Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1883-04-19 · Heft 16-17 (19.4.1883) · p. 254

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 16-17 (19.4.1883)
Article
Judenthum und Deutschthum
Date
1883-04-19
Page
254 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2932754-2932996-2933013-2952582--12413-2952654
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

254 Als dieser Heide aber vor Hillcl, dessen nner-! schöpsliche (Geduld von den Talmudistcu gerühmt wird, . erschienen war, da endlich Hörle er ans dem Munde Hillel'S Dasjeu ige, welches Schammai zu verschweigen für richtig gefunden: ״Was Dir verhaßt ist, das thne anch , Deinem Nebenmenschen nicht an, das ist das j ganze jüdische tbesetz, alles Andere ist nur AuSj legnng, gehe hin und lerne!" j Hillel hat eS für angemessener gehalten, die Wahrj heit einem Heiden gegenüber unumwunden auSzusprechcn! und cd daraus aukommeu zu lassen, ob dieser ans! Liebe zur Wahrheit sich von der Scholle seiner Bor-! urtheilc wird loSreißeu, oder den ererbten Groll gegen Anden und Judeuthum in seinem Herzen aufrecht er׳ halten wolle. An Freunde der Wahrheit tuende auch ich mich ausschließlich, r’) und ganz und gar nicht an die gewohnheitSmäßigen Hasser deS JudeuthumS, deren tiefinnere Abneigung gegen das israelitische Volk und dessen Dogmen leine itoch so überzeugungskräflige Schrift zci entwurzeln vermag. Dieser meiner Abhandlung liegt folgender Gedanke zu Grunde: ״Der Jude ist Partikularist in seiner Synagogc: im öffentlichen Leben aber schließt er sich, politisch.national, als treuer Staatsbürger, tvic ein Glied der vielte, der großen Volksfamilic an, und sozial zeigt er sich als nützliches Mitglied i der Gesellschaft, nicht nur bcm engen Kreise seiner! Glaubensgenossen, sondern allen seinen Mitbürgern, > gleichviel welcher Konfession sic augehören'." j Es wird gegenwärtig den Inden sowohl, der! ״Patrio ti Sin 11 s" als anch die ״Hum ani! ät" streitig ' gemacht: und zwar geschieht dies thcilS in wohlwollender j Weise, aber mit schtvaukeudem Sinn, thcilS in burschtloser, frivoler Art, die nur zu gern die rohe Leidenschuft, die zügellose Wuth der Masse wider Israel entfesseln möchte. WaS die letzterwähnte KriegSführnng betrifft, so sttbjcltivcn Swnbpinillc .,.uö den Fremden abgewiesen. dachte 2d)amn111i, einem Heiden b!H> Tollten der idealen Schön-!,eiten des Fudemhums anjrollcn! Ungläubig wird er ja doch sein :'Inge non dem herrlichen Bilde abwenden. "! tfö ist der Wunsch deo Bcrsassero, das; diese Abhandlung: ״Fudenthlim und Deulschthlim" — geschrieben im De;br. 18S0, ali> in Tenlschland die Wogen antisemitischer U:׳.׳.tricbe alle entgegcn;nschcndcn Dämme überstulhelcn, — von seinen Glaubensbrndern. denen dieselbe zur Gegenwehr gegen jlidenseindlichc Angrisfc dienen möge. im Ü reise voriirtheiloloser, wahr hast ge« bildcter, nach objektiver Wahrheit strebender Aichljuden ein« gesnhrl werde. Wird die Abhandln,ig nur einige wenige Freunde der Wahrheit, chr. Konfession, von ihrem Inhalte überzeugen, dann hat Ans. sein angestrebtes Ziel erreicht. halte ich cS für ungeeignet, mit theoretischen Kampfes- Werkzeugen Feinde zu bekämpfen, die der unedlen Regung der Gehässigleitsgejühle folgend, — Gefühle, die egoistische Motive in ihnen wachgerufen, — ihr besseres, inneres Bewußtsein auf 5tosten der Wahrheit, der Gerechtigkeit, knechten. Denn wer von dem Gefühle der Gerechtigkeit beseelt ist, wird wissen, daß inan ein ganzes Bolk nicht für die etwaigen Vergehungen Einzelner aus seiner Milte verantwortlich machen darf. Will mau gegen die Juden mit Erfolg zu Felde ziehen, so greife mau sie vom Standpunkte ihrer Literatur aus au; bekämpfe mau sie auf eigenem Boden, weise man nach, daß die Juden aus unreinen Quellen Belchruug schöpfen, daß ihnen in ihren Schriften Intoleranz gegen Ehristeu' gepredigt wird. So lauge dies nicht, — und zwar auf ehrliche Weise geschieht, so lange ist Juda'S politische und soziale Stellung zn den Völkern unantastbar. Diejenigen also, die in frivoler Weise gegen Inden und Judcnthum anftreten würdigen wir keiner Entgcgnttng. Anders jedoch wollen wir uns den Gegnern gegenüber verhallen, die, wie!vir uns ausdrückten, ״in wohlw ollen der Weise aber mit schlvanke ndem Sinne" sich dem Judcnthum entgegenstellen. Hierunter verstehe ich ״die persönlichen Frcunde d c r I u d c n h c i t, aber sachliche n F c i n de d e r S a ch c des Judenthnms." Die Ansichten solcher Männer, Männer von Ernst und Wurde, von Keuulnißveichthum und Karaktcrgrößc, zu beleuchten, eingehend zu behandeln, das, daS ist heilige Pflicht jedes jüdischen Neligionslchrerö. Wenn ein hervorragender Gelehrter christlichen Glaubens, dessen liberaler Sinn über jeden Zwcisel erhaben ist, den Juden den gciviß gutgemeinten Rath evtijei! r. ״dem In deuthum ab.zu jagen und sich l zum Ehristenthum zu bekenneII, um des Ein-; triltcs in die allgemeine Volkssamilic würdig! und fähig zu sein," daun tritt die Pflicht au gebildete deutsche Juden heran, zu beweisen, wie ״Juden-! thum und Deutschthum" wohl harmonisch Hand in! Hand gehen können. j Und somit wäre ich denn au das eigentliche Ziel j gelaugt. Nicht der fanatische Kanzclmann in Preußens Hauptstadt, dessen Vorgehen uns an den zelotischen; Neiscprediaer Eapistrauus Johannes erinnert, der in ■ der Milte des 15. Jahrh. Deutschland durchwanderte,! um das Volt gegen die Juden aufzureizeu; nicht die! Dunkelmänner, Finsterlinge und Nachtinseklen des Geistes! sind eS, die zum Kampfe herauSsordern; nein, auStoben mögen diese Heeresführcr der Hctzpartei, denn stumpf! sind ihre Waffen, rostig ihre Schwcrdtcr, um bleibenden

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.