Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 13 (29.3.1883)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1883-03-29
- Page
- 204 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- spine
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204 norgctegcncn Werke mit der ganzen Strenge benrtheiltc, i die ihm seine amtliche Stellung yiv Pflicht machte.! Wenn mm ein nichljü di scher Gelehrter, der berufSgc- , maß der jüdischen Vitcratiu* gegenüber einen streng : kritischen Standpunkt cmzunehmeu hatte, der am Schlüsse dieser Schrift ausdrücklich erklärt, kein ,.Fürsprecher des Talmud zu sein oder für ihn;u streiten", cs sich einzig und allein im Interesse der Wahrheit zur Ausgäbe gemacht, mit seinem vielseitigen Wissen die ״ans Unwissenheit oder Nebenabsicht, and Parteilichkeit oder Vornrtheil" gegen den Talmud gerichteten Anklagen zu cnlkrüsten, so ist dessen Arbeit von besonderem Werthe, der noch dadurch erhöht wird, daß sic, wie and den Worten des Verfassers ersichtlich ״durchaus nicht mit der Absicht unternommen wurde, um sie zum Druck zu befördern." Dieselbe war nämlich der in Prag am -l. Juni 1.4U2 geschriebenen Dedikation gemaß durch die Acußcrung eines Freundes des BerfasscrS veranlaßt, der einmal bemerkte: ״Ich kann nicht leiden, wie Jemandem Unrecht geschieht; unter anderen habe ich auch tu meinem Leben viel für und wider die jüdische Nation gehört und gelesen; meinerwegen sehen sie nicht ganz tadelfrei), woran einzelne nichtswürdige Mitglieder Schuld sehn mögen, was jedoch nicht ans den Charakter der ganzen Nation zu rechnen ist, aber nach meiner Bemerkung, seitdem sie in allen Thcilen der Welt im Clendc und im Druck zerstreut leben, haben ihr doch allerhand Feinde viel unverdiente Drangsalen, viel Mißwaudc verursacht, und Dinge anfgebürdet und angedichtet, die bei keinem gesunden Menschenverstand Eingang finden können. Man muß sich wundern, daß selbst besser denkende Lenthe;. B.!loch glauben, die Juden hätten zu ihrem jährlichen Osterfeste Christenblut nörhig, und gingen mit selben so sparsam um, daß sie sich's einander in Federkielen mittheilen: gehet nun ein Chrisleuknabe verloren, und eS wohnen Hebräer da, so heißt cs gemeiniglich: dicß werden die Inden gclhan haben. Cinem beh Christen schwörenden Inden glaubet man nicht, daß er einen ächten gültigen Cid abgelegt habe. CS giebt vielleicht keine Absurdität, die man nicht allS deiri Talmud hergeleitet wissen ivollte, und dergleichen Thorheiten mehr, die nicht werth sind, erwähnt zu werden, weil sie den Stempel der Unwahrheit tragen." Diesem Freunde überschicktc der Autor sein Manuskript, mit dem Bemerken: ״cS soll!ticht gedruckt werden, sondern Ma nnskript bleiben." Da den Judenfeinden kein Karaklcr zn rein ist, um ihn nicht durch ihre Verdächtigungen zu besudeln, wollten nur das, was anS der Schrift über ihre Veranlassung zu entnehmen ist, nicht unerwähnt lassen, obwohl auch aus dem Umstande, daß sic bisher völlig unbekannt geblieben, hervorgcht, daß sie nicht von jüdischer Seite provozirt war. Die Schrift ist, wie aus dem Vorworte des -Herrn E. Baumgarten in Wien ersichtlich ,,durchwegs autograph, von einer schwarzgelben Seidenschnnr durchzogen und mit dem Amtssiegel versehen. Sie gelangte in den Besitz des BibliothekbcsitzerS Salomon Noseuthal in Pest, aus dessen Berlassenschaft sie im Jahre 184.5 von einem Gelehrten erworben wurde. In diesem Momente befindet sich das Manuskript im Cigcnthum eines Bücherfreundes in Wien." Der Verfasser führt zur Begründung seines UrthcilS, daß der Talmud ,,Freundschuft und riebe gegen seinen Nächsten, thätigc Hebung der Tugenden und Abscheu der Laster lehrt, Gehorsam gegen den LandcSherru und dergleichen mehr sehr besiehlt" viele Sätze auS dem Talmud an und reproduzirt ein im Jahre 1 707 von dem berühmten N. IecheSkel ׳Landau und den Mitgliedern des damaligen Prager; NabbinatskollcgiumS veröffentlichte Publikation, in der : gezeigt wird, daß wir dem Talmud gemäß gegen die Völker in deren Mitte wir wohnen, nicht bloß zur strengsten Rechtlichkeit sondern auch zur Crfüllung der in das (Gebiet der Menschenliebe gehörenden Anfordcr- ' nitgcn verpflichtet sind. Höchst interessant ist auch die Art lind Weise, in der der gelehrte Verfasser anö; naturwissenschaftlichen und ethnographischen Werken einige schwierige agadische Talniildstellen allS Baba j bathra 7:1 b 74 a zu erklären sucht, und von beson-! dcrcm Werthe sind die in dieser Schrift gcsainnieltcn Urthcile vieler hervorragender nichtjüdischcr Autoren über den Talmud, woraus wir z!vci auch auf die gegenwärtigen Verleumder des Talmud passende Bemcrkungen hier anführen wollen. Seite 14 sagt der Verfasser: ״Cs giebt sogar solche, die über deil Tallillld mit unsinnigen Urtheileu hcrfallcn, ohne selbst deil Talmild gesehen, geschiveigc denselben gelesen zu habeil. Ueber diese hat scholl TheodorikuS Hackspaniliö iil feinem Traktat rt<* usu librorum Ral)binir.01־um. Seite :■bi2, mit dem Schickard allS der Vorrede zu dem hebräischeil Werk BechiuaS Happerllschiilt auf folgende Art exklamirct .O! wie häilsig ist heutzutage die Vernlessenheit der Halbhebräer, welche, danlit man dafür halten solle, sie!)ätten die Rabbiner gelesen, rühmen sie die Majmonen, Nachmailen, Aden CzraS, Bcchajcn, N. Salomonen, ja . sogar auf den Talmild berufen sie sich, voll denen sie doch | nie etwas, ich sage, nicht ein mal nur obenhin gelesen,; weder kaum gesehen haben, so daß, wenn sie Jelliand , nur voll der äußerlichen Gestalt des Buches sragclt möchte, sic vielleicht ailtlvorten würden, daß dieselben ' in Oktavform, wie man'S nennt, gedruckt worden/ ״Auf . eine ähnliche Art spricht LanrenliuS Fabrieius an! Cndc seiner zu Wittenberg clc׳ Rl-!-. Studio gehaltenen Rede:; .Solchen uilwisseilden Lelithen widcrsährt eS, daß, wenn 1 sic ein hebräisches Buch angesehen haben, kallm zu i unterscheiden vermögen, welches die Köpfe und Füße