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Jeschurun · 1883-05-03 · Heft 18 (3.5.1883) · p. 275

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 18 (3.5.1883)
Article
Salomonische Spruchweisheit
Date
1883-05-03
Page
275 (sequence 1)
Language
German
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Sölöiiiomfijjc Aprulijilitishtit. Bon «amfon Raphael Hirsch. (Fortsetzung.) VII. Gerechte und Ungerechte. (צדיקים ורשעים) Hinsichtlich der Erfüllung oder Nichtcrfüllnng ihrer Lebensaufgabe sieht unsere SprnchweiSheit die Menschen in zwei Gegensätze auseinandertreten, die sie allgemein unter die Bezeichnung צדיקים und רשעים begreift. צדיק ist der Pflichttreue, der, sich dein göttlichen Gesetze unterordnend, den Ansprüchen genügt, welche Gott seiner äußeren nnd inneren Welt an ihn znerkannt hat. In so fern ein Solcher unbeirrt von allen inneren und äußeren Verlockungen und Hindernissen nur dem von Gott ihm gewiesenen, seiner Bestimmung entsprechenden Ziele unentwegt znwandelt, heißt er auch nach der geraden Richtung seines Strebend ישר, der Gerade, nnd nach der völligen Hingebung seines ganzen empfin׳ dendcn, denkenden, nnd wollenden Wesens an dies Eine Ziel: הם, eigentlich, der Ganze, einheitlich in sich Geschlossene. Dem צדיק gegenüber steht der רשע (vcrwandt mit רשה), der Gesetzlose, der nur nach seiner Willkür lebt und handelt. Die Sprüche zeichnen uns diese sich einander gegenüber stehende Karaktcre in der Verschiedenheit ihrer VebenSanschannngen, Neigungen und Wünsche, in der Verschiedenheit ihres Einflusses ans das Wohl und Wehe ihrer Mitmenschen, ganz besonders aber in der Verschiedenheit ihrer Beziehungen zu Gott und den Folgen ihrer verschiedenen LebenSrichtnngen für ihr eigenes Heil. Einen Grundgedanken sprechen wohl die Sätze aus: Vertraue zu Gott mit deinem ganzen Herzen, Und auf deine Einsicht stütze dich nicht. In allen deinen Wegen habe dein Erkennen auf Ihn gerichtet, Daß Er deine Pfade in die gerade Bahn leite. Sei nicht klug in deinen Augen, Fürchte Gott und weiche von! Bösen! (K. 3, 5-7.) Nicht במה בד׳, sondern: 'אל ד, nicht auf Das vertrauen, was uns Gott bereits gewährt hat, sondern zu Gott vertrauen, ans Das vertrauen, was wir von Gott erwarten können, unsere ganze Zukunft nur auf Gott bauen, die unerschütterliche Ueberzengung haben, daß wir nur mit Gott, von Gott und durch Gott unsere Lebensziele zu erreichen vermögen, und daher bei jedem unserer Schritte zuerst uns fragen, ob das Ziel, das wir anstreben, und die Wege, auf welchen wir cs erstreben, dem göttlichen Willen gemäß sind, so gemäß sind, daß wir für dieses Ziel und auf diesen Wegen des göttlichen Beistandes gewärtig sein dürfen, das, meint unsere SprnchweiSheit, sei das Entscheidende für unsere Pflichttreue. Wie hingegen ein verblendetes und verblendendes Ucbcrschätzen menschlicher Einsicht, das der göttlichen Einsicht. Lehre und Leitung und damit auch des göttlichen Beistandes entrathcn zu können vermeint, die Klippe ist, an welcher unsere Pflichttreue scheitert. Daher auch: Durch Angen-Höhe und VegehrenS-Weitc Wird dcö Gesetzlosen Acker die Sünde. (K. 2k, 4.) Indem der Gesetzlose seine Augen hoch erhebt, d. h. seiner Einsicht und Berechtigung Alles zutrant, und daher seinem verlangenden Herzen eine unbegrenzte Weite läßt, für ihn nur das Physisch Unerreichbare nicht vorhanden ist, wird sein Acker die Sünde, d. h. wird die Sünde der Boden, auf welchem und ans welchem er seine Ziele zu erreichen gedenkt. Jeder Weg eines Mannes ist in seinen Angen gerade, Aber nur Gott bestimmt prüfend der Herzen Werth. (K. 2k, 2.) Jeder von den Wegen eines Mannes ist in seinen Augen rein, Aber nur Gott bestimmt prüfend der Geister Werth. Zn Gott hin wende mit Ernst deine Handlungen, So werden deine Gedanken die rechten werden. (K. k 6, 2. 3.) Auch den verkehrtesten Weg würde Keiner ein- ׳ schlagen, wenn er sich nicht beredete, er sei זך וישר, er sei kein Unrecht und führe ihn zum Ziele. ' Allein er vergißt, daß nicht des Menschen Geist, sondern GotttcS Urtheil über Recht lind Unrecht bestimmt, und nicht Alles was des Herzens Verlangen befriedigt, sondern nur was dem göttlichen Wohlgefallen gemäß ist, zum wahren Ziele führt, wir daher daS Verlangen unseres Herzens und das Urtheil unseres Geistes zuerst an Gottes Verlangen und Gottes Urtheil auf Probe nehmen müßten, bevor wir das Verlangen als berechtigt und das Urtheil als gerecht erkennen. Zn Gott hin, auf die Erlangung seines Beifalls und seiner Billigung sollen von vorn herein unsere Handlungen mit Ernst gerichtet sein — (נול ist eine mit Anstrengung verbundene Zielbewegung) — dann werden von selbst unsere Gedanken die rechten werden, und wir vor jedem Abwege in nnserm denkenden und wollenden Streben geschützt bleiben. * Der Gerechten Wunsch ist mir Gutes, Der Gesetzlosen Hoffnung Gotteszorn. (K. k k, 2:1} Nie liegt ־ das Unglück Anderer mit im Bereich der vom Gerechten gewünschten Zustände und Ereignisse.

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