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Jeschurun · 1883-05-03 · Heft 18 (3.5.1883) · p. 277

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 18 (3.5.1883)
Article
Aktenmäßige Darstellung der jüdischen Zustände in Rußland
Date
1883-05-03
Page
277 (sequence 2)
Language
German
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277 sie eS einmal ein Jahr versuchen, ihrem Mangel durch die griechischen Geschäftshäuser abzuhelfcn, dann werden sie das Eine gegen das Lindere kennen lernen. Die Griechen, die sich über dieses Ereignis freuten, haben sie mit offenen Armen empfangen, haben ihnen aber ganz andere Bedingungen gestellt, indem sie ihnen die Frucht zu einem sehr billigen Preis verlausen muhten, sie ihnen zur Zeit des Darlehnö nur 50°,״ von dem Betrag gaben und auch noÄ tüchtige Zinsen berechneten, so daß Alles in Allem diese gerechte Rechnung mehr als 5"/״ per Monat betrug. Der in den südlichen Gegenden bekannte Herr A. Skalowski (in dem Buche Nostow am Don 18(35 S. 67) sagt, daß in Rostow am Don und in Odessa die Industrie sich nur in schwachem, beschräliktcm Maße entwickelt habe, im Gegensatz zu der günstigen Lage, die eigentlich Handwerk und Industrie Hütte zu besonders hoher Blüthe emporbringen müssen, weil die Griechen und andere Geldinhabcr mehr Verdienst im Handel und Geldvcrleihen sehen und darum nicht Geld itnb Mühe auf Industrie und Handwerk anlcgen wollen. Nur Mühlen und Zuckerfabriken befinden sich in gutem fortschreitend aufblühenden Zustande, die aber sind von Juden. Ein Berichterstatter in der Zeitung ״Golos" vorn schwarzen Meere (Jahr 1871 Nr. 265) erzählt: ״Das ganze Geschäft in diesen (hegenden ist in ben Händen der Armenier, und die verfahren mit den eingeborenen Arbeitem mit grausamer Harte. 8 ch meine hierunter nicht, daß sie ihre Waare mit einem großen Prosit von 100"/״ vcrkaufeit, ich will nur auf die unlautcrn, nicht zu rechtfertigenden Einnahmen der Armenier Hinweisen. Der größte Thcil der arbeitenden Bevölkerung haben Hcerden, sic haben viele Schaafe und wenig Geld. Fehlt ihnen nun Geld, so giebt ihnen der Armenier Geld aus Rechnung der Wolle, und mindestens müssen sie ihm einen Rubel von jedem Pud für den Geldvorschuß geben, was volle 20".״ für wenige Monate betrügt, oder ihm das Geld mit gleichen Zinsen zurückzahlen. Gebe es in diesen Gegenden Wohlthütigkeits-Fonds oder unter Aufsicht stehende Banken, so würden sich sicher die Zustände zun! Bessern gestalten."' Alle die im Obigen dargelegtcn Erkenntnisse lehren uns, daß der Zustand des Geschäftes und der Kanfleute in diesen Gegenden mit schwerem Druck auf den Einwohnern und Landleutcn lastet, mehr als in den den Inden zum Wohnsitz gestatteten Gegenden. Denn da, wo die Juden wohnen, ist der Zustand der Landlcnte ein sehr guter und gehobener, da verlassen die Ackerbaner nicht ihren Geburtsort und ihr?Feld, tim nach einem Stück Brod herum.znstrcifcn, int Gegentheil. den westlichen Gegenden, wo Juden wohnen, tuenden sich die ans dem Innern Rußlands answandernden Bauern aus Kursk, Tambow, Orel, Rjäsan und sonsther zu, und nur an den Oertern, wo Inden wohnen, finden auch sie dann ihren und ihrer Familie Unterhalt und bringen noch Stettern und Abgaben auf. Und in der That, zur Verbesserung der Lage deS Volkes, dtlrch welche dann auch der nioralische Zustand unter den Kauf- und Geschäftsleuten sich heben würde, gelangen wir nur durch Leben fördernde Ordnungen mit Verbesserttng der schlechten ökonomischen Einrichtungen, daß man die Hindernisse itnb Hemmnisse aus dem Wege rünine,!velche jedes Volk in seinen: Wandel und seinen Thätigkeitcn auf Abwege führen, und daß in allem Guten und dem Lande zun: Segen Gereichenden eine ungestörte Entwickelung angcbahnt werde. Nach allen den vielen gebrachten Beweisen sehen wir doch wohl klar, daß keine niedrige Gesinnung, keine vcrtverfliche Eigenschaft in: Karakter des jüdischen Volkes etwa seiner Natur und seinem Glauben nach wurzeln. Nur die speziellen Gesetze und Vorschriften, unter welchen man ihm gestattet, seinen Lebensunterhalt zu suchen, die erniedrigen es und die können es erheben. Und wenn wir mit der Schuld der Kapitalisten, mit den: Unrecht der Griechen und mit der Versündigung der Armemcr in einen: tnildcn Urtheil Nachsicht üben und zu ihrer Entschuldigung sagen, die Quelle des Uebels liege in den unter ihnen herrschenden ökonomischen Verhältnissen und in der Adtninistration, welcher sie unterstehen, nicht aber in einer nalio!:alen Anlage und Gcistesrichtnng — wie wollen wir ein zun: Vorwurf gereichendes Unrecht an einigen Geschäften und Handelszweigen der Juden sindcn, die durch so viele ungünstige Gesetze beschränkt sind, bereit Fuß bei jedem Schritt mehr Verbotenes als Erlaubtes findet, des Inden, der durch Menschen-Satzungen gedrückt ist und trotzdem nicht in Einem seiner Geschäfte ein solches Verdcrbniß zeigt, wie in den Geschäften der gedachten Bevölkerungen vor Augen liegt, die von der Negierung mit allen Rechten und Gerechtsainen der heimischen Eiltgeborenen begünstigt sind! Zum Nachweis der schätzbaren Folgen, welche aber eine Erweiteruttg des Nicdcrlassungsrechtes der Inden überall auch im Innern des Reiches haben würde, wollen wir die Worte von bei der russischen Nation hochgeehrten Schriftstellern, hohen Fürsten und Staatsleitern anführen, die ihre ansrichtige Ansicht ausgesprochen und in vielen den Inden verbotenen Wohnsitzen eine nach menschlicher Anlage verbesserungsbedürftige und vcrbesscrungsfähige, lokale Mangelhaftigkeit und die Tauglichkeit der Inden nachgewiesen haben, diesem Mange! abzuhelfen. Der Schriftsteller Gr. Eliscjew (Atiezestwi sosiski vom Jahre 1868) sagt: Der Jude ist seiner Anlage nach ein Städter, darun! gelangt durch ihn Handel und"

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