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Jeschurun · 1883-04-05 · Heft 14 (5.4.1883) · p. 211

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 14 (5.4.1883)
Article
Judenthum und Bibel auf der Anklagebank im Hause der Abgeordneten
Date
1883-04-05
Page
211 (sequence 3)
Language
German
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211 bn$ müßte er ja sein, eine geradezu polizeiwidrige Dummheit. eine bei einem Fälscher geradezu undenkbare Tölpelhaftigkeit Zutrauen, die kinderleichte Beseitigung einer Verschiedenheit zu unterlassen, die doch jeden! Kinde in's Auge fallen mußte. Und deshalb glauben Sie, an der Realität dieser biblischen siamesischen Zwillinge noch vorläufig zweifeln zu müssen? Darauf kann ich Ihnen nur mit einem Hinweis auf das oben angeführte schöne Diktum des Herrn Gebeimraths antworten: Vergessen Sie nicht, ״diese alten Leute!" — die Leute waren halt damals noch sehr, sehr dumm. Ich mus; Sie überhaupt darauf aufmerksam machen: Dummheit bis in bedenkliche Nähe des Idiotenthums ist eine Haupteigenschaft, mit der die interessanten ״Verfasser" sowohl als die ״Bearbeiter" von ihren Entdeckern sreigebigst ausgestattet werden. Wenn Sie nicht an dieser Dummheit, namentlich der letzteren, selbstverständlich der ״Bearbeiter", krampfhaft sesthalten, so sind Sie verloren, näutlich für das Verständnis; dieser trefflichen Zwei-SeelemTheorie. Sie meinen, man könne das doch eigentlich keine ״Theorie" nennen, was doch nur ein zientlich ungeschlachtes handwerkerliches Manipnliren sei'? Dieses Zerschneiden eines Schriftwerkes sei doch eigentlich ein ganz äußerliches Verfahren, das von vorn herein darauf verzichte, in den Geist desselben einzudriugen, ein Zerhauen eines Knotens sei doch niemals im Ernst für eine Auflösung desselben gehalten worden. Und dann werde doch auch derselbe Jakob und dasselbe Israel sowohl ״Jakob" als ״Israel" genannt, konsequent müßte man also einen ״Israelisteu" und einen ״Jakobisten" kreiren; ebenso spreche Gott von sich bald als ״Am", bald als ״Auochi", folglich wäre auch ein ״Anist" und ein ״Anochist" in die Zahl der biblischen Autoren zu registriren! Da kann ich Ihnen wiederum nur sagen, was Herr Virchow so schön dem Herrn Stöcker sagte: Sie stecken eben noch zu tief im Iudenthnme, Sie denken zu semitisch, Sie müssen erst ihren alten Adam abziehen, um diese ״Ergebnisse" für wahr halten zu können. Denn in die Fußtapsen des Dr.' Astruk ist ja die ganze sich wissenschaftlich nennende Bibelforschnng getreten. Die Genesis und nach ihr der Pentateuch und sodann die ganze Bibel sind seit dem nicht unter dem Messer der theologischen Ehirurgen, oder vielmehr Anatomen heransgekommen. Denn die vielbändigen Werke, iu denen die stupendeu Resultate der gelehrten ״Forschungen" aller dieser Kirchen, später auch Synagogenlichter, bis auf Ewald, den phantasiereichen Verfasser einer Geschichte des israeiitischen Volkes, und Geiger, den noch phantasiereicheren Verfasser der famosen ״Urschrift und Ucbersetzungen der Bibebin ihrer Abhängigkeit von der inneren Entwickelung des Indenthnms", niedergelegt sind, sind nichts als Protokolle über angebliche Sektionsbefunde. Nur daß gewöhnliche Anatomen sich begnügen, den natürlichen Organismus in seine natürlichen Theile zu zerlegen, während diese theologisch-philologischen Anatomen die unter ihrem Messer befindliche vermeintliche biblische Leiche willkürlich in so und so viele Stücke und Stückchen zerschneiden, um alsdann diese Stücke und Stückchen nach Belieben zu!villkürlich ersonnenen Koustruktioussigureu zusammen-;«setzen. Verzeihen Sie, wenn aus den verheißenen zwei Worten mehr als zwei Seiten geworden sind. Auf der verheißenen Höhe der Wissenschaft befinden Sie sich übrigens längst. Ich habe jedoch in einem folgenden Artikel noch ein Paar Punkte zu berühren, die zur Beschönigung eines so durch und durch nnwissenschaftlichen Verfahrens vorgebracht worden sind, und sodann auf die wissenschaftliche Lösung aller dieser vermeintlichen Schwierigkeiten hinzuweisen, durch welche dieser gcsammten biblischen Kritik aller und jeder Boden entzogen ist, so daß ihr ganzer pompöser Bau wie ein Kartenhaus zusammenstürzt. M. H. ZMllMisljcit. Aon Damson Raphael Hirsch. (Fonsrtzung.s VI. Eltern und Mnder. Wiederholt und angelegentlich heben die Sprüche das Glück und die dauernde Lebensfreude hervor, welche Eltern durch wohlgerathene Kinder erblüht, und demgegenüber das fast alles andere Lebensglück nnd alle Freude verscheuchende Unglück, welches mißrathene Kinder den Eltern bereiten, auf daß Eltern das Ihrige thun und Alles aufbieten mögen, um sich jenes Glück zu sichern und dieses Unglück von sich abzuwendcu: Ein weiser Sohn erfreut den Vater, Und ein unweiser Sohn ist der Mutter Kummer: (K. 10,1.) Wenn hier die Freude an dem wohlgerathenen Sohn dem Vater, der Kummer über den mißrathenen der Mutterzugesagt wird, so dürste dein vielleicht die Betrachtung zu Grunde liegen. Die Opfer, die der l Vater für das Kind;u bringen hat, erreichen nicht : entfernt die Größe und Schwere dessen, was die! Mutter opfer- und entbehrungsvoll bem Kinde leistet.; Mit dem ersten Anfänge seines Daseins beginnen für! die Mutter schmerzensreiche, entbehrung-volle Monate ■ und Jahre, und wenn der Vater dazu kommt, auch! feine unmittelbare, persönliche Fürsorge und Bemühung! dem änsblühenden (Gedeihen des Kindes zuwenden zu können, daun hat bereits jahrelange unausgesetzte! Hingebung fi'tr die leibliche, geistige und sittliche Pflege 554133

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