Denn נסה, Prüfen, ist auf's innigste verwandt mit נשא, heben, und נסע, aufbrecheu, weiterziehen. Eine jede Prüfung stellt an den Menschen die Aufgabe, die bisher gewonnenen Kräfte unter erschwerenden Utnständeu zu erproben. Damit erhebt sie ihn sofort auf eine höhere Stufe des Könnens und Vollbringeus, und durch die au ihn gerichtete Forderung energischen Zusammenfassens der Kraft und die durch glückliche Lösung gewonnene Erhöhung seines Selbstvertrauens und durch das Frohgefühl des bisher Erreichten uud die Erkenntniß seiner gesteigerten Leistungsfähigkeit, wird diese Erhebung unmittelbar;tun mächtigen Ansporn muthigen, begehrenden Weiterstrebens. In wie hohem Maße diese allgemeine Wahrheit auch von den össetttliehen Schttlprüsuugen und von den denselben vorangehenden, noch in ganz anderer 2Bcifc jeden einzelnen Schüler eingehend in's Auge fassenden, int inneren Schulleben sich vollziehenden Klasseuprüfungeu gilt, das brauche ich wohl meinen jungen Freunden und Freuttdinnen nicht näher darzulegen. — — Wenn so uns Alle, die wir im Schulleben verbleiben, das Bewußtsein des Erreichten wohl zu dankerfülltem Rückblick, mit Nichten aber zu müssigem Ansruhen, vielmehr zu rüstigem Weiterarbeiten ladet, so gilt das in noch höherem Grade von' etich, die ihr nach vollendetem Schulpensum nun in ׳die Schule des Lebens hinaustretet. Alles was Ihr bisher erreicht habt, und Ihr seid ja gottlob nicht vergebens in der Schule gewesen, Ihr nehmt etwas mit hinaus in's Leben, Ihr habt einen schönen Grund gelegt und eilten erfreulichen Anfang gemacht, הנצנים נראו בארץ, die Blütheukeime eures bisherigen Strebens haben sich zu eurer und unserer . Freude in die Sichtbarkeit hinausgelebt. Wollet aber tticht bereits für Frucht halten, was nur erst Dlüthenkeim ist.. Schauet-euch nm in der großen Frühlittgsbereitschaft, die uns draußen .umgicbt. Da haben alle die jungen Pflanzenwesen, die nur auf den ersten warmen Sonnenstrahl warten, um sich fröhlich, zu entfalten und ihr Inneres zu