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Jeschurun · 1883-05-03 · Heft 18 (3.5.1883) · p. 284

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 18 (3.5.1883)
Article
Der zweite Internationale Kongreß der Alliance Universelle Antijuive zu Chemnitz
Date
1883-05-03
Page
284 (sequence 3)
Language
German
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Erfahrung aller bedeutender Männer zu sein pflegt, and) Elemente zugegen, welche in unbegreiflicher Vcrblendnng die Größe des iveiheoollcn Bloments nicht zu fassen vermachten und durch wenig geeignete und geziemende Acnßernngen iljvcv E'efühlc die l)01)cn leiste lewilllommnctcn und deren Reden begleiteten. Wenn wir eben den Antisemüismus modernen Patriotismus nannten und vorhin denselben alo eine krau! haste Erscheinung der (Gegenwart bezcichncten, so sind wir tveit entfernt van der Auffassung, als ob derselbe auofd)ltef:lici) ein Produkt unserer Tage wäre. Wir sind im Gcgcntheil der ׳Ansicht, daß das Bor׳- urlheil gegen die ^nden nach Jahrhunderten zählt und niemals gänzlich erloschen war. Wohl aber mag es in der Geschichte des letzten halben Jahrhunderts neu sein, das; man dasselbe für eine patriotische Gesinnung ansgicbt, und das; sich in der Bcihätignng dieser edlen Tenknngsweise die verschiedensten Richtungen begegnen. Tic ״Grcnzbotcu" und ״das bayersche Vaterland," Rohling und Ltöcker, Henriei und Isloezi, schönerer und Glagau, Krcnzzcitnng und Germania. Viebermann von Lonnenbcrg uiib Limomn, Alle reichen sich die Hand zum schonen Frenndschastsbundc, nnt den Inden zitin Rivalen eines hohen Herrn zu machen, von dem behauptet worden ist, das; er zu deil ״best -Gehaßten" zählt. Ach, was von den: gefeierten Manne nur Hyper׳- bolisch gesagt werden kann, das ist bei dem armen Inden nur leider zu wahr. — Was nun diesen ztvcilen internationalell antisemitischen Kongreß speziell anbelrisjt, so beabsichtigen wir heilte ltichi, dessen Berhandlttttgcn im Einzelnen hier wiedcrzngeben. -Es bleibt sich ja auch im Grunde gleich, tvas die Herren für eine Melodie zu dem alten Te^'t angestimmt. Ten TeH aber kennen wir zur Genüge: Unterdrückung der Inden, Beschränkung der Juden, Gefühl lichteit der Juden u. s. w. u. s. w. Wie ans den auch in diesen Lpaucn bereits berichteten Kundgebungen ans dem uns feindlichen Vager hervorging, war ans eine sehr starte Beschickung des Kongrosses nicht zu rcchnett. Es giebt Viele, lvelche von einem solchen nicht das antisemitische Heil entarteten, sondern es vorziehen im Ltillen, in Privatzirkeln, in lokalen Vereinigungen an den! großen Werte zu arbeiten, weil sie diese nicht so pomphaste Thäligkeit für die er sprieß kichere halten. Tiejc vielleicht uirllich Weiseren sind der Ansicht, daß die prunkvolle Agitation der ״guten Lache" eher schaden als nützen könnte. Uns steht in solchen internen Fragen natürlich lein Urtheil zu. Jedenfalls zählte der Kongreß manch theureS Hallpt, das er schmerzlich vermißte. Herr V iebe r m a n »t von L o u n e 11 - berg und Herr Glagau waren die Beatadore in Ehcmnitz; Herr von Limviiyi reiste schon am ersten Tage wieder ab. Das Resultat der Verhandlungen läßt sich im Wesentlichen dahin präzisircn, daß eine erneute massenhastc Petition ii ln Förster au den Fürsten- Reichskanzler, und zwar wie man hoffte mit günstigerem Erfolge, in Lzcne gesetzt werden soll, um die Ausschließung der Juden von der Bekleidung von Vehr- und autoritativen Aemteru und Stellungen zu erwirken; .daß ferner eine genaue jüdische Ltanslik ans amtlichen Cuetlai beschafft werden möge; — daß man cs aus׳ sprach, die Juden seien cm Hinderniß der Verständigung zwischen den ׳)Nationalitäten. Wir vindizircn dem Kongreß keinen besondcrn Einfluß; wir erblicken in ihm aber ein sehr zu beachtendes Zeichen der Zeit. Wir halten Diejenigen, welche nicht erschienen waren und nicht gesprochen haben, für mächtiger und gewaltiger und sind der Ueberzengnng, daß eine große /vllinme a11lijuiv<‘, allerdings cxistirt, welche mehr ausgesprochene und sich nicht jo offen anssprechende Anhänger zählt, als man gemeiniglich anznnehmen geneigt ist. Was auch immer in nüchjtcr odc.׳ fernerer Zukunft über uns beschlossen werden nnrd. — wir haben nichts Anderes zu lhnn als unentwegt zu dem 'Banner unseres Gottesgesctzes zu stehen und den '״ דרך הden Weg Gottes״ ZN hüten, ״ לעיט! ת צדקה ונזי׳צפטPflicht, Milde und Recht zu üben." Darauf halte der Stammvatcr der Lcmiten seine Rachkommen zu verpflichten, und dieses heilige Testament haben nur zu vollstrecken angesichts einer uns srenndlichen oder überwollenden Umgebung. Mag man uns auch verdächtigen nitd hassen und als ein nationales Unglück betrachten; — der verleumdete und mißachtete Jude kennt doch keine andere Aufgabe, als die seinem Ahn Abraham ertheilte: היה ברבה ״zum Legen zu iverden," zum Legen auch für den verblendeten Bruder. Km'choiideiizci! mtb N!Wühle׳.!. Deut s ch l n 11 b. — n— Berlin, April. Ich habe so eben dem scheidenden Feste den Abschicdsgrnß nachgesandt und will das wcrkthätigc Veben mit der Erledigung meiner Korrcspondentenpflichl einleiten. In meiner Leelc tönt noch dieser Lcheidcgruß. den uns die weisen Führer gelehrt, nach, und ich empfinde cs lief und innig, wie wir Gott zu preisen und zu danken haben, daß Er in unser Erdenwallen die Tage der Heiligung, die hehre FesleSzeit eingesührt hat. welche unS erhebt über den Mühen des gewöhnlichen Lebens und in unserer Brust das Bewußtsein' immer auf'S Neue weckt,

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