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Jeschurun · 1883-05-10 · Heft 19 (10.5.1883) · p. 298

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 19 (10.5.1883)
Article
Über die Lage der Juden nach den im Königreich Württemberg in Geltung bestehenden Gesetzen
Date
1883-05-10
Page
298 (sequence 2)
Language
German
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298 da sic bcrartigc unerhörte Bestimmungen;um Besten bcrfclbcu für uothwendig erachtete, und man muß noch immer die würltembergischen Israeliten im Allgemeinen für eine sehr niedrig stehende, unentwickelte Menschentlasse halten, das; man diese die MauneSwürde so schtver verlebende Organisation bislang nicht abündern mochte. ׳Man würde sich aber täuschen, wenn man glauben wollte, diesem israelitischen Kirchenvorstande wäre ein recht unabhängiger und nmsangreicher Wirkungskreis übertragen worden. Für einen solchen ist in dem von Oben herab mit absolutem Despotismus regierten Organismus kein Raum. Da giebt cs nur einen allmächtigen Willen des Inhabers der Gewalt und gehör sam ansführende Untergebene, welche den unter ihnen Stehenden zwar als Herren vorgesetzt, aber selber gegen ihre Oberen ohnmächtig sind. Das Kirchenvorsleheranrt hat lediglich die Befehle der israelitischen Ober Kircheu-Behörde zu vottstrecken, steht unmittelbar unter dem Bezirksamte und in höherer Instanz der eben erwähnten Kirchenbehörde, der die ״gutachtlichen Anträge beziehungsweise die Beschlüsse dcS BorsteheramtS zur Entscheidung vorznlegen sind." Es ist ihm auf'S Strengste untersagt, mit der allgewaltigen Ober-Kirchen- Behörde direkt zn verkehren; eö hat seine Eingaben n. s. w. ait dieselbe stets bem Königlichen Oberamtc zum Beibcrichte, oder falls solche rein religiöser üiatnr sind, dem zuständigen Nabdinate ebenfalls ״znm Beibericht" zu übergeben; Anwiderhandlnugen werden nnnachsichtlich mit .Ordnungsstrafen geahndet. Demgentäs; steh! dem Kirchenvorsteheramt nur die Annahme lind Entlassung des SyuagogendienerS als einzige selbstständige Verwaltnngshaudlnng zn; — in allen übrigen Angelegenheiten kann es mir Vorschläge, Anträge u. s. w. den! Bezirksamte oder durch dasselbe der Ober Kircheu-Behörde gehorsamst unterbreiten. Bei einer derartigen niedrigctl Stellung glauben wir, das; es in der Thal nur der strengen Bestimmung: ״der Geivählte ist verpflichtet, die auf ihn gefallene Wahl aiiznuchmcii", zn bauten ist, wenn bisjetzt noch immer das Kirchenvorsteheraml mit Beisitzern kompletirt werden konnte. Wir sind nämlich der Ansicht, daß sich sonst schwerlich Männer von Selbstgefühl hätten bereit sindeil lassen, neben den beiden geborenen Borsitzenden, dem und dem Vorsänger, in eine Stellmtg ei׳.:- z׳. treten, welche als ein Ehrenamt kaum betrachtet werden kann, mit welcher vielntehr die Preisgebung ciner jeden selbslstäitdigen Thätigkeit als oberste Bedingung gefordert tvird. -Die würitembergischen israelitischen Gemeindevorsteher siltd völlig willettlose . Werkzeuge in der Hand der Ober-Kirchcn-Behörde. (Fortsetzung folgt.) Korrespoildcitzcil!nid Narhriclitctt. Deutschland. Frankfurt a. Nt., 1. Mai 1883. Im Anschluß an meinen jüngsten Bericht habe ich noch nachzutragen, daß die Realschule der Israelitischen NeligionSgescllschaft im verflossenen Schuljahre von 281 Schülern und 201 Schülerinnen besucht war. Von den erstcren waren 230 aus dem Schnlorte, 25 Auswärtige und 26 Ausländer. Der diesjährige Etat balaneirte mit rund 90 400-«׳. Davon wurden 51 791 oiL durch Schulgelder, 12 706 ./*. durch Beiträge der Mitglieder der Nekigionsgesellschaft und der Nest theils durch Erträgnisse von Stiftungen, theils durch einen Betriebszuschnß aus der KultuSkassc von 12000 JL gedeckt. -Den in der Einladungsschrift zu den Prüfungen enthalteneri Schnlnachrichtcn entnehmen wir noch, daß von den Hinterbliebenen des verstorbenen Herrn Aron Oppen- Heini zu dessen ehrendem Gedächtnisse zwei Freiplätzc durch Zuwendung von je 2600 M. gestiftet wurden. Ferner, daß im Aufträge des Herrn Ministers der Unterrichtsdirigent der königlichen Tnrnlehrcr-Bildungsanstatt zu Berlin, Herr Prosessor Du Euler am 7. Oktober v. 3 die Anstalt, besuchte, um von dem Stande und - dem Betriebe des Tnrnnnterrichts an derselben Einsicht zu nehmen und sich über die vorzüglichen Turneinrichtnngen, sowie über die Haltung und Leistungen der Schüler sehr befriedigt aussprach. Nach gänzlich absolvirter Schule verließen dieselbe sechs Primaner mit dem Berechtigungsschein für den einjährig-freiwilligen Militärdienst und zehn Schülerinnen der ersten Klasse, von denen 8 noch in die Selceta eintreten. AnS der Schlußrede des Direktors glauben wir folgende Stellen herausheben zu sollen. Derselbe begann unter dem Eindrücke der in meinem vorigen Briefe geschilderten Schlnßprüfung. Wenn ein gänzlich Fremder, ein mit dem Karakter dieser Schule völlig Unbekanuter, zufällig in diesen Festsaal gerathen wäre und die letzten zwei Stunden mit unS verlebt hätte; wenn er sie da vor sich sähe, diese jugendlichen, von Gesundheit und ÄbenSlust und Lebensfrische strahlenden Gesichter und Gesichtchen; wenn er diese Vorträge mit angehört hätte, von den naiven, den köstlichen unbewußten Humor der glücklichen Kindheit athmenden Kleinen bis zn den den Stoff beherrschenden und die Darstellung -bereits bewnßtvoll trefflich gestaltenden Größeren und Großen; wenn er biefe mit ernsten und getragenen Gesangs.vorträgen! abwechselnden munteren/, heiteren Liederweiscn mit an- , gehört hätte — und man ihm dann auf seine Frage, in welcher Schule er sich denn befinde, antwortete:! das sie eine jüdische, eine, wie unsere Gegner uns

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