Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1883-05-10 · Heft 19 (10.5.1883) · p. 294

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 19 (10.5.1883)
Article
Judenthum und Deutschthum
Date
1883-05-10
Page
294 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2932754-2932996-2933015-2952758--12529-2952798
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

294 fdhaft, die aber keine geringeren Konzessionen von derselben verlangt, als den Abfall von dem Glauben der Väter. Da kennt doch der Talmud in dieser Beziehung das entschiedene Urlium non ckulur. Er erzählt nnS: ..Von Ty.rus bis Karthago erkannte man sowohl das Voll Israel als auch sein GaubcnSbckennlniß an; jedoch von Tyrus gen Westen, von Karthago gen Osten, wollte man weder Inden uoch Iudenthum anerkennen." ך Die ..Erklär»ng" Momnisen's, welche Gleichheit aller Konfessionen auf ihre Fahne schreibt, sie ertönt von Tyrus bis Karthago, seine uns vorliegende ״Flugschrift," die uns zur Taufe auffordert, ertönt nicht einmal von DyruS gen Westen und von Karthago gen Osten; denn, entweder Indcnheit und Iudenthum anerkennen, oder Beides nicht. Nun wollen wir aber ganz objektiv und gewissenhaft den Kerngcdanken der Mommseii'scheli Schrift prüfen und;ujchen, ob derselbe unscrnr Eiinvande Stand zu halten verinag. Die Behauptungen Mommscu'S knlmiuiren in dem Gedanken, daß cs ״schwer und gefahrvoll ist, innerhalb der Nation zu stehen, iniö dabei außerhalb des EhristenthumS zu bleiben." Ich sehe keine Schwierigkeit, fürchte keinerlei Gefahr, wenn ick durch folgende Auseinandersetzungen mit dem ganz entschiedenen Einwaudc entgegentrete, daß man recht gut außerhalb des Ehristen'chums bleibend, innerhalb der Nation stehen kann. Die sanfte Andeutung Mommscns har eins! Hamau als furchtbare Anklage gegen die Juden vor dem Perserkönigc erhoben; 9) doch der Jude Mordechai — dem der König die Errettung ans Todesgefahr zu verdanken harre, — so schließt ba$ Buch Esther ״wurde zum Zweiten nach dem Königc Achasch'.verosch ernannt, und war gleichzeitig groß unter seinen Glaubensbrüdern." Der fromme Jude Mordechai war also Partikularist in seiner Synagoge: er zahlte zu den Mitgliedcrn der großen Synode, aber dem persischen Staate gegenüber war er Staatsbürger in des Wortes höchster Bedeutung. Doch wozu die Vereinigung deö Iuden.thumS mit. dem Slaatsthum durch Bibclzitate, wenn auch geschichtlichen Inhaltes, seststellen; ist cS ja ein Historiker und kein Theologe, den cS hier zu bc kämpfen gilt! H Tal. Trat. Meimacholh, IlOa, vcrgl: Ruth, I, 1 <>: ״Dein Lolk ist mein Volk, aber auch Dein Glauben ist mein Glauben." ") Esther 3, 8. — Aehnlicher Borwurs wird den Juden bei Taeitus, l1i>t.. Lib/5 5׳, gemacht: novos ritns 1c. Die Unwisicnheit des ÄuNägerS aus dem Gebiete de- Iudenthum'-, entschuldigt dessen Äntlage! Ich möchte lieber von dem Antheil der Juden an Preußens Größe sprechen, Ernst EnrtiuS zitiren ger der Mommscu'schen Ansicht entgegen, so herrlich, so unparteiisch sagt: ״Wer kann in kurzern Worte znsammenfasscn, was Preußen u. s. w. Dogmatische Zänkereien wurden bei tief religiöser Erregung glücklich vergessen und engherzige Borurtheilc beseitigt, denn der schönste Segen der Tugend, welchen wir mit dem Namen der Gastfreiheit ehren, ist die geistige Freiheit, das weite Herz, der unbeschränkte Blick, die freudige Anerkennung jedes geistigen Fortschrittes ohne Ansehen der Person. So ist Preußen in Stand gesetzt worden, sich die Kräfte der begabtesten Nalionen, die geistige Regsamfeit der Franzosen, so wie die reichen Gaben der jüdischen Bevölkerung anzueignen, ohne Gefahr zu lausen, seinen geschichtlichen Eharaktcr, einznbnßcn, oder sein deutsches (Gepräge zu verwischen. Der Staat der Hohcuzollern hat einem spröden Partikularisntns nie huldigen können." Ich aber gehe hierin noch weiter und behaupte: ״Die Inden, die so charaktcrlvS, so ehrlos sind, dem Glauben ihrer Väter den Rücken zu wenden, um, wie Mommsen's Schrift sich anSdrückt, dcS Anschlusses an die große Nation sich fähig;u zeigen, diese können eS auch mit dem Dcntschlhnm nicht ernst und ehrlich meinen! “ Für mich ist im Gegentheil die Idee erhebend, daß ein Daniel am babylonischen, ein Mordechai am persischen Hofe, ein MaimouidcS als Leibarzt dcS Srrltan'S in Kairo, ein Abarbanel als Finanzminister am Hose Fcrdinand's und Isabclla'S von Spanien, zuvor als hochangcschenc Persönlichkeit am Hofe Alfons' V, Königs von Portugal, den Beweis gcliefert, daß man seinem Gotte als Jude, seinem Staate als ivahrer Patriot, trenergcben sein kann. Verlassen wir das Reich der Längstverblichcnen, und rufen mir uns die jüngste Vergangenheit in'S Leben zurück, um dann unser Augenmerk aus die. Gegcuwart zu richten: Eremicux war, seine politischnationale Stellung betreffend, ein wahrhaft französischer! Franzose zu nennen, der Frankreich'S Wohl und Weh mit seinem Herzblnte enipfaub; aber nichtsdestoweniger war er, als Jude, für die Spezialintercssen des Inden-. thumS hochbegeistcrt. Verherrlicht in der Geschichte der Inden wird für und für Eremicux — der gleichzeitig seinem Vaterlandc unsterbliche Dienste geleistet, — bleiben. Der greise MoscS Montesiore ist der TypuS eines echten Briten,, wie man sich ihn origineller wohl nicht U)) ״Alterthum und Gegenwart" gesammelte Reden und Borträge, Berlin, 1875. ׳ >

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.