Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 14 (5.4.1883)
- Article
- Salomonische Spruchweisheit
- Date
- 1883-04-05
- Page
- 212 (sequence 2)
- Language
- German
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212 bcs Kindes die Mutter geleistet. Geräth nun das Kind und cs haben die Ettern die Freude, einen wohlgerathencn, weisen Lohn den Ihrigen nennen zu dürfen, dann hat der Vater mit vcrhältnißmäßig kleinen und leichten Einsätzen ein großes LooS gewonnen. Wird aber das Kind ein בסיל, ein ungerathener, unweiscr Mensch, wer ermißt den Kummer einer Mutter, sich sagen zu müssen: 1u1b für einen solchen zu'nichts Vernünftigem und Guten! brauchbaren Menschen, für einen solchen כסיל, habe ich leiden- und schmerzensreiche Monate, und sodann jahrelang sorgenvolle Tage und schlaflose Nächte verbracht und habe meine besten körperlichen und geistigen 5traste jiir sein Gedeihen eingesetzt — und was habe ich damit erreicht — einen פפי־ל! Nicht umsonst fügt unsere SpruchweiSheit dieser Betrachtung sofort die Wahrheit hinzu: 'Nicht aber in Gesetzlosigkeit erworbene Schätze bringen Heil, Pflichttreue rettet vom Untergang (das. 2.), um den Elteru zu sagen: Wollet ihr aber Freude an euren Kindern erleben, so sorget nicht in erster Linie dafür, daß sic reich, fonbern, daß sic brav und gottcSfürchtig und dem göttlichen Gesetze pflichtgetrcuc Menschen werden, denn nur so begründet ihr ihr Heil und schützet sie vor Untergang. Anfang und Blüthe alles Wissens ist Gottesfurcht, Weisheit und Zucht verachten Thoren, mit diesem Satz beginnen unsere Sprüche. (K. I, 7.) Seines Vermögens beraubt den Vater, ihrer Häuslichkeit die Mutter Ein Scham und Schande bringender Sohn. (K. 19, 25.) Der Ausdruck ist noch stärker: יבריח ,משדד, plündert, verjagt. Allein wir glauben cS sei damit gesagt: Die Schande und der Schimpf, den ein ungcratheuer Sohn den Eltern bringt, nimmt dein Permögen des VaterS allen Werth und der Mutter alle Freude an ihrer Häuslichkeit. Er bewirkt, daß sich der Vater ar!n und die Mutter wie obdachlos fühlt. מביש und מחפיר heißt eigentlich: Der die Erwartungen der Eltern täuscht und sie mit Schreck deS Vergeblichen, vielleicht auch deS Mangelhaften ihrer Erzichungsbemühnngcn inne werden läßt. בוש bezieht sich in der Regel aus die Zukunft, חפר aus die Vergangenheit. Wer einen Unweisen erzeugt, bem gereicht er zum Kummer, Und keine Freude hat deS Nichtswürdigen Vater. (K. 17, 21.) Verdruß dem Vater ist ein nnweiser Sohn Und LcbcnSvcrbittcrung seiner Gebärerin. (K. 17, 25.) בעס, Zorn, Verdruß ist eine mehr bei besonderen Veranlassungen sich wiederholende Erregung, ממר von מרר, oder מרח (wie מרח רוח) eine die ganze Empfindung dauernd beherrschende Stimmung. Der Mann wird durch den äußeren Verkehr und seine Berufsthätigkeit vielfach abgezogen. Die Frau kann fast bei allen ihren Beschäftigungen ihren stillen Gedanken und Empfindungen uachhängen. Darum ist die Verstimmung weiblicher Gcmüther tiefer und anhaltender. Die höchste Freude hat der Vater eines Gerechten, Auch der Erzeuger eines Weisen hat Freude an ihn!. (K. 23, 24.) Vater eines Mannes zu sein, der als Pflichtbewußter, pslichtgetrener Maun sich im Leben bewährt, das ist die höchste Freude, das ist, (wie das Wort יל) verwandt mit 7^ל eigentlich heißt) die Freude, die sich laut äußern darf: Denn erst im Leben erprobt sich der wahre geistige und sittliche Werth. Erst das rechte Leben ist der Beweis für das rechte Wissen. Auch der Vater eines Weisen darf sich freuen, denn er darf hoffen, daß das Leben seines Sohnes im Einklang mit seiner Weisheit bleiben, und der Sohn im Leben das nicht verleugnen werde, was er tui Wissen der Wahrheit erkennt nnd lehrt. # Wollen aber Eltern daS Glück, weise und gerechte Kinder zu haben, genießen, so müssen sie sich ein solches erwerben, müssen die geistige und sittliche Einwirkung auf das Kind früh beginnen, nnd dessen geistige und sittliche Wohlfahrt Gegenstand ihrer ernsten Vorsätze sein lassen. Was, mein Sohn, was ntcines Schooßcs Sohn, Was Sohn meiner Gelübdel (K. 31, 2.) beginnt die ermahnende Vorstellung einer KönigSmuttcr an ihren Sohn, den König. An die geistige und sittliche Zukunft deS Mannes hat die wahre Mutter bereits gedacht mib ihr fürgesorgt, als er noch in ihrem Schooße ruhte, und mit eritsten GelobmtgSvorsätzcn seinen Eiittritt in die Welt des Hierseins begleitet. Er ist der Sohn ihres Schooßcs und der Sohn ihrer Gelübde. Es ist nicht gleichgültig, mit welchen Gedanken, Empfindungen und Gefühlen eine Mutter ihr Kind im Schooße trägt, mit welchen Gedanken, Entpfindnngen und Gefühlen sie ihm die Muttermilch reicht. DaS: ״mit der Muttermilch ciugesogen haben," ist kein bloßes, leeres Wort. Zu der Mi!de oder Heftigkeit, zu der Sittlichkeit oder Sinnlichkeit, zu dem sittlichen Adel oder der sittlichen Gemeinheit deS künftigen Menschen,- legen die Gedanken und Gesinnungen, welche die Mutter ersüllcn, schon zu der Zeit den Keim, die noch das Kind in leiblichen! Zusammenhänge mit der Mutter umfängt, und es gehören ernste, vernünftige Vorsätze der Mutter dazu, das Kind früh an die sich selbst beherrschende WillcnSrichtnng zu gewöhnen, von welcher das leichte Gelingen der künftigen Erziehung bedingt ist. Und ist nicht die Mutter das erste menschliche Vorbild, daS der jungen, zum geistigen und sittlichen Bewußtsein erwachenden Seele zeigt, welchem Ideale