Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 18 (3.5.1883)
- Article
- Judenthum und Bibel auf der Anklagebank im Hause der Abgeordneten
- Date
- 1883-05-03
- Page
- 274 (sequence 2)
- Language
- German
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274 ־־Orbncr, -Gesetzgeber, -Richter, מדת הדין. Daher heißen auch die Ordner, Gesetzgeber, Richter einer?Renschenvielheit, einer kleinen Menschenwelt: Elohim. Dem Heidenlhum zerfiel auch die Welt überhaupt in viele Erscheinungogrnppcn und Kreise, deren jeglicher und jeglichem ein mit besonderen Machtattribnten ausgestatteter Machthaber Vorstand. Es war dies eine Kousegnenz des Grundirrthums von der Urcwigkeit des Weltstosfcs mit der Gebuudenhcit der weltgestaltenden Gottheit, die somit zur Unfreiheit einer Raturkraft herabsank, die keine wahrhaften Gegensätze und grnndverschiedene Erscheinungen erzeugen kann. Einer Welt voller Gegensätze mußten somit eben so viele Gottcinheitcn zn Grunde liegen, eben so viele Elohim vorstehen, als es Gruppen und Greife entgegengesetzter und verschiedener Erscheinungen gicbt. Das Indcuthum ninnnt die ganze Machtfülle aller dieser vcrntciutlichen vielen Elohim und überträgt sie ausschließlich dem Einen Einzigen, indem es Ihn Etokim nennt, und schon diese bloße Bereinigung aller dieser heidnisch gesonderten Machtattriblltc in dem Einen Einzigen hebt den Einen Einzigen Gott des Indenthums über die Vorstellung einer bloßen Raturkraft hoch empor, da nur aus dem freien, allmächtigen, die verschiedensten Gegensätze zu einem Einzigen Weltzwecke einigenden Willen eines Einzigen eine Welt voller gegensätzlicher Erscheinungen hervorgegangen sein kann. Die Pluralsorm zur Be- Zeichnung einer in einer Persönlichkeit vereinigten Machtfülle ist übrigens in Ausdrücken der Herrschaft und?Rächt der hebräischen Sprache ohnehin nicht freind, wie בעלים אדנים. Sie bezeichnen überall einen Einzigen, der alte die verschiedenen Machtattribute in sich vereinigt, welche über irgend ein Objekt gebieten, dem somit dieses Objekt in allen Beziehungen, somit ganz untersteht. '— Daher kann Gott auch erst nach Erschasfung der Welt Elokim genannt werden, da dieses eben seine Beziehung zn dieser Welt bedeutet.*) Während also Elokim Gott als den Welt-Macht- Haber, -Ordner, -Gesetzgeber und -Richter, מדת הדין bezeichnet, stellt der vierbnchslabige Gottesname, den wir mit Haschen! geben, sich nicht als Präsens einer intransitiven Kat-Form, sondern als das Futurum einer transitiven Piel- oder Hiphil-Form der Wurzel היה dar, somit: ״der, Sein Spendende," der, zur Spende neuen Seins Bereite" .מדת הדהמים‘׳ ״Wäre in dieser Welt kein mit Freiheit, somit auch mit der Möglichkeit deS Abirrens begabtes Geschöpf, so würde Gott nur als Elokim walten, die Weltcntwickelnng bedürfte nicht des מדת הדהמים, denn alle Geschöpfe außer dem Menschen bewegen sich unabwcichbar in dem bei der Schöpfung ihnen angewiesenen Geleise. Mit dem freien, somit abirrungSfähigen, zu seiner hohen Bcstinunung zu erziehenden Menschen tritt מדת הדהמים, die in barmherziger Liebe erziehende Gottwaltung ein, die den Menschen und seine Welt trotz seiner Verirrung erhält, ihn über den Irrthum zur Wahrheit, über die Verirrung zur Pflichttreue leitet, ihm immer auf's Rene Kraft zu neucin Dasein und neuer Zukunft zu verleihen bereit ist und die תולדות שמים וארי; nach dem jedesmaligen Erzichungsbedürfniß des Menschen gestaltet. Diese Waltnug ist es, die der Ramc Haschem repräscntirt. Als Elokim hat Gott Himmel und Erde geschaffen und ihre Entwickelung auf Gesetz und Ordnung gestellt, als Haschem gestaltet und leitet er diese Entwickcltlng, seinem Ziele, der Menschenerziehung, entsprechend. Dort, in der physischen Weltorduung, ist die Erde vom Himmel abhängig; hier, in der sittlichen Weltordnung, für welche die physische ihr Dasein erhalten, ist der ״Himmel" durch das Verhalten der Menschen auf Erden, sonlit der Himmel durch die Erde bedingt. Deshalb wird in dem ersten Kapitel und den vier ersten Versen des zweiten Kapitels, in denen uns die Thatsache der Schöpfung der Welt und des Menschen durch Gott gelehrt wird, Gott Elokim genannt und steht aus demselben Grunde stets..השמים והאדץ׳, während mit der mit dem fünften Verse des zweiten Kapitels beginnenden Geschichte des Menschen, es ארי; ושמים heißt. Denn mit dem Menschen tritt der Name Haschem zu Elokim, und zwei Faktoren sind cs, die die Welteutwickelnng weiter gestalten: erstens die von Gott bereits in der ursprünglichen Schöpfung gegebene gesetzmäßige Ordnung, und zweitens die von demselben Gott mit Rücksicht auf das Verhalten der Menschen dieser Ent- Wickelung in jedem Augenblicke gegebenen Leitung. Der Rame Haschem Elokim ist es somit, der uns durch die Geschichte leitet.'?Ran vergleiche damit die Banalität eines gelehrten Bibelkritikers, der diese Verschiedenheit zn den ״stilistischen Verschiedenheiten" rechnet, die gleichfalls die Annahme zweier Verfasser ״nothwendig" machen. Daß unglücklicherweise beide Ausdrücke in einem und demselben Verse Vorkommen, gcnirt den ebenso energischen wie geistvollen Herrn nicht. Er schneidet den Vers eben durch und theilt die erste Hälfte dem Elolisten, die zweite dem Haschemisten oder Haschem-Elokisten zu! — Damit erledigt sich auch die angebliche Schwierig׳ feit der ״zweiten Ueberschrift" in dem vierten Verse des zweiten Kapitels. . *) A. a. O. S. 5 und 6.