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Jeschurun · 1883-04-19 · Heft 16-17 (19.4.1883) · p. 248

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 16-17 (19.4.1883)
Article
Aus der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts
Date
1883-04-19
Page
248 (sequence 3)
Language
German
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248 ״tausendmal schöner ist'S hier als bei euch; aber Du vergönnst mir den Seidlerhof ui, das ist'S. Schau nur die prächtigen Butterbirnen dort, im ganzen Dorf fiud'st keine solche." ״Wahr ist'S," stimmte die Bozcna bei, ״die sein prächtig." Er verstand den verlangenden Blick, mit dem sie ihr Lob begleitete, und ini Nu war er oben in den Zweigen des erwähnten BaumcS und warf die schönsten Früchte der Braut in die Schürze, Aber auch für seine Mutter pflückte er und für Mirjam und warf sic der Letzter» in den Schooß. Die junge Bäuerin aber wähnte, daß die Früchte, die er der -Anderen zugeworfen, weit schöner und saftiger als die ihren. Ihr Gesicht verzog sich, sie erklärte die Birne, die sie so eben zu offen begonnen, für holzig und hart, die übrigen für faul und schleuderte sie sämmtlich auf den Nasen. DaS treuherzige Angesicht des jungen Mannes vcrfinsterte sich. ״Geh, Bozena, das ist Sünde, was hat die Gottesgäbe dir gethan? schau die schöne Birn," er hob eine von der Erde auf und biß hinein, ״die ist Dir ni holzig und faul a ui; wo Du hiukommst, sind'st ka schönere. Bozena befand sich jedoch in höchst ungnädiger Stimmung, hatte an Allem zu tadeln, und auch der Toni ließ einige gereizte Worte fallen;, doch äugenblicklich hatte er dieselben wieder bereut und um sie vergessen zu machen, versprach er, gegen Abend, wenn die Hitze nachgelassen, seine Braut zum Tanz zu führen. Während der letzten zehn Minuten, die sie in einem kleinen Wortgefecht verbracht, hatte sich ein etwas stärkerer Wind erhoben, dem die Erregten jedoch keine Aufmerksamkeit geschenkt; nun aber machte sich plötzlich ein Wirbelwind auf, der Alle in die Höhe trieb und gleichzeitig sielen auch schon einzelne dicke Regentropfen auS dem bleigraueu Himmel hernieder. ״G'schwind in'S Hanö!" rief der Toni, indem er zu Mirjam eilte, ״geh' Bozcna, führ' Du die Mutter, ich trag die Marie hinein!" und leicht wie ein Kind hob er sic in seinen Armen und wollte mit ihr dem Wohn Hause zu eilen. Doch die junge Bäuerin war erblaßt, als sie die Verhaßte in den Armen des Geliebten erblickte. ״Erst kümmerst Dich um die Fremde und hernach erst um die Mutter; geh', das schickt sich nimmer." ״Sie hat recht," stimmte Mirjam bei, ״laßt mich hinunter und bringt die Mutter hinein." ״Nicht doch," rief die Blinde heftig, ״trag nur die Marie in'S Haus, ich finde schon selber den Weg." ״Sapperlot!" siel der erregte Bauer ein, ״bist denn Du Bozena zu gar nichts nutze? führ die Mutter hinein, sag ich!" Aber Bozena lachte hell auf. ״Führ' sie selber, ich bin nicht Deine Magd!" und-damit rannte sie davon, querfeldein. Der Bauer schickte ihr einen derben Fluch nach und trat, noch immer mit Mirjam in den Armen, zu der Mutter, die sich bereits erhoben hatte. ״Kommt, Mutter, führt Euch an mir, wir gehen mitsammen in'S HauS. Weiß der Deichsel, was für'n Schund die verflitzte Bozena in ihrem Strohkops hat." Doch die blinde (Greisin verstand die Bozcna weit besser als ihr frischer hctlschender Sohn; aber sie ließ eS sich nicht merken und ziemlich langsam zwar, aber doch noch vor dem vollständigen AnSbrnch des Gewitters hatten sie das Ziel erreicht. Auch im Zimmer war cö jetzt weit erträglicher als vorhin. Toni geleitete die Blinde zu ihrem Lehnsessel und ließ dann das junge Mädchen vorsichtig auf die Bank nieder, auf die er zuvor einige Polster gelegt. Jetzt erst sah er sich nach seiner Braut um, er hatte geglaubt, daß sie sich in sein Haus geflüchtet, doch sie mußte wohl dem eigenen Heiin zugeeilt sein, denn im Hofe hatte sie Keiner gesehen. Das Uinvetter war inzwischen mit seltener Heftigfeit auSgcbrochen; der Wind heulte, hellleuchtende Blitze zuckten durch die Luft und fast unmittelbar darauf rollte der Donner in mächtig dumpfen Schlägen Der Bauer hatte säinmtlichc Fenster geschlossen und war dann hiuauSgeeilt in die Ställe und WirthschaftSrüumc, um sich zu überzeugen, daß Alles am richtigen Ort sei, denn die Mehrzahl seiner Leute war ain Sonntag Nachmittag nicht daheim. Erst als er sich versichert, daß Alles in Ordnung sei, begab er sich wieder hinein in'S Zimmer. ״DaS ist ein großmüchtigeS Wetter," bemerkte die Blinde, ״ich verspüre sogar das Blitzen." Der Toni ging, die Arme auf dem Rücken ineinandcrgeschlungen, in bem weiten Räume auf und nieder. Er hatte das Haupt gesenkt, die sonst so glatte Stirn in Liefe Falten gezogen. War es das unangenehme, ihm unerklärliche Benehmen seiner Braut, daö ihn so finster dreiuschanen ließ? Im Zimmer herrschte Dämmerung, obgleich der Abend noch ziemlich fern war; lallt prasselnd schlug der Regen an die Scheiben. Eben fuhr wieder ein Blitz in grell leuchtendem Zickzack hernieder, und fast im selben Moment folgte wild rollend ein Donnerschlag, als ob die Erde in ihren Grundfesten erbebte. ״Herr Gott, wie grausig!" murmelte die Blinde. ״Fürchtest Dich arg, Marie?" fragte der Toni,; indem er bei ihr stehen blieb.! ״Bor'n.l Gewitter fürchte ich mich nie," versetzte! Mirjam. (Fortsetzung folgt.)

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