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Jeschurun · 1883-04-19 · Heft 16-17 (19.4.1883) · p. 243

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 16-17 (19.4.1883)
Article
Die jüdische Frühlingsmahnung
Date
1883-04-19
Page
243 (sequence 3)
Language
German
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irdische Macht hat Gewalt über ihn, Gott, dem er sich geweiht, führt Tod und Vernichtung an seinem Haupte schonend vorüber, während die ihn Umgebenden untergehen. ,,Gott als Herrn dcö Weltalls und als Herrn und Meister dcS Geschickes und der Handlungen der Menschen, das ist die große Lehre, die in Egypten der Menschheit verkündet worden ist." Jahrtausende sind seitdem dahingeranscht und noch immer ist diese Lehre nicht zur Anerkennung in allen Menschenkreisen gelangt; noch immer flicht man der Gewalt Kränze, noch immer glorifizirt man die Macht der Menschen. Trotz des fortschreitenden Sieges dcS Rechts- und SittlichkeitSbewußtseinS unter den Völkern ist dennoch nicht immer und nicht überall der Schwache geschützt vor der Unterdrückung durch den Starken. Und weil der Mensch nur allzusehr geneigt ist, auf seine Macht und Einsicht zu bauen und GotteS zu vergessen in Natur und Geschichte, darum mahnt nnS wohl daS GotteSgesctz wiederholt, eingedenk zu sein, daß zur LenzcSzeit, ״im Halmmonat," unsere ErlösnngSstunde schlug, daß כחדש האביב ®ott uns aus Mizrajim herausgeführt hat. Und diese Pflicht der Wahrung dcS HalmmonatS ist so bedeutend, daß daS Pcßachfcst stets mit dem Frühling zusannncntrcsfen muß. Der vierzehnte Nissan muß immer in {תקופת נים fallen. Da unsere Monate nach dem Mondlaufe festgesetzt sind, so bedurfte es zur strikten Jnnehaltung dieses Gebots der Einrichtung unseres Kalenders, in welchem durch Einschaltung von sieben Schaltmonaten während eines Zyklus von neunzehn Jahren, dieser Ausgleich zwischen Mond- und Sonncnjahrcn in vollkonnnenster Weise vollzogen wird. DaS Peßachfest eines Schaltjahrs bringt uns darum um jo eindringlicher die Mahnung, daß Gott nicht nur in der Natur, daß Er auch im Kreise der Menschen walte lind stets zu neuem Leben, zur Auferstehung und Freiheit rufe und lvecke, daß in Seiner Hand die Fäden der Geschichte ruhen, und daß Er es verheißen: die Erlösung der Menschheit herbeizuführen, den Tag, an wclchcnt daS Hallelujah nicht -nur auö dem Hymnus der Natur erklingt, sondern wo alle Menschen jubelnd in denselben einstinuncn, da sie GotteS Allmacht und Güte in der Geschichte erkannt und anerkannt haben, ״ כי ננר עלינו הסדו ואמת ה׳ לעולםdenn mächtig war über uns Seine Liebe, und die Treue GotteS waltet immerdar." Mag bis zu diesem Frühling der Menschheit auch noch ilianchcr Wintcrsturm durch die Welt brausen und auch Israel nicht verschont bleiben von seinem Toben, — denen, die in Wahrheit das Peßachfest feiern, ist ein ewiger Frühling längst aufgegangen, der nicht berührt werden kann von dem Stürmen draußen, — sie erheben den Kelch und preisen Den, der nnS die Sklavenfessel für immer vom Nacken genommen und nnS geführt hat zur Freiheit, zum ewigen Lenz! Slilünroilisliic Zprillljilitlsljkit. Von Samson Raphael Hirsch. (Fortsetzung.) VI. Eltern und Kinder. ES ist daher bei dem Ausdruck -,ים keineswegs zunächst an Züchtigung, zu allerletzt an körperliche Züchtigung zu denken. DaS Wort selbst ist ja mit יצר, bilden, formen verwandt, und bezeichnet die Umschräukung und Zurückführmtg von geistigen und sittlichen Kräften auf das Maß und in die durch die Bestimmung gewiesenen Grenzen. DaS Wort entspricht dem Begriffe sittlicher Bildung. So heißen יכו׳ die Vorstellungen und Ermahnungen, die (K. 31, l—9.) eine Königin- Mutter an ihren Sohn den König' richtet über densittlichen Wandel, der von ihm als König zu erwarten ist, und über die Aufgaben, die er als König zu lösen hat.' Und so gewiß, das ויפרו אותו beim בן פורר ומורה und 5) מוצ״א שם רע. B. M. 21,18. und 22, 18.) י körperliche Züchtigung bedeutet, so gewiß wird doch auch die belchrungS-, prüsungS- und entbehrungsreiche Erziehnng in der Wüste (das. 8, 5. und 11,2.) יפר und מופר genannt, so wie der Zweck der numittclbarcn GotteSoffenbarung auf dem Sinai (das. 4, 38.) als ליפרך bezeichnet, und מופר steht in unseren Sprüchen immer als praktische'Siltcutchre der theoretischen Weisheit הכמה zur Seite. (So K. 1, 2. 7. 23, 23.) Ebenso ist bei שבמ nicht immer an ״Stock" zu denken. Es bezeichnet ebensowohl eine jede Besserung erzielende Verhängung von Leiden, Entbehrungen :c. So ja namentlich die durch Leiden erziehende Gottcswaltung, (Sam. LI. 7, 14. Ps. 89, 33, 23, 4. u. s. w.) Es ist daher auch in unseren Sprüchen unter שבס zunächst überhaupt nur eine jede dem Kinde sein nurcchtcS Vcrhalten schmerzlich fühlbar machende Einwirkung zu verstehen. Denn eine solche Einwirkung ist nicht zu umgehen und deren Unterlassen, namentlich in den Jahren frühester Kindheit, ein sich schwer rächender Fehler. Allein cö bedarf da mcift weder dcS Stockes noch der Ruthe. Die Versagung eines sonst wohl gcwährten bescheidenen Genusses, eines dem Kinde lieb gewordenen Anzuges 2c. :e., ja bei nur einigermaßen besser gearteten Naturen, die Versagung eines freundlichen Mutter-Blickes, die Betrübnis; der Mutter über die Unart deS Kindes ist bei der rechten Erziehung meist שבט genug, und heißt es dabei ganz besonders

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