Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 16-17 (19.4.1883)
- Article
- Christenthum und jüdische Presse [Rezension]
- Date
- 1883-04-19
- Page
- 257 (sequence 1)
- Language
- German
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M 1« 11.דו. 257 Jeschnrun. Cljrijkitil)!!!!! mld jüdisilik prO.! Hannover, 17. April. C5ö uuct eine 3d)1־ift: , Ehristenthnm und jüdische Presse non Franz i Delitzsch vor, deren Veranlassung wir und gewiß mit mitf die immense Bcehrheit unjcvci־ jüdischen Brüder auf# Tiesste beUanen. Der geehrte Verfasser, der dem Fudenthume u!7d der jüdischen Vitcratur seit Fahren eine kennlnißvolle Tl-eilnahme zmvcndc! und sein von reichem Verständnis; getragenes Wohlwollen noch in jüngster Zeit durch seine Zurückweisung antisemitischer Gehässigkeiten bewährt hat, jindet sein christliches besäht auf's tiesste und Empörendste durch die, mitunter bk;11 gemeiner Frivolität sich verirrende Art und Weise verletzt, in welcher der welthistorische Werth des Christenthnms und dessen Stifter von uianchen Erzeugnissen der jüdischen Presse jüngerer Zeit hcrabgewürdigl worden. Wir, und sicherlich die immense l'iajoritai unserer jüdischen Brüder rnit uns,!!!!terschreiden voll׳ tomnten das Urtheil des Herrn Bersassers, dag ״da das deutsche Volk ein christliches ist, cs an die jüdische Miuorität, die es in sich ausgenommen und mit sich zu gleichen Staatsbürgerrechten emporgehoben, die Forderung dankbarer Achtung und zarter Schonung dessen was ihm heilig ist zu stellen das Recht!rat." Fa, wir gehen noch weiter. Es hat das sich seines nnvertüiitmerten überlieferten Fnhalts bewußte Indenthnm weder Beruf noch Ausgabe, das Ehristenthnm einer Kritik, gesehrveige dem! einer vernichtenden kritil zu unterziehen. Das ist ja der glückliche Slandpnnlt des alten Fudenlhnms, wodurch es sich auch von dem Ehristenthnm des Herrn Delitzsch unterscheidet, daß es andere Religionen, mit» auch das Ehrineuthnn! vollkommen in ihrem bleibenden tvelthistorischen Werth für die Gesittung und Erlenchtttng der Menschheit mit voller Beruhigung ja mit freudiger Geuugthnnng neben sich anerkennen kann, indem es sich als den Boden begreifen darf, auf welchem die sittigenden Lichlsaalen erwachsen sind, ivelche sie in den Acker der veredelnden Völkerentwickelnng gestreut und streiten. Das alte Indenthnm sieht ja nicht die Heileszukunft der Menschheit darin, das; alle Menschen 311bcn würden, es spricht ja nicht: ״außer titir lein Heil." Reines Menschthnm, die bekannten noachidischen Pflichten, lehrt es als Ausgabe der ganzen nichtjüdischen Menschheit, erkennt at'.sdrücklich den חסיד' אונעת העולם, den Frommen aller Böller die zitkünstige Seligkeit zu und weist mit Emphase darauf hin, (siehe ת"ב zu B. M. I 5 ,א.) das; in stellen, wie Ps.!!״ :0צ ,אdies ist die Pforte zu Gott, Gerechte gehe׳.׳, in sie ein", und sonst wo die Bernfttng zn Gott, Leben, Glückseligkeit und Heil ausgesprochen ist, nicht ״Priester, Leviten und Israel," sondern allgemein ״Gerechte" genannt werden, un! dir zu sagen, daß auch der Richtjude, der die ihm nach der Gotteslchre obliegenden Pflichten treu erfüllt, zu allem künftigen Heil den jüdischen Gerechten gleich berufen ist. Ehristliche Denker thun daher den! alten Indenthnm völlige.- Unrecht, wenn sie, tun dem Ehristenthum das Berdieitst eines über den angeblich jüdischen ParlikularismnS hinanSgehenden Fortschritt zu vindizircn, nnenttvegt des krassesten durch das Ehristenthnm überwundenen Partiknlaismns beschtlldigen und übersehen, daß, wenn mit den Worten des Herrn Bersassers ״mit dem Ehrislenlhttm ein neues sittigcndes, geistig cntporrückendes heiliges Prinzip in die Welt eiugetreten ist," dies nur für die tiichtjüdische, heidnische Welt ein! ״ncites" gewesen, in Wahrheit aber nur das alte,, von je im Indenthnn! gelehrte Prinzip der alle Menschen! zit Gott nahe briltgenden geistigen und sittlichen Per- 1 cdelnng bernsenden Lehre war und ist, als deren durch! sein Gesetz geheiligten und gerüsteten Boten Gott das ' israelitische Volk Zttglcich als Priester und Opfer zu j seinem Lcidcnsgange in Äkittc der Völker auSgcsandt.! Es ist daher eine völlig irrige Boralissetztlng,; in welcher der Herr Verfasser besängen scheitlt, als! ob das Fudenthnm zur Wahrung seiner Selbständigkeit sich gcmüssigt halten dürfte dem Ehristenthtiln den reinen Monotheismus abzusprcchen und die Trinitätslehrc zu bekämpfen. Rur wolle uns der geehrte Verfasser das offene Geständnis; zn {>>11tc Hallen, daß uns allerdings das Vcrständttiß dafür abgeht, wie sich die Reinheit des (^ottcinhcitsgcdankens mit gleichzeitiger Annahme einer Trinität in der Gottheit vereiniget! lasse. Es bleibt dies für unser!! Verstand ein völlig unkonstrnirbares Mysterium und!vir können nicht umhin, in der Trinitätslehrc eine Trübung des reinen Gotteiuheitsgedankens zu erkenne!!, so wie uns die Versuche des Herrn Bersassers, in den alltesiainentarischeu Schriften Spuren einer Trinität anfzufinden, durchaus vergeblich erscheinen. . So ist;. B. der kreist Gottes, der durch David sprach. 'RichtS als eine (Lottes-Wirkung, wie der Geist Gottes, der (2.B. M. .׳r!) Bezalel erfüllte, deranf Festah (Richter l l, Simson (׳Richter kt, (>. f.). Saut (Sam. l. l0, (i.) kam, oder der später als ein böser Geist von Gott ihn beunruhigte (Sam I. HJ, I'».) 11. s.!v. A.llein!vir lassen dies Alles ganz ans sich beruhen. Wäre der christliche Gotteinheitsgedanlc auch so völlig unfraglich wie der Goltesgedanke der mnhamedanischen Lehre, so würden wir darin nur eine um so vollere und reinere Verwirklichung des providenziell durch die Sendung des Fndenthnms beabsichtigte Wirkung, keineswegs aber eine Schmälerung der eigenartigen Selbstfländigtcit erblicken. Der Gotteinheitsglanbe wird ja! von! Iudenthumc nicht als eine spezifisch nur Israel