Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 13 (29.3.1883)
- Article
- Aktenmäßige Darstellung der jüdischen Zustände in Rußland
- Date
- 1883-03-29
- Page
- 201 (sequence 1)
- Language
- German
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M 1\ Jeschnrnn. 201 AkitNüläsMe Darßrilling der lli^ifdjcn Münde in M)lnnü. (Fonsttzmlg.) II. lieber den Ackerbau der Juden. Biö zum Jahre 1861 ^ab es ein wunderbares! Gesetz, das den Erwerb von Land den Juden an ans-! gesucht harte und drückende Bedingungen knüpfte, zumal da bis dahin noch die Leibeigenschaft in unserem Lande in voller Kraft bestand und es nach den damaligen ökonomischen Berhältuissen säst unmöglich war, Geld , ans den Landbau zu verwenden, um mit Leuten zu - konknrriren, die unentgeltlich ewige Knechte hatten. ׳)!ach 1801, als die Leibeigenschaft in Rußland auf-! gehoben war, fingen Inden in den westlichen Gegenden j an, Ländereien zu erwerben. :Iber sofort wurde im j Juli des Jahres 1604 das Gesetz erlassen, das den j Inden verbot, Land in diesen Gouvernements zu erwerben: i und dieses Gesetz erging damals in Folge einer falschen j Beschuldigung wegen des Polnischen Aufstandes, an; welchem in Wahrheit die Inden sich in keiner Weise j belheiligt hatten, vielmehr ihrem Kaiser und ihrem J Gebnrtslande in hervorragender Weise treu geblieben! waren. ן Wenn gleich die Negierung selbst einige Male den! Versuch machte, jüdische Kolonien 511 gründen und die j Juden dies mit besonderer Liebe und Freude anfnahinen,; so konnte das Unternehmen doch nicht gelingen durch j die Schuld der Negierungsbeamten, die für die Ans- - führnng desselben bestellt waren, insbesondere, weil die > Kolonien nicht in den von Inden bewohnten Gonverne-; ments gegründet wurden, wie in den ihnen bekannten! westlichen Gouvernements, sondern in Nenrnßland und; Sibirien, Gegenden, die ihnen von je unbekannt waren. j Wir halten es für überflüssig, ausführlich das 1 Borgehen der Negierung mit den Kolonisten darznstellen, cs würde dies ein ganzes Buch erfordern. Es mögen j uns die Doknntente über die Ergebnisse der Unter- '! suchung des Verfahrens des von der 'Negierung zur : Versorgung der jüdischen Kolonisten bestellten Bureaus; genügen. Diese Untersuchungen ergaben, daß viele! Juden Jahre lang in wüsten Gegenden sich nnstäl; hernmtreiben mußten und vergebens ans den Augenblick harrten, daß ihnen von deut Bureau ein Sn zur bleibenden Niederlassung angewiesen werde. Vom Juli 1611 bis März 1612 erhielten diese Fremdlinge j in ihren: Ausenthaltsorte keinerlei Unterstützung, um : sich das Leben zu fristen, obgleich das für sie angewiesene Geld unter die Ausgaben in den Büchern des Bureau's aufgesührt ist, wohin aber und für wen das Bureau eine so bedeutende Summe verausgabt hatte, konnte man nicht angeben und Nachweisen. Gleich׳ wohl hatten die Beamten die zur Versorgung der Juden Bestellten gezwungen, mit ihrer Unterschrift zu bezengen, daß sie das für ihre Ausgaben bestimmte Geld vollständig empfangen hätten, obgleich ihnen in Wahrheit nicht das Geringste gegeben worden war, sie aber wurden durch Androhung von Gesängniß und AehnlicheS zur Unterschrist genöthigt. Ganz wie die (Geschichte dieser Kolonisten zur Zeit der Negierung des Kaisers Alexander I., war die Kolonisation im Jahre 1811 unter der Negierung deS Kaisers Nikolai L und nahm ganz denselben Verlauf. Die Kolonisten waren wie Leibeigene in der Hand der Beamten, die sie selbst mit Leibesstrasen :e. heimsnchten, aber nicht das Geringste wurde ihnen gegeben, um sie in der ersten Zeit ihrer ׳Niederlassung zu unterstützen. Gleichwohl sind noch bis ans den heutigen Tag viele dort ans ihren: Acker geblieben. Hätte die Negierung den Inden den Landban unter günstigen Bedingungen gestattet, hätten die mit ihrer Beaussichtignng Betrauten sie mit Nedlichkeit und Einsicht behandelt, die Riederlasftingen der Inden befänden sich jetzt in einen: gewiß sehr guter: Stande. Der bekannte Schriftsteller Slanwlinski, der persönlich Untersuchungen und Nachforschungen in dieser Angelegenheit angestellt hat, kommt in seiner Zeitung russki westnik von: Monat August 1676 zu folgenden: Urtheil: ״Jä) habe in dem Kreis Wilna mit eigenen Angen Inden gesehen, die mit tüchtigem Fleiß das Land nie die von jeher ackerbauenden Eingeborenen bestellen. Mit Hülse des Landbans könnten die Juden ihre jetzt sehr in: Argen liegenden Zustände verbessern. Allein, n:an :nüßte sie zu dieser Beschäftigung in ihrer Heimath, wo sie ihren ständigen Wohnsitz haben, anleiten, nicht aber in Gegenden, die weit entfernt von ihren heimathlichen Wohnsitzen liegen." l!!. lieber die Verbreitung der Arbeit und des Hand- Werks unter den Inden. Arbeiter. Brückenbauer, Ackerbauer, Zinunerineister, Holz- und Steinhaner, Tagelöhner und Fabrikarbeiter wurden nach dem Gesetz von: 5. Mai 1852, welches als Zusatz zu den: $ 150:} des N Theils der allgemeinen; Gesetzsammlung erschien, gezwungen, diese ihre Arbeitslhätigkeit niederzulegen und sie den Händen ihrer Feinde, der nichtjüdischen Arbeiter, zu überlassen, die hocherfreut darüber waren, daß eS ihnen endlich gelungen war, j sich von der Konkurrenz der iht:en verhaßten jüdischen * Arbeiter frei zu machen. ' Um die Inden von dieser Arbeitsthätigkeit fern zu halten, sah inan sich dan:als-nach den: Gesetz gej nölhigt, ״Verbände von ׳Nichtmeistern," oder Verbände 1 von ״Arbeitern" bloß für die Juden, zu stiften: Die