Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 13 (29.3.1883)
- Article
- Salomonische Spruchweisheit
- Date
- 1883-03-29
- Page
- 196 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2932754-2932996-2933010-2952367--12243-2952406- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
196 lichc Wostlwollen einznbüßen, so ist der Boden der sittlichen Wnhrhe1' '..׳ der Gesellschaft überhaupt erschüttert. * Und den Baisam des Trostes und der Heilung weiß das rechte Wort befummelte« nnd verletzten Gemüthcrn zu bringen nnd Besänftigung den ansgeregten. Sorge in eines Mannes Brust soll er selbst Niederhalten, Aber ein gutes Wort kann sie in Heiterkeit umwandeln. (K. 12, 25.) שהה 011־0 דשהגה beugen, er soll sie Niederhalten, nicht aufkomincn lassen, sich nicht von ihr ganz einnehmen lassen; al׳er der Zuspruch eines rechten Wortes kann ihn zu Heiterkeit ansrichten. Mancher spricht unbesonnen wie Messerdolchstiche, Mer die Zunge Weiser bringt Heilung. (K. 1 2, 18.) Heilkraft der Zunge kann einen Baum des Lebens erzeugen, So wie auch nur ein Schwanken mit ihr einen Bruch im Gemüthe. (K. 15, 4.) Crtu unbesonnenes Wort kann tief bis auf den Tod verletzen, das Wort der Weisen bringt nur Heilung dem Gcmnthc und kann zu einem das ganze Leben. durchtnugeuden Baum den Keim in'S Gemüth legen, während unter Umständen auch bloS ein schwankendes Wort (סלף fuljc Pent. 2. B. M. 23, 6.) dem Gemüthe einen dauernden Bruch versetzen kann. Eine sanfte Erwiderung beschwichtigt Hitze. Ein kränkendes Wort steigert den Zorn. (9t. 15, 1.) Mit Laugmnth wird ein Vorgesetzter beredet, Eine sauste Zunge bricht ein Knochen-Gelenk. (K. 25,!5.) Einen im Zorn zum Schlag erhobenen Arm entfrästet ein sanftes Wort. * . DüiS Buch der Sprüche ist voll von Schilderungen der Gegensätze, durch welche Thoren und Weise sich in der Erscheinung unterscheiden. Daß dieser Unterschied sich auch in ihren Reden zeigt, liegt nahe, und haben wir schon einige dahin bezügliche Sprüche wiederzugcben versucht. Wir heben noch einige wenige hervor: Durch den Mund des Thoren wird der Stolz sein Stock, Die Lippen der Weisen aber bewahren sie davor. (K. 14, 3.) Wir glauben das heißt: Die Fähigkeit der Sprache wird d-cm Thoren ein Werkzeug, an welchem sich sein Stolz «ufrichtet und wächst. Er lchrt sich gern sprechen und freut sich, das Sclvslbewußtsein seiner vermeintlichen Größe und Ucberlegenheit äußern zu können. Ohne das Wort bliebe sein Stolz nur ein innerliches Gefühl ohne äußere Bed-׳״tnng. Dem Weisen aber wird eben das Wort ein Präservativ vor überhand nehmendem Stolz. Drängt sich ihm einmal ein stolzes Wort auf die Zunge, so fühlt er eben daS ganze Lächerliche und Unwürdige einer solchen Aenßernng. und indem er die Lippe schließt, das stolze Wort nicht über die Lippe kommen läßt, wird ihm dies Veranlassung, das stolze Gefühl überhaupt zurück zu drängen und keinen Hochmnth bei sich anfkommcn zu lassen. Der Weise hört die Warnung: Mag ein Anderer dich rühmen und nicht dein Mund, Der Fremde selbst, aber nimmer deine Lippen. (K. 27, 2.) Selbst wenn der Ruf deiner geistigen oder sittlichen Tüchtigkeit über deinen nächsten Kreis hinaus in den Kreis Fremder gedrungen und von ihm rühmende Anerkennung findet, bleibe deinen Lipppen ein jedes stelbstlobendeS Wort unmöglich. Weise verbergen Wissen, DeS Thoren Mmtd ist naher Schrecken. (K. 10, 14.) Weise wissen Manches und sehen Vieles voraus, was sic verschweigen, um nicht nnnöthigen Schrecken zu verbreiten, des Thoren Mund kennt nicht nur eine solche 'Rücksicht nicht, er spricht gern vom Schauerlichen und Schrecklichen, nnd verbreitet auch Schrecken, wo die Wirklichkeit keine Veranlassung bietet. DeS Thoren Mund bringt ihm Schrecken Und seine Lippen sind ein Fallstrick für ihn selbst. (K. 18, 7.) Wer seinen Mund wahrt, schützt sich selbst. Wer ungezügelt seine Lippen öffnet, bereitet sich ' . Schrecken. (K. 13, 3.) Er spricht Unbesonnenes, wovon er die Folgen nicht berechnet nnd sieht dann mit Schreck, was er angerichtet und in welche Verantwortung er sich selbst gebracht. * Sprich nicht zu den Ohren eines eingebildeten Thoren, Denn er hat nur Mißachtung für das Vcrständige deitter Worte. (K. 23, 9.) כסיל ist eigentlich der eingebildete Thor. Er hält sich klüger als die ganze Wett und ist für jedes vernünftige Wort unzugänglich. Peitsche dem Roß, Zügel dem Esel Und Ruthe für den Rücken eingebildeter Thoren. Einem solchen Thoren antworte nicht nach seiner Thorheit, Damit du dich nicht ihm gleichsetzcst,