Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 13 (29.3.1883)
- Article
- Aktenmäßige Darstellung der jüdischen Zustände in Rußland
- Date
- 1883-03-29
- Page
- 202 (sequence 2)
- Language
- German
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202 Juden, die 111 solche Verbünde eiutreten wollten, waren gcnöthigi, Zeugnisse von Kaufleutcn, von der Ortspolizci, vom Nalhhaus, von Fabrikanten, von Haus- oder Gutsbesitze!׳!! bcizubringen, um mit Sicherheit zu wissen, ob die Juden ivirklich, oder nur zum Schein in solchen Arbeiten thütig sind, auch Atteste über ihren Wandel und ihren Charakter :e. Und um diese Gesetze vor Nichtbeachtung oder Umgehung;11 schützen, wurden die Fabrikanten und sonstige Einwohner mit schweren Strafen bedroht, das; sie in den den Juden auszustellenden Zeugnissen nicht von der Wahrheit abweichen sollten, .stur;, mit der Schöpfung solcher ״Verbände von Nichtmeislern" ries man;ugleich endlose Erschwerungen hervor. So viel aber bekannt geworden, ist nicht Einer dieser Verbände in's Veden getreten, und das Gesetz vom Mm hat in Wirklichkeit die Juden ganz und gar von den erivähnten Werkthätigkeiten ferngchalten. Gleichwohl hat Graf Stroganow, der General- Gouverneur in Bessarabien und in Neurnßland war, sich in der allgemeinen Gesetzsammlung Nr. 42,20 4 also ausgesprochen: ״In unserer Zeit neue Gesetze zur Beschränkung der einheimischen Juden zu erlassen, entspricht weder dem Geist der Zeit, noch dem gegenwärtigen Ziele der Regierung, welche sich bemüht, die Juden mit den ursprünglich einheimischen Vaudesbewohnern einheitlich zu verbinden; darum ist mein Nath, den Juden die Erlaubnis; zu ertheilen, in der ganzen Weite des russischen Reiches sich uiederzulassen und ohne Beschränkung nach den für alte russischen Eimvohner bestehenden Gerechtsamen und Gesetzen in -Handel und Wandel erwcrbsrhätig zu sein, ganz nach ihrer Wahl und Neigung und nach der Anlage ihrer Eigenthümlichkeiten und Geistesrichtuug." Um aber zu zeigen, wie erlogen die Anklage unserer Feinde und Gegner ist, als ob wir Feinde der Arbeit und Werkthätigkeit wären, können wir darauf Hinweisen, daß im Widerspruch mit dem Gesetze vom Jahre k 84(>, das den Juden aufs Strengste das Wohnen in den Gouvernements Mohilew, Witebsk verbietet, sich die Negierung gedrungen sah, ihnen die Erlanbniß zu ertheilen, in diesen Gouvernements an dem Ehausseebau zu arbeiten, und später im Jahre 1851 sah sich S. Majestät der Kaiser bewogen, unter anderen Bestimmungen, die damals von dem Minislerrath ergingen, zn verfügen: ,.Um den Edelleuten im Gouvernement Kurland die Aufgabe des Wegebaues zn erleichtern, haben wir cs für dringend gesunden, auf Ansuchen dieser Edellcute den Juden aus dem Gouvernement Kowuo die Erlaubnis; zn ertheilen, dorthin zu kommen, um am Wegebau als Tagelöhner zu arbeiten, jedoch unter der Bedingung, daß nach Beendigung ihrer Arbeit sie wieder in ihre Heimath zurückkehrcn und keinen bleibenden Wohnsitz im Gouvernement Kurland nehmen können." (Allgem. Gesetzsammlung Thl. 226, Nr. 25, 26.)^) (Fortsetzung folgt.) * In Nr. 12 ״Alkeiimäßige Darstellung der jüdischen Jiistäude in Niistland" ist;11 berichtigen: Seile 185, Zp. 1, 3.!.'» von unten ft alt 10000 — 70000, .. 21 .. ,2 .. ״ von oben statt Gossen -- Gassen, ,. 2 ״ ״, I. 26 v. o. statt gewonnen — genommen, .. .. 2, 10 ״ v. u. statt Banbrowöki — Bobronwki. ,. 180 .. 1, 6 v. u. statt Tuöbtiiski -- Jnbinsky. Kollektiv-Bericht»׳ au# Ungarn. VIII. Ich habe in meinem jüngsten Berichte von der sich kundgcbenden Rührigkeit im Vager der konservativen Slatns-ono-Gemeinden en passant Erwähnung gethan; wir wollen nun dieser ״Rührigkeit" nachgehen und ihr auf den Grund schauen. ״Hilf Dir selber und der Himmel wird Dir helfen," unter dieser Devise hat schon zu wiederholten Malen die ״Parteilose" in die Stnrmposaune gestoßen, um ihre Gesinnungsgenossen zu einer allgenieincn Vcrsanunlung eiuzuberufen. in welcher eine gegenseitige Verständigung augebahnt und über die Mittel berathen werden sollte, ivic das Werk der Befreiung von den! Terrorismus, der von mancher Seite gegen dieselben geübt wird, am praktischsten durchzuführcn wäre. — Trotz der verlockenden Parole waren bisher alle diesbezüglichen Versuche von einem Mißerfolge begleitet, den mit uns Viele vorhergcseheu haben, und zwar aus mehrfachen Gründen. Erstens waren diese ״Aufrufe" nicht von den allgemein anerkannten Vertrauen eriveckendcn Namen unterzeichnet oder autheutizirt. Es ist wohl möglich, daß hinter den Kulissen maßgebende Persönlichkeiten gestanden haben, doch ein Hinterhalt, der den Mtith nicht hat, mit osfcnem Visir vor die Bresche zu treten, der taugt nicht zum Kamps איש הירא ורך הלבב ילך וישב ביתו. Zweitens haben die ״Aufrufe" nicht mit den gegebenen Faktoren gerechnet. Es war, gelinde gesagt, ein falscher Kalkül, die Status- <lU׳>-Gemei11del1 aller Gesinuungsrichtnugen zu einer ״gemeinsamen" Berathung cinzuladen. Eine solche Versammlnng hätte einen .Kongreß <m miniatn!׳ abgeben und neue Sturnlwotkcn heraufbeschwörcn müssen; denn Iljhely und Kaposvür können nie und nimmer gleiche Wünsche hegen, gleichen Prinzipien huldigen, gleiche Interessen vertreten, gleiche Wege gehen, und die Einen wie die Anderen mußten vernünstigerweisc der projektirten ,.Versammlung" ferne bleiben, damit sie der Vorwurf nicht treffe לא להנש הלך הזרזיר אצל העורב אלא שהוא בדנו. —-Und drittens giebt es auch im Weichbilde der Statns-cino-Autouomistcn gar viele superkluge Herren Gernegroß, welche einem Rufe schon