Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 16-17 (19.4.1883)
- Article
- Kollektiv-Berichte aus Ungarn [Nachricht]
- Date
- 1883-04-19
- Page
- 261 (sequence 3)
- Language
- German
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261 aber können nicht umhin, an die Kongrcßhclden zu Dcveeser einige ernste Fragen zu richten. — Glauben Sic wirklich, daß wenn man in dem von aller Welt vergessenen ungarischen Marktfleckeu zu Deveeser das jT1V2־^a1fcn fiftirt, daß bannt die ״Blntbcsclmtdignng" schon beseitigt, alle finstern Vornrtheile zerstreut und verscheucht werden? — Wähnten Sie etwa, cs werde 3In* Beispiel Nachahmung finden? — Und wenn alle Gemeinden und alle Juden so thöricht handelten, woher wurden dann die ״gebildeten Kougreßjnden" zu D. ihren --,".'^-Bedarf bestellen? — Die Dreistigkeit der Dcvceserer Inden wäre geeignet, unser Zwerchfell zu erschüttern, wenn cd nicht gar so traurig wäre, daß angebliche Inden dergleichen ׳Absurditäten anshecken. :ihm denn, wir zweifeln nicht, daß die Deveejerer and den Nachbargemeinden Pnpa oder Vesprüm oder von sonst wo מצות sich besorgen werden, — und wie, wenn die Bosheit auch von den importinen מצות behaupten wird, daß sic mit dem Blute einer christlichen Jungfrau Ester satnrirt sind? — Wir sehen also, daß auch die in D. geborene hirnlose Resormidcc die גאולה nicht befördern wird! Da fragen wir denn, wad wollten eigentlich die Kongreßhclden zu D. mit ihren! Sensation machenden Beschlüsse? Die Antwort auf diese Frage sinden wir in Koheleth Nabba 7-!,l>, welche in Sachs' ״Stimmen vom Jordan und Euphrat" S. L;7:1 fei)!• schön wiedergegeben ist: ״Wenn gutes Holz Dir in! Kamine flammt, So wärmt ed Dich, verrichtet still sein -An!t. Doch hast Du Dorn hinein gethan, Wärmt cd Dich schlecht und hebt zu knistern an. Er giebt Dir zu verstehen und spricht: Auch ich bin Holz! — Sonst glaubst Du'S nicht." Inmitten dieser Hochslnth der Rcsormbestrebnngen, dieser Kronik der Skandal-Geschichten, steht ein ״Ausruf" isolirt da, dem ein gesunder Sinn zu Grunde liegt. Die Zipser Inden versammelten sich in Igl<', und erließen (acl 5) einen sehr zeitgemäßen, von jüdischem Gefühle und patriotischem Geiste durchwehten und gelragcnen, elegant sthlisirtcn ״Ansrus" zur Krcirnng einer ״ungarisch israelitischen Allianz" zur Abwehr der Angriffe unserer Hasser und zur Hebung des ungarischen National - Gefühles. , Diese Anregung begrüßen wir sympathisch! — Ad <'> plaidirt ein Wochenblatt sürMassemMeetingS, welche in allen Gemeinden abznhalten seien. Die Seele dieser Anregung scheint Iellinek's Weckruf ״Organisation gegen Organisation" zu sein. Wir wollen mit unserer Ansicht über diese ״Bewegung" jo wie über Iellinet'S ״knrzgesaßtcS ethisches Glaubensbekenntnis;" noch zurückhalten, vorerst נראה מה יהיו חלומותיו. Ad 7 erwähnen wir einen bereits ministeriell genchniigteu Verein ju der Hauptstadt ״Magyar zsidok cgyletc", über dessen Schöpfer und Tendenzen uns bisher nichts bekannt geworden ist. — So kommen wir denn leider and den Ierciniaden gar nicht hinaus und je tiefer wir hineinblickcn in die ungarisch jüdischen Verhältnisse der Gegenwart, desto mächtiger wird in uns rege der heiße Wunsch, ויעשו כלם אגודה אחת לעשות רצונך ב;בכ שלש, daß alle konservativ gesinnten Juden Ungarns zu einen! Bunde sich vereinigen, um einhellig und einmüthig für die Gottessuche eiuzn stehen! Es mögen wohl Manche durch den ätzenden Tadel, den wir in die klaffenden Wunden fahren lassen, schmerzlich berührt werden, doch mit Schönpstästcrchcn kann man auch einen Schnitt nicht kurircn.- 110111 pitifjir. Uvou NliMali Simon. Glühend senkte die Sonne ihren güldenen Strahl zur Erde nieder und vollendete die Arbeit des herbstlichcn Regens, des grimmen Winterfrostes und des lauen Frühlingswehens. Die schwellende Achrc harrte der Sichel. Ans der grünen Trift erlabte sich das Rind und das in dichten Pelz gekleidete Schaf, welches bald seiner!völligen Vaft entledigt werden sollte. In freudiger Hoffnung schaute der Sandmann auf den reichen Segen hin, welcher ans Acker und Wiese ihm winkte. Er hatte wacker geschasst mit Pflugschar und Egge, mit Spaten und Walze und sollte nun den Lohn seines Fleißes cinheimsen. Die zahlreichen Söhne des jüdischen Stammes aber, ivelchc in dem!veilen Kaiserreiche eine äx׳im!tätte gesunden, blickten bangend und sorgenvoll der Zukunft entgegen. Ach, Inda ist von jeher gewohnt, die Zeit des Lenzes und des Sommers in Thränen zu verbringen. Die Sonne des Ijar, Tamus und Aw lächelte ihm niemals freundlich zu. Seit dem siebzehnten Tamus und nennten Aw, an welchen der Ehaldäer und Römer wilde Horden Jerusalem und den heiligen Tempel in Asche gelegt, bezeichnen die Tage des Blühens und GrnncnS und Reifens in der Natur für Israel nur Schrecken und Tod. Um die Zeit der Sommcrsonncnwende wiederholten sich unter Hadrian's Herrschaft die Greuel des letzten blutigsten Vernichtungskrieges auf jndäischem Boden; Jahrhunderte lang schlachtete Europa unter dem Zeichen des KrcnzcS die Söhne Jakobs ab, sobald der Frühling in die Lande zog; unter heiterem Sommcrhimmel loderten ans der iberischen Halbinsel von Indenlcibcrn genährte Scheiterhaufen; mehr als hunderttausend Inden endeten unter den, fünf. Jahre währenden, Metzeleien der unter dem Namen גזרות