Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 16-17 (19.4.1883)
- Article
- Kollektiv-Berichte aus Ungarn [Nachricht]
- Date
- 1883-04-19
- Page
- 260 (sequence 2)
- Language
- German
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260 Religion, zu abrogirc«, zu den Söhnen unseres Volkes, zu den Bekeunern unseres Glaubens sich zählen?! — Ad צ beglückte ein 1)1. m<׳d. das ungarische Israel mit obskuren Propositionen. Wenn, nur die Acrzte sich in jüdische Angelegenheiten nicht mengen wollten! Unsere Aerztc sind hier zu Laude meistens dem Indenthume ganz entrückt; trotzdem, so oft eminente jüdische Angclegenheiteu zu disknliren sind, drängen sich dieselben an die Spitze und simuliren eine sittliche Entrüstung ob der Angriffe von Außen. Ad haben wir eine dem hohen Abgeordnetenhause unterbreitete Petition dcsErlauer ״israelitischen Geselligkeitsklubs" zu registriren. Das verlangen der ״Gesellen" zu Erlau kulmiuirte darin, daß alle Rabbiner, Rabbinats-Verweser, Prediger und Religions-Lehrer im Lande, welche nicht aus dem Rabbiner-Seminar hervorgegangcn oder der ungarischen Sprache in Wort und Schrift vollkommen mächtig sind, aus bcm Amte zu snspendiren seien, ferner, daß der Talnutd mir in ungarischer Sprache vorgetrageu, gelehrt un dgelernt werden dürfe." Natürlich hat das hohe Abgeordnetenhaus dieses die Gemeitide Autonomie mit Füßen tretende Attentat einfach ad ada gelegt. Wahrlieh es gehört eine eiserne Stirn dazu, ein solches zu versuchen. Aso die הבמי ערלו wollten ein neues ״Indengesetz" inauguriren. Warum sollen nur die nichtungarisch redenden.Rabbiner :e. über Bord geworfen werden, und warum ließen die Petenten unerwähnt die zahlreichen Pfaffen, Seelsorger, Lehrer rc. anderer Konfessionen, deutscher, slavischer und rntheniseher Zunge? —Ans diese Frage wird wohl der ״israelitische (?) Gesclligtcitsklub" zu Erlau kaum eine richtige Antwort finden, weil er überhaupt nicht weiß, was er tvollte. — Dies sagen wir nicht blos bezugnehmend aus den ersten, sondern auch reslektirend auf den zweiten Passus der unseligen Petition. — Warum soll der Talmud fortan nur in ungarischer Sprache tradirt werden dürfen? Und wenn wir schon einige Vernnnftgründe für diese patriotische Forderung eruiittelu, erlauben wir uns die bescheidene Frage, wer soll vorweg den Talmud iu's llugarischc übersetzen? Gedeihen etwa unter dem Himmel Erlau's solch gründlich gelehrte Dalmudisten, welche die ungarische Sprache vollständig beherrschen? Unseres Wissens sind die Erlancr Juden לא בדי ולא בדא unterrichtet, der Talmud ist ihnen ein ספר חתום und die Bildung eine t,s-1׳1׳a mmmnita; wir behaupten ohne גוזמא, daß es in Erlau kaum ein מזומן Juden giebt, welche in einer gebildeten Sprache auch nur zwei Zeilen fehlerfrei schreiben könnten, llnd die mit hocbtrabeudett Petitionen prunkenden Mitglieder des ״israelitischen Gestlligkeitsflubs" sind sicherlich keine Schußweite von der dortigen Gemeinde entfernt, oder bilden vielleicht gar die hauta-vcdd; in derselben. — Ad vocem! Bei Gelegenheit der jüngsten Judendcbattcn im ungarischen Parlamente, erwähnte der hochachtbare Abgeordnete -Herr Daniel v. Jranyi, Herr Ober-i!)Rabbiner zu Szigetvar habe ihm jüngst seine ungarische llebersetzung des Talmud zukommen lassen. — Wir haben nun zur Anschaffung dieses Opus einen Gulden in die Schanze geschlagen. — Daß eine Kopie nur selten dem Originale gleicht, ist eine alte Wahrheit, aber eine solche Berunstaltnng, eine solche Karikatur hätten wir für eine Unmöglichkeit gehalten. Es ist ein gutes, kerniges llngarisch, aber keine Talmud- Übersetzung, 1111b in der angeblichen Uebertragung der ersten 8 Folioblätter des Traktates;ברבור sind keine S Zeilen sinngetreu übersetzt, und nicht ein Ober-('.) Rabbiner, sondern das winzigste Ieschiba-Baehurlciu verdiente die schärfste stetige, wenn es die leichtesten Talmudstellen so grundfalsch erfassen mtd wiedergeben würde. — Mit einem Worte, um׳ versichern mit bestem Wissen tind Gewissen, wenn auf dem Titelblattc nicht unzweideutig mit fetten Lettern gedruckt stünde, daß der (Ober-O)Rabbiucr zu Szigetvar der Verfasser ist, — wir würden den ״gründlichen" Herrn Professor Rohliitg aus Prag für den llebersetzcr gehalten haben. — — Ad 4 haben wir einen heroischen Beschluß der Kongreß-Gemeinde zu Devecser zu verzeichnen. Am grünen Gemeinde-Tische zu D. saßen die weisen Borstaudsmitglieder und beriethen, wie tuau wohl der empörenden Bluibeschuldigung rasch den Garaus machen könnte. Alle bisher ttach dieser Richtung hin gemachten Bersuche mußten dicmic passiren. Die ״Zeugnisse christlicher Theologen" haben nichts gefruchtet, denn die Blutbeschuldigung ertönt noch immer. — Die Neformpläne aus Bihar und Szathmür, die Propo sirionen des 1)1׳. mod. M. Sz. die Petition der חבמי ערלו u. dgl. m. sind eitel Traum, wir aber, Kongreß- Juden zu Devecser. um׳ wollen nun der Welt zeigen, ״was der Bersland der Verständigen nicht sieht, das siehet in Einfalt .!" Hieraus proponirte der Präses im Rathe der Weis׳׳n, daß ״im Weichbilde der Gemeinde zu D. das מצות-Backen strengstens zu verbieten sei." Ein Vorstandsmitglied wagte die schüchterne Frage: ״Was soll ohne מצות mit der הגדה geschehen?" — Ge.nach, repliziere der Antragsteller, wir müssen ja nicht die ganze הנדה rezitiren, es genügt, wenn wir den wesentlichsten Theil derselben uns und unseren Kindern zum Bewußtsein bringen, und so empfehle ich, daß aus der ganzen הגדה blos der eine kurze Satz im Familienkreise zu verkünden sei אלו לא נתן לגו אה התורה דיינו.-LanganlMende Eljenruse begleiteten diesen zeitgemäßen, die religiöse Gesinnung der Kougreßler treu karakterisirenden Antrag und einhellig beschlossen die K ougreßj nden zu Devecser ״das מצות-Backen sei strengstens zu verbieten." — Diese neueste ״Reform" kursirte in den Tagcsblättern ohne jede Redaktionbcmerkung. Wir