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Jeschurun · 1883-05-10 · Heft 19 (10.5.1883) · p. 295

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 19 (10.5.1883)
Article
Judenthum und Deutschthum
Date
1883-05-10
Page
295 (sequence 3)
Language
German
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295 vorstellen fami; seine ritterlichen -Heldcnthatcn fnr Juden und Jndcnthunt, in seiner Eigenschaft als Jude, seine Fürsprache zu Gunsten seiner leidenden Glanbensbrüder, den Gewaltigen der. Erde gegenüber, erzählt die jüdische Geschichte mit Ehrfurcht, und nennt ihn den zweiten MoseS. Kann man Franzose und Jude, Engländer und Jude zugleich sein, warum sollten nicht auch ״Deutsch» thnm und Judenthum" in einer Person sich vereinigen können? Ich verschweige alle die hervorragenden deutschen Juden der Vergangenheit und Gegenwart, und nenne nur den gefeierten Namen Gabncl Nicßcr, der durch Wort und Schrift für die Emanzipation der Juden auf der einen, für Deutschlands Einigkeit auf der andern Seite Ruhmreiches gewirkt. (Fortsetzung folgt.) Aus der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts. (Nach einer wahren Begebenheit) Friedrich Mott. I. (Alle :liebte Vorbehalten. (Fortsetzung.) ״O, bei unS giebtS viele, die so sind," entgcguetc sie lächelnd. ״eS kommt nur so bald keine dazu, daß sie's zeigen kann. Aber der Toni schüttelte zweifelnd den Kopf und was er vor sich hinmnrmeltc, konnte Keiner verstehen. "״ '־־Wo ist denn die Bozena?' fragte plötzlich die Blinde,'״die.sich erst jetzt erinnerte, daß dieselbe vorhin bei ihnen gewesen. ״Wen kümmert'S, wo die ist?" erwiderte unwirsch der Toni. ״Aber Du hast'S ihr zugcsagt, daß Du sie zum Tanz führen willst." ״Da drauf kann sie warten-" sagte Toni.mit verdrießlichem Lachen, ״hat sie vorhin Euch nicht in'S Haus führen gewollt, führ ich sie heut nicht zum Tanz." ״Aber Du hast ihr'S Wort gegeben —" ״Sapperlot! so einem boShaftigcn Weibsbild braucht einer 'S Wort nimmer;'halten." Mirjam hätte ihn gern gebeten, das seiner Braut gegebene Versprechen zu halten, denn sie fühlte instinktiv, daß die junge Bäuerin ihre Feindin sei und daß sie sie für das Ausbleiben ihres Verlobten verantwortlich machen werde; doch war sie zu schüchtern, ihn darum zu ersuchen. ' Und so' blieb er denn daheim, obgleich das Unwetter bereit Snachgelassen'uud reine, milde, frische Lust durch die wieder geöffneten Fenster hcreinslrömte. Träumerisch starrte Mirjam hinaus in die friedlich schöne Landschaft, aus den glühenden Sonnenball, der tiefer und immer tiefer dem Horizont zu sich neigte. Doch schwerlich wußte sic, auf welche Pracht ihr Auge schaute, denn ihr Blick schweifte weiter, weit hinaus! über jenen -Horizont, der ihr Auge umgrenzte. — Die > Sonne sank tiefer und tiefer, von der Dorskirche \ her tönte das Abendläuten, in den! Zimmer herrschte . nun in Wirklichkeit Däiltmerung. Keiner der Anwesenden! sprach ein lanteS Wort. Mirjan! war versunken in j sehnsuchtsvoller Erinnerung an die Ihren, die Blinde j au ihrer Seite hatte die -Hände gefaltet und ihre Lippen > bewegten sich, sie schien ein Gebet zu flüstern; ihr Sohn j ging wiederum auf und nieder, von Zeit zu Zeit einen ׳ forschenden Blick auf das noch immer erregte junge > Mädchen richtend. Endlich blieb er vor ihr stehen, schien noch einige Augenblicke zu Rathc zu gehen, dann. j schob er abermals einen Sessel herbei und ließ sich neben seiner Mutter nieder. ״Marie," Hub er an, ״sag', kannst schreiben?" ״Freilich kann ich schreiben," erwiederte sie, ״ich bin doch in die Schule gegangen. Möchtet Ihr, daß ich für Euch etwas schreibe?" fügte sie hinzu, als sie einige Augenblicke vergebens gewartet hatte, daß er weiter sprechen werde. Er schüttelte den Kopf, neigte sich etwas näher zu ihr, stützte beide Ellbogen auf die Knie und das -Haupt in. den -Händen. ״'Nein," sprach er endlich, ״schreiben brauchst nichts für mich, i muß halt selber gehn — heißt fahren —" ״Fahren?" fragte die Blinde verwundert, ״wohin mußt fahren?" ״Nach B...." erwiderte er, iubem er die Hand seiner Mutter nahm und dieselbe leise drückte, ״Hab 'n Geschäft dorten." ״In B.... hast Du 'n Geschäft?" fragte die Alte noch immer den Kopf wiegend, ״kannst denn jetzt abkommen?" ״Am Werkeltag holt ui; aber nähten Sonntag, da köunt'S sein. Früh vor Tags spann i ein und fahr' mutter und in der Nacht aufm Montag bin i wieder daheim. Weißt, Marie." fuhr er nach kurzer Panse fort, ״B.... ist ui gar weit von WoikcrSdorf. —" Er hielt abermals, innc — Mirjam hatte sich hastig aufgcrichtct und blickte mit weit aufgerissenen Augen zu ihm hinüber. ״Da Hab' ich mir denkt," fuhr er fort, ״wenn 'S Dich freut, macht' ich von B.... aus einen Sprung 'nüber nach Woikersdorf und tnöcht nachschauen, wie 'S Deinem Mutterle geht." Mirjam stieß einen Freudenschrei auS; zn reden vermochte sie im ersten Moment nicht; die Blinde aber erwiderte erst jetzt den Händedruck ihres Sohnes, sie hatte ihn verstanden, sie wußte jetzt, welches Geschäft ihn nach B.... ries.

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